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Humanistentag 2014: „Wir müssen Menschen wie Menschen behandeln“

Zuletzt aktualisiert von Poldi am 23. Mai 2014 - 17:36

Regensburg, den 23. Mai 2014 • Gotthold Streitberger hat für sein Engagement in der „Bürger_innen-Initiative Asyl“, kurz: „BI Asyl“ (http://biasyl.wordpress.com/), kürzlich den „Preis für Zivilcourage 2014“ von pax christi erhalten. Als Aktiver beim „Bund für Geistesfreiheit“ (bfg) Bayern unterstützt Streitberger den „Humanistentag 2014“, der vom 28. Mai bis 1. Juni in Regensburg vom bfg veranstaltet wird – als Alternative zum „Katholikentag“. In einem Interview im Vorfeld des Humanistentags begründet Gotthold Streitberger sein Engagement und stellt seine Anliegen vor.
 

Frage: Sie sind seit langer Zeit in der Regensburger „Bürger_innen-Initiative Asyl“ (BI Asyl) aktiv. Was ist Ihre Motivation?

Antwort: Die Erkenntnis „Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt“ prägt mein Handeln. Eine wesentliche Ursache von Fluchtbewegungen sind westliche Rüstungsexporte und das ungerechte Weltwirtschaftssystem, das vor allem uns selbst nützt. Die allerwenigsten Flüchtlinge schaffen es nach Europa. 23.000 tote Flüchtlinge wurden seit dem Jahr 2000 an den Außengrenzen Europas gezählt. Wer lebend hierher kommt, wird systematisch entrechtet, diskriminiert, ausgegrenzt, krank gemacht und seiner Würde beraubt. Dabei werden Grundprinzipien von Humanität, Rechtstaatlichkeit und Demokratie missachtet, ausgehöhlt und zerstört. Diesem Zustand entgegenzuwirken und dafür weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen, ist meine Motivation, entsprechend dem Titel meiner Diplomarbeit von 1984: „Asylpolitik und Asylpraxis – eine Herausforderung für menschlich und demokratisch Denkende“.

Frage: Für Ihr Engagement in der „BI Asyl“ haben Sie kürzlich den „Preis für Zivilcourage 2014“ von pax christi erhalten. Laudator war der Chefre-dakteur der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl. Welche Botschaften haben Sie aus dessen Rede mitgenommen in die weitere politische Arbeit?

Antwort: Herrn Prantls Rede war sehr eindrucksvoll, sie kann auch auf unserer Internetseite nachgelesen werden. Als Fazit hat der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung dazu aufgerufen, man solle „wachsam handeln, den Menschenfeinden nicht das Feld überlassen“, und am Ende aus einem Märchen der Gebrüder Grimm vorgelesen. In dieser Geschichte schließen sich einzeln Schwache oder Zerbrechliche zusammen und bezwingen den starken Herr Korbes, der das Böse repräsentiert. Diese Erzählung macht Mut.

Frage: Sie sind neben Ihrem Asyl-Engagement auch beim „Bund für Geistesfreiheit“ (bfg) Bayern aktiv. Wo liegen die Berührungspunkte zwischen den beiden Themenfeldern und Organisationen?

Antwort: Ein Hauptslogan der „BI Asyl“ heißt: „Menschen wie Menschen behandeln“. Das Motto des bfg und eines der Leitworte der Humanistentage lautet: „Auf den Menschen kommt es an“. Wichtig sind demnach nicht die Nationalität, Hautfarbe oder Religion. Dieser gemeinsame Grundansatz ist ein wichtiger Berührungspunkt für mich. Es gibt auch noch einige andere.

Frage: Die bayerische Landesregierung und die Stadt Regensburg lehnen eine finanzielle Förderung des Humanistentags 2014 ab, während sie für den zeitgleich stattfindenden Katholikentag hohe sechsstellige Beträge zur Verfügung stellen. Wie bewerten Sie diese Ungleichbehandlung?

Antwort: Ich halte dies für ungerecht. Von der „christlichen“ CSU-Landesregierung ist leider nichts anderes zu erwarten. Von der Stadt Regensburg unter der neuen, SPD-geführten Koalition erhoffe ich mir allerdings schon mehr. Vielleicht geht aber nachträglich noch etwas...

Frage: Wann wäre der Humanistentag 2014 aus Ihrer Sicht als Erfolg zu betrachten?

Antwort: Dass es während des Katholikentages auch „religionsfreie Zonen“ gibt, betrachte ich als schönen Erfolg und danke dem bfg dafür. Ich wünsche mir, dass mit dem breitgefächerten Programm möglichst viele Menschen erreicht werden.

 

Das beigefügte Foto kann im Zusammenhang mit diesem Interview frei genutzt werden.

Mehr Informationen:

www.humanistentag2014.de

Kontakt:

- Erwin Schmid, Vorsitzender des bfg Bayern, E-Mail: vorsitzender(at)bfg-bayern.de
- Michael Kraus, Pressesprecher des Humanistentag 2014, Tel. 0151-12411239, E-Mail: bfg_regensburg(at)yahoo.de

Das Interview gibt es auch als PDF-Datei zum Download