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Religion und Angst

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Zuletzt aktualisiert von Atheist Steinbrenner am 17. November 2015 - 7:26

In einem kürzlich gegebenen Zeitungsinterview äußerte sich der Vorsitzende des bfg Augsburg und stellvertretende Vorsitzendes des bfg Bayern, Gerhard Rampp, wie folgt:

Sehen Sie Religion grundsätzlich als Dogma an?

Eine Religion, die ihre Lehre als Wahrheit begreift, kann gar nicht anders als dogmatisch sein. Es gibt allerdings auch Religionen wie den Buddhismus oder den Shintoismus, die sich als Angebot an Menschen verstehen, das von diesen je nach Bedürfnis mal mehr und mal weniger genutzt wird. In Japan sind 80 Prozent Shintoisten und 70 Prozent Buddhisten. Für die drei monotheistischen Religionen wäre ein solches pluralistisches Verständnis allerdings kaum denkbar.

Aus welchen Gründen, glauben Sie, schließen sich Menschen religiösen Gemeinschaften an?

Bei Katholiken und Protestanten sind 98 Prozent dabei, weil sie als Säuglinge hineingetauft wurden. Ansonsten schließen sich nur sehr wenige bewusst einer Religionsgemeinschaft an. Die Hauptmotive sind die Suche nach einer (vermeintlichen) Wahrheit oder nach Gemeinschaft.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Religion und Angst?

In der traditionellen Lehre aller drei Buchreligionen besteht der Zusammenhang aufgrund der Vielzahl der zu erfüllenden Vorschriften, ohne deren Befolgung der Weg zum (angeblichen) Heil im Jenseits nicht möglich ist. Das wurde schon Kleinkindern mit dem Spruch "Der liebe Gott sieht alles" eingetrichtert. Heute kommen Religionspädagogen teilweise davon ab - aber hauptsächlich deshalb, weil sie mit den alten Methoden die aufgeklärter und kritischer gewordenen Menschen nicht mehr halten können.

Sehen Sie beispielsweise Gott als Person,  die Angst macht, oder eher als eine Art Hilfe für die Christen?

Für Juden, Christen und Muslime ist Gott jedenfalls nur als Person denkbar, alles andere würde zu unlösbaren inneren Widersprüchen führen. Die Vorstellung jedoch, Gott sei eine Art perfekte menschliche Person, wurde schon in der Antike als Wunschvorstellung entlarvt. Xenophanes sagte schon um 480 vor unserer Zeitrechnung "Wenn Schafe oder Rinder einen Gott hätten, so hätte auch dieser die Gestalt eines Schafes oder Rindes. Und der Gott der Dreiecke wäre selbst ein Dreieck."
Ob der Glaube an Gott eine Hilfe für Christen ist, kann ich als nichtchristlicher Agnostiker nicht beurteilen. Vermutlich glauben aber diejenigen an einen Gott, die sich davon eine Hilfe erhoffen oder die sich nicht damit abfinden können, dass der Mensch ein biologisches Wesen ist, das wie alle anderen auch einmal verschwindet.

Welche Religion ist Ihrer Meinung nach die überzeugendste?

Am ehesten noch eine pantheistische wie der Buddhismus, aber ich halte die Idee eines evolutionären Humanismus als ethische Orientierung für noch lebensnäher und brauchbarer. Völlig realitätsfremd ist aber die Vorstellung, dass ein Gott - wenn es denn einen gäbe - Menschen mehr lieben soll als andere Wesen. Unsere Sonne samt Planeten ist im Vergleich zum Universum viel kleiner als ein einziges Sandkorn im Vergleich zur riesigen Wüste Sahara. Und da sollen winzige Mikroben der Spezies Homo sapiens sapiens (die im übrigen erst im letzten Hunderttausendstel dieses Universums entstanden sind) auf diesem Sandkorn die "Krone der Schöpfung" sein, die diesem Schöpfer besonders am Herzen liegen? Wer da nicht begreift, dass dies reines Wunschdenken eben dieser Mikroben ist, dem ist nicht mehr zu helfen.