Zum Jahreswechsel 2002/2003
Vortrag von Prof. Dr. Herbert Wiener am 29.12.2002 in der Rathausdiele Schweinfurt
Herr Vorsitzender, liebe Gesinnungsfreundinnen und –freunde,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
„Religion und Wissenschaft – Feuer und Wasser?“ lautet das Thema meines heutigen Vortrages zur Jahresabschlussfeier unseres Bundes mit Ehrung von Jubilaren. Zu diesem Thema möchte ich Ihnen einige Überlegungen und Thesen vortragen.
- Wie nicht anders zu erwarten, wurden wir über die Feiertage auch in nahezu allen Programmen mit Filmen konfrontiert, die jedem wissenschaftlich-historischen Anspruch spottend an christlich-missionarischem Eifer kaum zu überbieten waren:
- Krippenspiele am Heiligen Abend, pseudo-wissenschaftlich theologisch-professoral untermauert, wie Jahre vorher bereits monumentale Filme wie „Jesus“, „Die Bibel“, „Moses“ und „Josef“, - verfilmt von der Kirch-Gruppe in Deutschland und der Quinta-Gruppe in Italien zu Zeiten, als sie noch an die großen TV-Gewinne glaubten.
- Über die Kreuzzüge, die Hexenverfolgung durch die „heilige Inquisition“, die Verbrennung der Andersdenkenden = Ketzer, die Judenverfolgung (= die Andersgläubigen) sieht man, zumindest in dieser Zeit, wenig.
Ich möchte mich aber nicht einseitig mit der christlich-römischen Kirche befassen, sondern auch einen summarischen Blick auf andere Religionen und Weltanschauungsgemeinschaften und auf Sekten werfen.
Seit Menschen über Menschen berichten, ist von höheren Wesen – gemeinhin Götter genannt – und den Umgang mit ihnen, im allgemeinen verkürzt als Glaube bezeichnet, die Rede. Wissenschaftlich zugänglich sind alte Schriftrollen aus China, die über Buddha, Tao und Lao-tse berichten, Papyrus- und Pergament-Schriftrollen aus Ägypten und Phönizien, Höhlen- und Wandzeichnungen aus der Vorzeit oder aus Tempeln, Schriftzeichen, Runen, Hieroglyphen und aber Tausende von Ausgrabungsergebnissen von Forschern rund um den Globus. Die schriftlichen Aufzeichnungen auf Papier und Leder, ob z.B. Bibel oder Koran, sind zwar am deutlichsten und häufigsten, - gleichzeitig aber auch die am leichtesten Verfälschbaren.
Zu den ältesten bekannten Religionen, von denen wissenschaftlich verwertbare Zeugnisse existieren, zählen die Weltanschauungen der Ägypter im so genannten Alten Reich und der Chinesen in den ersten Dynastien. Interessant ist, dass die Forscher festgestellt haben, dass diese Perioden über ein erstaunlich hohes Wissen verfügten.
Bei den alten Ägyptern waren es vor allem die Geometrie und die Sternkunde, bei den alten Dynastien in China, immerhin mehr als 3 Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung, die Kenntnisse der Chemie und der Heilkunde, die außerordentlich hoch entwickelt waren.
Man kann davon ausgehen, dass diese Religionen der Entwicklung der Wissenschaft einen breiten Raum einräumten und sie sogar in den genannten Bereichen, wohl wegen Kriegsvorteilen, förderten. Allerdings darf davon ausgegangen werden, dass die ägyptischen Pharaonen, die sich – wie die römischen Cäsaren oder Sektengründer in unserer Zeit ebenso – gleich selbst zu Göttern erklärten, dieser Wissenschaftsfreiheit hinsichtlich ihrer eigenen Person enge Grenzen setzten.
Sowohl im Zen-Buddhismus in Japan als auch der Buddhismus in Indien und China waren Religionen der Mächtigen für die Massen. Die Geburt entschied über die Zugehörigkeit zur jeweiligen Schicht oder Kaste und je nach Lebensweise des Einzelnen konnte die Wiedergeburt ihm nach seinem Tod ein neues Leben in einer besseren Schicht ermöglichen.
Auch die jüdische Religion räumte der Wissenschaft einen hohen Rang ein. Die semitischen Völker, insbesondere die Hebräer, förderten wissenschaftliche Talente in ihren Reihen. Philister zu sein, Angehöriger der Verwaltung, war eine hohe Auszeichnung und erforderte Lese-, Schreib- und Menschenkenntnisse. Familien mit wissenschaftlich gebildeten Mitgliedern – häufig auch wegen ihrer wissenschaftlich begründeten Vorhersagen als Propheten bezeichnet – genossen hohes Ansehen.
Diese wissenschaftsfreundliche Grundeinstellung in der jüdischen Religion ist nach Auffassung namhafter Historiker auch einer der Gründe, warum insbesondere viele Erfinder und Entdecker im Zeitalter der technischen Revolution jüdischen Glaubens waren.
In der griechischen und römischen Götterwelt etwa 800 vor bis 300 Jahre nach unserer Zeitrechnung gab es zwar mit Zeus und Jupiter höchste Gottheiten, aber ihnen standen noch unzählige andere Götter an der Seite, einschließlich der jeweiligen weltlichen Herrscher selbst. Insbesondere die Griechen hatten einen hoch entwickelten Sinn für die Wissenschaft. Ihm verdankten wir auch noch heute unzählige wichtige Erkenntnisse in der Mathematik, der Physik und der Philosophie. Die Vielzahl der Götter scheint gleichbedeutend mit der Wissenschaftsfreiheit zu sein.
Während die Völker im rauen Norden ebenso wie die Wandervölker des Ostens zwar eine höchste Gottheit, daneben aber noch eine Vielzahl anderer Götter hatten, entwickelte sich aus dem Urchristentum Kleinasiens heraus das Christentum in Rom weiter. Es zeichnete sich, wie später auch der Islam, durch die Beschränkung auf einen Gott aus – wenngleich das Christentum sich mit seiner Interpretation der „Dreifaltigkeit“ = eines Gottes in drei Gestalten, schwer tun, wissenschaftlichen Ansprüchen standzuhalten.
Durch den Sieg Kaiser Konstantins wurde das Christentum im 3. Jahrhundert zur römischen Staatsreligion und durch die Vormachtstellung Roms am Vorabend der ersten großen Völkerwanderung schnell in ganz Europa verbreitet. Der Bischof von Rum wurde als Papst oberster Prophet des Christentums und durch die gewaltsame Verbreitung dieser Lehre über nahezu zwei Jahrtausende zu einer auch weltlich mächtigen Institution.
Im päpstlichen Christentum schien die Beschränkung auf die unbeschränkte Allmacht einer Führungsperson nur durch strenge und vielfältige Verhaltensregeln für den Verwaltungsapparat und die Gläubigen abzusichern zu sein. Jede Abweichung von der „römischen Linie“ wurde nicht nur bei Glaubens- und Sittenfragen grausam verfolgt. Die Angst, dass Veränderungen zu einem Machtverlust für Rom führen könnten, führte soweit, dass alle Lehren, die eine andere Auffassung vom herrschenden Weltbild auch nur als möglich erschienen ließen, als ketzerisch und gotteslästerlich verfolgt wurden.
Bekannte Beispiele hierzu sind
- Die Verfolgung von Galileo Galilei, Nikolaus Kopernikus, Giordano Bruno, Johannes Kepler, Georg Darwin im Bereich der Naturwissenschaften
- Die Verfolgung der Arianer, Katharer, Hussiten, griechischen und russischen Orthodoxen und Protestanten, Prof. Küng, Pater Willigis u.v.m. als Abweichler von der reinen römisch-christlichen Lehre, der Juden und Mohammedaner, der Afrikaner, Indios und Indianer und später der Sozialisten und Kommunisten als Erzfeinde jeglichen Christentums
- Die Benachteiligung von Frauen, nicht nur durch das Zölibat und der weltweite Kampf gegen Homo- und Heterosexuelle und gegen die sichere Empfängnisverhütung
Aber auch in der Lehre vom Kommunismus, der neuen Weltanschauung des 19. und 20. Jahrhunderts sind bei den Päpsten dieser Lehre, dies sind die 1. Vorsitzenden der Zentralkomitees der Partei, nahezu gleiche Tendenzen festzustellen: Von Stalin über Mao über Castro über Mugabe und die Kardinäle der russischen Satellitenstaaten reihen sich Verfolger an Verfolger.
Die Frage drängt sich auf: Können sich im modernen Zeitalter der unbeschränkten Kommunikation Religionen bzw. Weltanschauungen mit solchen Merkmalen noch halten?
Leider bedeutet unbeschränkte Kommunikation nicht nur Information, sondern auch Manipulation. Nicht ohne Grund versuchen die rückschrittlichen Kräfte sich ihre Mediengewalt zu sichern, gleichermaßen wie die Mun-Sekte oder Scientology oder andere.
Aber trotzdem wird insbesondere die Jugend versuchen, sich über die unterschiedlichen Weltanschauungen ein vergleichendes Bild zu machen. Und es wird ihr auffallen, wenn sie feststellt, dass von den traditionellen Religionen jede behauptet, dass in ihr allein das Heil liege. Hier liegt auch eine Chance und eine Aufgabe für unseren Bund, durch eigene Öffentlichkeitsarbeit auf unsere global ausgerichteten Ziele aufmerksam zu machen.
- ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben für die Menschen aller Völker, Rassen und Nationen dieser Erde zu erreichen, und zwar im Diesseits!
- Die freie Entfaltung aller Weltanschauungen und politischen Systeme zu fördern, soweit ihnen nicht totalitäres Denken und Unterdrückung anderer zugrunde liegen.
- Und die natürlichen Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen für uns und unsere Nachkommen zu erhalten.
Aber wir wissen alle: Die Mehrheitsreligionen haben die Rituale und Traditionen der jeweiligen Völker in ihre Erscheinungsform mit einbezogen und hinterlassen vorsätzlich den fälschlichen Eindruck, als würden diese Feste, Feiern und Rituale ihren Glauben entspringen. Und was sich so über Generationen in den Menschen verfestigt hat, ist nicht innerhalb weniger Jahre wieder rational zurechtzurücken.
Die Unterdrückung des freien Strebens nach Wahrheit, der Ersatz wissenschaftlicher Betrachtung durch starre Glaubensgebote – jeweils im Interesse der gerade Herrschenden – ist so alt wie die Menschheit selbst. Und immer erst dann, wenn als Glaubenskrieg getarnte Machtgier in einer Katastrophe endet, nehmen sich die Überlebenden vor, es künftig besser zu machen.
Ein Jahreswechsel ist aber auch Anlass zurückzuschauen, in welcher Weise sich die Welt fortentwickelt hat, entsprechend den Grundsätzen, Zielen und Aufgaben, denen wir uns als Mitglieder des Bundes für Geistesfreiheit verpflichtet sehen:
- Sicher war es ein tolles Gefühl, dass Deutschland Vize-Weltmeister im Fußball wurde- und ganz ohne Ironie meine ich das auch, dass die Gleichgewichtigkeit der Fußballmannschaften aus allen Kontinenten – Australien noch ausgenommen – ein nicht unwichtiger Beitrag zur Völkerverständigung war.
Dies erleben wir aber in noch schönerer Form bei den Spielen der europäischen Champions-League, in denen in fast allen namhaften Mannschaften Spieler unterschiedlichster Nationen und Rassen bunt zusammengewürfelt und gut bezahlt dem Runden Leder hinterherrennen.
- Von unschätzbarer Bedeutung ist das Zusammenwachsen der Staaten Europas, die sich noch vor wenig mehr als einem Jahrzehnt mit Atomwaffen bedrohlich gegenüberstanden – mit dem anspruchsvollen Ansatz, unter Leitung des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Valery Giscard d´Estaing den Entwurf für eine europäische Verfassung schaffen.
- Nicht so publikumswirksam, für die Betroffenen aber um so wichtiger, war und ist die schwierige, aber doch schrittweise Normalisierung auf dem Balkan nach dem Ende des furchtbaren Krieges im Kosovo.
- Ein großer menschlicher Erfolg ist die Beendigung des Völkermords in Ost-Timor, die Durchführung des Volksentscheids zur Selbstständigkeit sowie demokratische Wahlen durch die UNO.
- Ob es für künftige Diktatoren eine Abschreckung ist, sei dahin gestellt, gleichwohl ist die Einrichtung und Internationale Anerkennung eines Welt-Gerichtshofes für Menschenrechtsverletzungen in Den Haag, mit bisher erfolgreicher Verfolgung und Verurteilung bekannter Mörder aus dem Balkankrieg, ebenfalls ein großer Erfolg der Völkergemeinschaft UNO. Leider sind die USA und Russland noch nicht bereit, den Gerichtshof anzuerkennen – sie mögen ihre Gründe haben.
- Für den Weltfrieden, vor allem aber für alle muslimischen Frauen von großer Bedeutung war die Beendigung des Terrorregimes der Taliban in Afghanistan und die weltweite Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus, sowie die gleichzeitige Zurückhaltung von immer mehr Staaten, sich bedingungslos und ohne UNO-Mandat an einem durchsichtigen Kriegsmanöver des amerikanischen Präsidenten Bush „gegen die Achse des Bösen“ zu beteiligen.
Damit beginnt aber auch die Darstellung der Rückschläge:
- Die Kriegsmanöver der Amerikaner sind bereits weit mehr als Manöver und weisen beängstigende Merkmale eines Religionskrieges „Vereinte Christenheit gegen den bösen Islam“ auf. Gleichwohl darf man immer noch auf die Besonnenheit von erfahrenen Kräften in der amerikanischen Administration und im UNO-Sicherheitsrat hoffen.
- Als schwerwiegender Rückschlag für alle bisherigen Friedensbemühungen in Nahost muss wohl auch die vom israelischen Ministerpräsidenten Sharon derzeit verfolgte Politik gegen die Palästinenser angesehen werden. Sie bietet keine Zukunftsperspektive für ein Zusammenleben von Israel mit seinen Nachbarn und gefährdet verbunden mit dem drohenden Krieg von Bush gegen den Irak in explosiver Weise den ohnehin labilen Zustand in Nahost.
- Große Sorgen bereitet auch die Entwicklung des Konfliktes zwischen Russland und Tschetschenien. Terroranschläge in Moskau einerseits und Völkermord gegen Tschetschenen andererseits. Die große Gefahr dieses Krieges liegt auch darin, dass er sich zu einem Religionskrieg ausweitet und den fundamentalistischen Gruppierungen im Islam Auftrieb gibt.
Aber die unausweichlichen bevorstehenden Veränderungen in der Weltwirtschaft werden sich auf die politischen, gesellschaftlichen und ethischen Bereiche auswirken. Wir müssen darauf gewappnet sein und sind in der Lage, eine ethnische Orientierung anzubieten, in der sich alle Menschen dieser Welt wieder finden können. Wo andere nur den Kampf gegen Andersdenkende und die Verherrlichung ihrer eigenen Lehre anzubieten haben, da bieten wir das verantwortliche Miteinander als Ganzes an.
In diesen Veränderungen liegt also auch eine große Chance für uns.
Als sich unsere Jubilarin Else Weinshöfer – leider heute verhindert und durch ihre Tochter Ingrid vertreten, aber vielen hier bekannt als die einzige Schwester unseres verstorbenen Mitglieds und Landtagsabgeordneten Oskar Soldmann und auch Schwägerin des Alt-OB Georg Wichtermann – im Jahre 1927 in jungen Jahren entschloss, dem Bund für Geistesfreiheit beizutreten, der damals noch unter dem Begriff „Freidenker“ einen anderen Namen trug, hatte man in der Weimarer Republik gerade Hoffnung gefasst, dass sich nun alles zum besseren wenden würde.
Es gab keine „Fürsten von Gottesgnaden“ mehr, worauf sich die Erbfolge der Monarchien wie auf ein Dogma berufen hatten, um jegliche Teilung der Macht als Gotteslästerung brandmarken zu können. Und es gab die ersten Ansätze einer Trennung von Religion und Staat durch die Weimarer Verfassung. Der Sozialismus als Gesellschaftsform gleichberechtigter Bürger wurde nicht mehr nur als Vision, sondern als greifbare Staatsform angesehen. Die Demokratie begann unter Friedrich Ebert zaghafte erste Schritte zu wagen. Einstein, Sommerfeld und namhafte andere Wissenschaftler konnten in Deutschland befreit von kaiserlichen und religiösen Zwängen arbeiten.
Der Young-Plan mit 60-jährigen Reparationszahlungen für das zerstörte Deutschland und die amerikanische Überproduktionskrise mit dem verhängnisvollen 29. Oktober 1929, dem „Schwarzen Freitag“ an der Wallstreet, führten zu einem dramatischen Erstarken der Restauration. Die exportorientierten deutschen Unternehmen wollten unbedingt ihre Gewinne stabilisieren, reagierten unter Reichskanzler Brüning mit Massenentlassungen und Lohnkürzungen. – Erinnert uns nicht manches an die heutige Situation?
Natürlich wussten die rechts-konvervativen Kräfte, dass auch sie die Wirtschaftsprobleme in Europe, insbesondere im damaligen Deutschland nicht beseitigen konnten, aber durch Hugenbergs Presseimperium und die erstarkten Rechtsparteien verkörperten sie diesen Eindruck. In Wirklichkeit betrieben sie offen und versteckt bereits wieder Kriegsvorbereitungen, um sich so genannten „Lebensraum im Osten“ zu verschaffen. Dort hatte die Revolution 1917 zum Sieg der Kommunisten über den Zaren geführt.
Zur Unterstützung von Wirtschaft, Adel und Kirche zur Beeinflussung der Massen, brauchte man aber noch ein passendes Feindbild. Für Wirtschaft und Adel half das Feindbild „Kommunismus“, für die Kirche bediente man sich des Feinbildes des „Ewigen Juden“, der ja den Erlöser Christus ermordet hatte und somit Feind aller christlichen Kirchen war. Der Kampf um den Machterhalt von Kapital, Adel und Kirche hatte wieder einen religiösen Anstrich bekommen – der Krieg ließ nicht lange auf sich warten.
Als in der Nachkriegszeit und Anfang der 50er Jahre Anna Döppert, Wolfgang Handschuh, Manfred Raab, Elfriede und Gustav Rothe sowie Marga Sauerteig, geprägt von den Kriegsereignissen, Mitglied unserer Gemeinschaft wurden, war das versprochene „Tausendjährige Reich“ im Bombenhagel nach nur 12 Jahren zugrunde gegangen, über 20 Millionen Soldaten und Zivilisten, vor allem Deutsche und Russen verloren ihr Leben, von Deutschland blieb nur noch weniger als die Hälfte seines Gebietes übrig. Elend, Vertreibung und Not beherrschten die Nachkriegsjahre. Im westlichen Teil Deutschlands wurde ein zweiter Versuch der Demokratisierung begonnen – der, wie wir alle wissen – erfreulicherweise bis heute Bestand hat und vor mittlerweile 13 Jahren sogar auch die Rückkehr der ehemaligen DDR in das demokratische Deutschland mit sich brachte.
Und als dann Mitte der 70er Jahre Christel und Helge Erler, Else-Lore Krauss und unser derzeitiger Vorsitzender Friedrich Patzier zu unserer Gemeinschaft fanden, war es die Zeit, in der unter Willy Brandt und Helmut Schmidt Deutschland wieder zu einem geachteten Partner der Staatengemeinschaft in aller Welt wurde, als eine befürchtete dauerhafte durch C-Parteien religiös beeinflusste Regierung durch eine sozial-liberale abgelöst wurde, als gegen erbitterten Widerstand die Bekenntnisschule durch die Gemeinschaftsschule abgelöst und Ethik-Unterricht als Alternative zum christlichen Religionsunterricht staatlich anerkannt wurde.
Ich danke den Jubilaren und Jubilarinnen für ihren Einsatz und wünsche uns allen weiterhin kleine, aber kontinuierliche Schritte hin zur Verbesserung unseres globalen Zusammenlebens und allen ein erfolgreiches und gesundes Neues Jahr 2003.