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Humanistentag 2014: „Der Islam ist keine Religion des Friedens“

Zuletzt aktualisiert von Poldi am 29. Mai 2014 - 14:19

Interview mit der politischen Aktivistin und Menschenrechtlerin Mina Ahadi („Zentralrat der Ex-Muslime”)

Regensburg, den 29. Mai 2014 • Vom 28. Mai bis 1. Juni 2014 veranstaltet der Bund für Geistesfreiheit (bfg) Bayern, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, den „Humanistentag 2014“ in Regensburg – als Alternative zum Katholikentag. Die Menschenrechtlerin Mina Ahadi, 1. Vorsitzende des „Zentralrats der Ex-Muslime“ (http://www.ex-muslime.de/), beteiligt sich mit zwei Beiträgen am Humanistentag. In einem Interview im Vorfeld begründet sie ihr Engagement und stellt ihre Ziele vor.

Frage: Frau Ahadi, Sie wurden vom islamistischen Regime im Iran als Linke verfolgt und mussten vor der gegen Sie verhängten Todesstrafe ins Ausland fliehen. Ihr Mann wurde vom Regime umgebracht. Offizielle Vertreter des Islam bezeichnen Diktaturen wie den iranischen „Gottesstaat“ oftmals als „Verirrung“, der Islam sei die „Religion des Friedens“. Wie ist Ihre Position?

Mina Ahadi: Aus meiner Erfahrung heraus bin ich der Überzeugung: Der Islam ist keine Religion des Friedens, sondern sehr frauen- und menschenfeindlich. Dafür gibt es zahlreiche Belege im Koran. In meinem Heimatland Iran herrscht seit mehreren Jahrzehnten ein politisches Machtsystem, das die Scharia mit sehr viel Gewalt und Brutalität durchgesetzt hat. Im Alltag islamisch regierter Länder – insbesondere in „Gottesstaatsregimen“ wie Iran, Saudi-Arabien, Sudan – sowie im Leben von muslimischen Frauen und Männern zeigen sich zahlreiche negative Auswirkungen der Religion, wobei es sich dabei auch teilweise um kulturelle Traditionen handelt.

Frage: Sie haben im Exil das „Internationale Komitee gegen Steinigung“, ein Netzwerk aus 200 internationalen Organisationen, sowie das „Komitee gegen die Todesstrafe“ gegründet und damit bereits vielen Menschen das Leben gerettet. Bei der Gründung des „Zentralrats der Ex-Muslime“ wurden Sie im Januar 2007 zur 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt. Seitdem stehen Sie immer wieder unter Polizeischutz, werden auch von deutschen „Linken“ regelmäßig angefeindet. Woraus ziehen Sie Ihre Kraft?

Mina Ahadi: Mit dem „Internationalen Komitee gegen Steinigung“ und dem „Komitee gegen die Todesstrafe“ konnten wir schon viele ganz konkrete Erfolge für betroffene Menschen erreichen. Durch den Druck auf islamische Regime haben wir in vielen Fällen Hinrichtungen verhindert und dadurch auch Frauen- und Menschenrechte gefördert. Mir machen zahlreiche positive Erfahrungen mit jungen Menschen und Frauen, die in der Todeszelle sitzen, sowie mit humanistischen Menschen im Iran Mut, mit denen ich in Verbindung stehe. Gerade Menschen, die ganz akut vom Tod bedroht sind, entwickeln oft ungeahnte Kräfte und ein großes Herz, setzen sich sogar noch für andere Leidensgenossen ein. Jeder gerettete Mensch ist ein sehr großer Erfolg, daraus ziehe ich meine emotionale Kraft und
meine Hoffnung. Die Menschenrechtsarbeit ist ein wesentlicher Teil meines Lebens, aufgrund meiner eigenen Lebens- und Leidensgeschichte. Den Personenschutz brauche ich wegen Drohungen islamischer Regime und Organisationen. Doch deshalb gebe ich nicht klein bei, zumal sich immer mehr Erfolge einstellen. So kann etwa das Regime im Iran aufgrund des internationalen Protests derzeit faktisch keine Steinigungen mehr durchführen.

Frage: Seit 2009 arbeiten Sie für die Giordano-Bruno-Stiftung, um Ihre engagierte Menschenrechtsarbeit fortführen zu können. Was verbindet Sie mit dem Anliegen des „Humanistentags 2014“ in Regensburg, und warum unterstützen Sie diesen?

Mina Ahadi: Ich finde diesen Humanistentag sehr wichtig. Der Humanismus als politische Bewegung, die sich für Menschen- und Frauenrechte einsetzt, ist von hoher Bedeutung. Damit können wir der Brutalität islamischer Regime, die häufig zu Folter und Todesstrafe greifen, etwas Positives entgegensetzen. Auf meine persische Übersetzung des umfangreichen Humanistentag-Programms habe ich sehr viele positive Rückmeldungen über persische Internetseiten erhalten. Nach der Veranstaltung werde ich auch einige Beiträge in Deutsch und Persisch über meine Erlebnisse auf dem Humanistentag schreiben.

Frage: Welche Inhalte können die Gäste bei Ihrem Vortrag „Verletzung der Menschenrechte durch den Islam“ sowie bei Ihrer Teilnahme an der Podiumsdiskussion „Menschenrechte und Religion“ auf dem Humanistentag am 31. Mai erwarten?

Mina Ahadi: In meinem Vortrag möchte ich vor allem über meine Erfahrungen reden und dabei an einzelnen Fällen schildern, wie Menschen im Islam aus religiösen Gründen verfolgt werden. Ich stelle zudem den Islam als Religion, kulturelle Tradition und politische Bewegung dar. Außerdem möchte ich einige Perspektiven für die Zukunft der islamisierten Länder entwickeln. Bei der Podiumsdiskussion will ich vor allem auf die Menschenrechtsverletzungen im Islam eingehen.

Frage: Wann wäre der „Humanistentag 2014“ aus Ihrer Sicht als Erfolg zu betrachten?

Mina Ahadi: Dass der Humanistentag stattfindet, ist für mich schon ein Erfolg. Meine wichtigste Botschaft beim Humanistentag lautet, dass Menschenrechtsorgani-sationen die Probleme im Islam ernster nehmen und Menschenrechte nicht als „westlichen Luxus“ betrachten. Der Islam hat zahlreiche Probleme, viel Elend und Gewalt hervorgebracht. Es ist notwendig, diese Kultur zu ändern, sie menschen- und frauenfreundlicher zu gestalten.

Das beigefügte Foto kann bei Nennung der Fotografin „Evelin Frerk/Who-Is-Hu.de“
im Zusammenhang mit diesem Interview frei genutzt werden.

Mehr Informationen:

www.humanistentag2014.de

Kontakt:

- Erwin Schmid, Vorsitzender des bfg Bayern, E-Mail: vorsitzender(at)bfg-bayern.de
- Michael Kraus, Pressesprecher des Humanistentag 2014, Tel. 0151-12411239, E-Mail: bfg_regensburg(at)yahoo.de

Das Interview gibt es auch als PDF-Datei zum Download