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Hanf oder nicht Hanf?

Zuletzt aktualisiert von bfg-muenchen am 29. Juni 2012 - 2:00

Die freigistige Szene nimmt zum Hanftag Stellung (29.6., der Termin ist am 7.7.) - dies ist keine offizielle Verlautbarung des bfg, sondern eine freigeistige Diskussion.

  • Eine Teilnahme an den Hanftagen sehe ich für unsere Gruppe  n i c h t  als gute Möglichkeit "gesehen zu werden" , da sollten wir uns nicht zeigen. Von Drogen oder Einsatz zur Drogen - Freigabe steht nichts in unseren Grundsätzen. Der Slogan "Zeigt euch" war anders gemeint und so wie er gemeint war, verstehe ich ihn auch. Wer sich für Freigabe von Hanf oder Cannabis einsetzen möchte , soll das tun, wenn er diesen Genuß oder diese Art von Selbstbestimmung braucht; das gehört zur Freiheit der heutigen Zeit. Mit "tausenden von Hanffreunden" und "Hanf-Aktivisten" möchte ich mich nicht solidarisieren ! Wer doch hin gehen will, sollte den Hinweis beachten (um nicht mit dem Betäubungsmittel-Gesetz in Konflikt zu kommen) : Keine Drogen mit nehmen , auch keine Hanfpflanzen oder Pflanzenteile ! In unseren Veröffentlichungen finde ich eine solchen Aufruf als untragbare Zumutung und als völlig deplaziert; das ist nicht unser Thema (Rainer Statz, bfg und gbs).
  • Ich nehme ohne jede Verwunderung zur Kenntnis, dass die Herren aus der regionalen gbs-Liste ob der Ankündigung des Hanftages in regelrechte Empörung versetzt worden ist. Was bloß ist geschehen? Um was geht es denn? Hier finden wir uns ja in einem Land, in dem die Droge Alkohol erlaubt ist und erfolgreich besteuert wird, und Hanf als Rauschmittel quasi verboten ist. Gesellschaftlich problematisch aber ist der selbstbestimmte Genuß von Alkohol, nicht der von Hanf. Um mit den Worten des vielfach ausgezeichneten Kabarettisten Hagen Rether zu sprechen... kennen Sie Autounfälle ob erhöhtem Haschisch-Konsums? Kennen Sie Stadionrandalierer ob erhöhten Haschischkonsums? Kennen Sie Familiendramen ob erhöhten Haschischkonsums? Gibt es Parties mit Flatrate-Haschisch-Rauchen? Und so weiter und so weiter und so weiter... Hanf an sich ist kein Problem. Aber als Genußmittel hier in diesem Forum in der Kritik, verteufelt, verraten, verboten. Ohne dass es dafür einen wissenschaftlich fundierten Grund gibt.  Alle Arten der Denkverbote, der überkommenen Ritualpflege, der willkürlichen Zensuren müssen unseren Argwohn hervorrufen. Nicht zuletzt deshalb sind wir auch in der GBS. Vieles ist -  nicht zuletzt gegen den Einfluß der Religionsvertreter - in jüngst vergangener Zeit mühsam erstritten worden, was vor vielen Jahren nicht denkbar war. Frauen, Neger und Schwule dürfen wählen und sogar selber alleine Auto fahren, ihr eigenes Geld verdienen und selber ausgeben. Uneheliche Kinder sind gar erbberechtigt, Frauen, Schwule und Grüne dürfen Bürgermeister (und mehr) werden, und das selbstbestimmte Ende des Lebens ist quasi irgendwie allen möglich. Die Menschheit entwickelt sich zum Glück, so vieles haben demokratische Freigeister hierzulande erreicht... bloß beim Hanf, also da hörts auf? Zumindest in Bayern? Oder wenigstens in der gbs-muc? Die Giordano Bruno Stiftung - in der ich die Ehre habe, Beirätin zu sein - versteht sich als thinktank. Sie ist eine Denkfabrik, sammelt die hochkarätigsten Wissenschaftler und engagiertesten Zeitgeister und will gesellschaftlicher Vorreiter sein. Und das auf allen Gebieten. In ihren "Kreisen" in Zusammenhang mit Veranstaltungsankündigungen aus der regionalenpolitischen Welt lesen zu müssen von 'völlig deplazierten untragbaren Zumutungen" mutet doch befremdlich an. Aber wahrscheinlich ist - bei einem guten Glas Wein oder anderen Rauschmitteln gelassen betrachtet - einfach gemäßigter Optimismus angesagt. Solange bis bei der nächsten Sonnwende vor der Universität zu München der Joint anstatt der Freixenet kreist... (Assunta Tammelleo, bfg-München-Vorsitzende).
  • Recht viel Engagement für den Hanf (in Textlänge gemessen). Hatte auch länger die Auffassung, dass Hanf harmloser wäre als Alkohol. Allerdings habe ich auch vor kurzem Hinweise gefunden, dass z.B. eine Disposition zur Schizophrenie durch Hasch manifest werden kann. Also das ist noch nicht endgültig geschwätzt. Ich würde da einfach noch mal abwarten was den Hanf betrifft, und mit Alkohol mäßig umgehen (ungenannte Stimme aus der gbs).
  • Es geht m.E. in der Diskussion nicht darum, wie gesund Hanf ist. Wäre das das Thema, dann müsste Alkohol und Nikotin schon lange kriminalisiert werden. Wie sinnvoll so eine Kriminalisierung ist, hat die Prohibition hervorragend bewiesen. Wer also gerne der organisierten Kriminalität Geschäfte zuschieben möchte, ist mit solchen Verboten gut bedient. Es geht auch nicht darum, wie moralisch minderwertig Hanfraucher möglicherweise sind, sondern um die durch nichts gerechtfertigte Unterscheidung im Umgang von Drogennutzern bei Alkohol/Hanf/Nikotin usw.. Sollte man dabei unsere "Kultur" als Argument herbeiziehen, dann könnten wir auch wieder die Sklaverei einführen, das Frauenwahlrecht abschaffen, Homosexualität wieder sanktionieren, Juden wieder verbrennen usw. Vor 32 Jahren war ich in Pakistan, da gab es die Todesstrafe für den Gebrauch von Alkohol, während man Opium in der Apotheke kaufen konnte. Kulturell bedingt richtig, oder? Die GBS steht für eine rationale Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen, nicht für Stammtischparolen. Deswegen macht es Sinn, solche Themenkreise durchzudenken (Wolf Steinberger, bfg)
  • Hallo Assunta, wie immer hast Du Recht, jedenfalls beinahe. Ich bin nicht nur ein alter Mann (für Dich sogar "Herr"),  sondern auch ein alter Arzt, der auch eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Haschisch hat, aber eben auch mit Menschen. Darum habe ich nichts gegen die Freigabe von "Hanf". Sie würde sogar viele Probleme lösen, unteranderem das Dealerwesen an unseren Schulen. Für die meisten Menschen sind Drogen aber ganz schlimm, etwas kriminelles. Oft gerade für die, die sich selbstverständlich jeden Tag "ihr Bierchen" gönnen. Diese Leute differenzieren auch nicht zwischen leichten und harten Drogen. Und wenn wir ehrlich sind, kann Hanf auch eine Einstiegsdroge für härtere Drogen sein. Die Gefahr, dass jemand daran hängen bleibt, ist genauso groß wie beim Alkohol. Die GBS und der BFG bemühen sich redlich um die Seelen der Bürger. Unsere Gegner, die Kirchen bemühen sich deshalb darum, uns bei diesen Bürgern schlecht zu machen und Atheisten als gesetzloses Pack hinzustellen. Dem sollten wir unter unter dem o. g. Gesichtspunkt nicht noch zusätzlich Munition liefern. Unser vorrangiges Ziel ist die Abschaffung der Privilegien der Religionen, das sollten wir im Auge behalten. Wolf hat es in seiner Antwort  ja schon gesagt. Jeder von uns kann seine eigene Meinung vertreten, aber bitte nicht im Namen von GBS oder BFG. Diese Organisationen sollten "sauber" bleiben. Sonst schaden wir nur unseren Zielen. Sapere aude! (Heinrich Klussmann, gbs).
  • Hallo Heinrich, danke für die Erläuterungen. Die Argumentation, dass es uns im Licht der Öffentlich schadet, wenn wir uns eines Themas annehmen und da nicht die Mainstream-Ideologie vertreten,  die hatten wir schon oft. Sie wird dadurch aber nicht unbedingt richtiger. Uns wurde vorgeworfen, es wäre falsch - uns mit einem negativ besetztenen Begriff wie Gottlosen-Stammtisch zu bezeichnen - für Heidenspaß statt Höllenqual am Karfreitag einzusetzen („ich muss ja nicht unbedingt am Karfreitag Musik hören“) - auf dem CSD aufzutreten - einen Kunstpreis Blasphemie auszuschreiben - eine „Gottlose Zone“ einzurichten - uns mit Organisationen von Homosexuellen oder Transgendern  zusammen zu tun, weil „solche Leute“ „in der Öffentlichkeit“ schlecht ankommen und weil das nicht „unser Thema“ wäre usw. usf. Trotzdem haben wir es mit solchen Aktionen nach Jahrzehnten endlich mal geschafft, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Die öffentliche Zustimmung war weit größer als die Ablehnung. Vorher waren wir eher ein Geheimbund im humorfreien Keller, plötzlich werden wir sogar von öffentlich rechtlichen Sendern befragt. Manche Leute, auch innerhalb unserer Verbände, halten sowas für „Krawall-Atheismus“ und „der Sache abträglich“. Sie bekämpfen diese Aktionen mir allen fairen und unfairen Mitteln. Wegen des „Gottlosen-Stammtisches sind ein paar Leute aus dem bfg ausgetreten (allerdings deutlich mehr deswegen eingetreten) und wir vom Vorstand mussten uns teilweise übel beschimpfen lassen. Auch jetzt wieder ist zur Frage, ob wir am „Hanf-Tag“ teilnehmen wollten, schon sofort von „völlig deplazierten untragbaren Zumutungen" die Rede. Schon wieder Gotteslästerung? Was für ein Argument!? Ich glaube aber, dass es uns eher zur Ehre und zum Vorteil gereicht, solche Aktionen durchzuführen. Unsere Gesellschaft ist nicht mehr wie vor 50 Jahren, wir können es wagen, den Mund aufzumachen und modernere, wissenschaftsbasierte, sachbezogene Ideen äußern, auch wenn die noch nicht in üblich sind. Siehe z.B. gbs-Beirat Prof. Kannitscheider, der für völlige Freigabe aller Drogen eintritt. Ich muss nicht Frau sein, um für die Gleichberechtigung von Frauen zu sein, ich muss nicht schwul sein, um gegen die Diskriminierung Homosexueller zu kämpfen, ich muss nicht ständig bekifft sein, um für eine Gleichbehandlung aller Drogen einzutreten und auf neuen Erkenntnissen aufbauende gesetzgeberischen Lösungen zu fordern. Wir waren letztes Wochenende mit einem Infostand im stockkatholischen Wasserburg am Inn, Du glaubst nicht, wie viele Leute uns gesagt haben „endlich traut sich mal jemand“. So wird es auch bei der Hanf-Frage sein. Die, die so eine Aktion unmöglich finden, sind eh nicht vor Ort, bei den anderen können wir punkten. Du darfst nicht vergessen, die heute „Alten“ waren zu Hippie-Zeiten jung, haben Beatles, Doors, Pink Floyd und Stones gehört, gehören zur „Kiffergeneration“. Die Jungen lächeln eh nur noch drüber. Die „schweigende Mehrheit“, die uns in die Tonne treten wird, gibt es nicht mehr, oder nur noch im Altersheim. Die sterben einfach weg. Also sogar rein strategisch macht es wahrscheinlich Sinn, auf dem Hanftag präsent zu sein.. Ich persönlich nehme gern in Kauf, von gewissen Leuten deswegen schief angesehen zu werden und ich würde nicht aus angeblich taktischen Gründen meine Meinung hinter dem Busch halten (Wolf Steinberger, bfg).
  • Danke, Heinrich, so würde ich das auch unterschreiben. Das ist nicht unser GBS-Thema, aber es kann sich sicher jeder nach bestem Wissen und Gewissen als private und einzelne Persönlichkeit dazu äußern. gbs-Beirat Prof. Kannitscheider, der für völlige Freigabe aller Drogen eintritt - er hat völlig Recht, das unterschreibe ich.  Sicher kann man durch generelle Legalisierung von allen Drogen die gesamte Beschaffungskriminalität loswerden und das Geld dann den Krankenkassen für die Behandlung der Spätfolgen des Drogenmissbrauchs geben und hat wahrscheinlich noch was gewonnen - jedenfalls hat man die Kategorie der Eigenverantwortung gestärkt!!!! Wer sich Leber oder andere Organe mit Drogen ruinieren will, soll das tun dürfen -  es wird vorübergehend einen Peak im Geschäft der Totengräber geben, das flaut dann nach einem Jahr wieder ab: Hopp oder Top - das ist dann entschieden. Das wäre noch eine Einnahmequelle: Statt Alkohol- und Nikotin-Steuer kann man dann eine Genussmittel-Steuer einführen, die dann so dimensioniert ist, dass sie die medizinische Versorgung der Spätfolgen abdeckt. Aber solche Ideen werden sicher zu Proteststürmen führen, das würde als inhuman denunziert - obwohl es gerade alle Freiheit gewährt. Zu bevormunden, das finde ich viel inhumaner (ungenannte Stimme aus der gbs). ABER: Gerade weg dieses Geschreis würde ich aber davon Abstand nehmen. Mir persönlich ist es wichtig, den Religioten jeglicher Couleur das Wasser abzugraben - die gefährden nämlich unseren demokratischen, hoffentlich irgendwann laizistischen Rechtsstaat, der uns die Menschenrechte und noch einiges mehr garantiert. Man sollte nicht seine Kräfte zu sehr zersplittern. Kardinäle, Evangelikale und Islamisten reichen fürs erste - allein schon, weil man ja nichts gegen den Islam sagen darf, ohne gleich aus den eigenen Reihen zum Rassisten erklärt zu werden, wie Alice Schwarzer, Ayaan Hirsi Ali, etc. Da hat man mit seinen eigenen "Freunden", den schlauen und soooooo toleranten Kulturrelativisten, schon genug zu tun. Dabei sind gerade die extremistischen Surensöhne derzeit _mindestens_ so gefährlich, wie die Schwarzkittel: Was denen an organisatorischem Rückhalt fehlt, machen die locker wett mit brutaler Entschlossenheit (ungenannte Stimme aus der gbs).
  • Ihr Lieben, ich kann und will und werde nie verstehen mit welch atemberaubender Geschwindigkeit und tölpelhaften Formulierungen ( ... untragbare Zumutung und als völlig deplaziert) wir uns wegen Nebenschauplätzen intern selbst zerfleischen. Wir haben ein Ziel: Uns freizumachen von den Zwängen der Religionen und den Kampf gegen überirdische Wesen und irrationale Vorstellungen. Dieses Ziel gilt es zu vertreten und glaubhaft darzustellen und zu argumentieren. ZEIGT EUCH heißt für mich hinter diesen Zielen zu stehen, sie öffentlich und sichtbar zu machen. Der Ort ist jeder Ort, der eine Diskussion erlaubt und der Aufmerksamkeit schafft. Die Mittel sind jedem nach seiner Fasson zu überlassen und wer etwas im Sinne der vorgenannten Ziele tut, hat zunächst mal das Recht der Tätigen. Wie Wolf schon sagt muss ich keine Frau sein um mich für Frauenrechte einzusetzen. Man muss sich auch nicht mit den Druiden bei Stonehenge identifizieren, wenn man eine Equinoxfeier organisiert. ZEIGT EUCH wo Ihr könnt und überlässt bitte die Dogmatik den Kirchen. Gegen diese Art von Engstirnigkeit wollen wir schließlich vorgehen und sie nicht auch zu unserem Prinzip machen. Wenn alle so aktiv mit den Leuten auf der Straße diskutieren würden, wenn es dazu eine Gelegenheit gibt wären wir schon einen großen Schritt weiter. Also spart euch doch den Atem für die Diskussionen, die zu unseren Zielen führen (Michael Wladarsch, stellvertr. Vors. bfg München).
  • Wolf möchte gerne ganze Jahrgänge von Mitmenschen zu Kiffern machen, auch meinen Jahrgang; ich war aber nie ein Kiffer, auch nicht die allermeisten meiner Altersgenossen, selbst nicht die meisten Musiker, mit denen ich in den 50 er und 60 er Jahren musiziert habe. In unseren mails (gbs) kommt auch nirgendwo ein "Denkverbot" vor , was Assunta uns unterstellen möchte. Im Gegenteil : ich habe ausdrücklich eine (interne) Diskussion angeregt. Das werde ich auch am Wochenende in der gbs-Zentrale tun, also im gbs-thinktank, falls ich da Gesprächspartner finde, die was über aktive Teilnahme an Hanf- und Cannabis- Aktionen beitragen wollen. (Rainer Statz, bfg und gbs).