Zum Jahresbeginn 2007 (Vortrag von Prof. Dr. Herbert Wiener, 7.01.2007, Rathausdiele Schweinfurt)
Herr Vorsitzender, liebe Gesinnungsfreundinnen und -freunde, meine sehr verehrten Damen und Herren, „Crisantemi“, 1890 von Giacomo Secondo Puccini
komponiert, - dem letzten
Spross der Musikerfamilie Puccini, die 1712 beginnend mit Giacomo Uno
Puccini für 125 Jahre das Stadtorchester der toscanischen Stadt Lucca
bestimmte - dies war das
Musikstück, das wir soeben gehört haben. Crisantemi, das ist das italienische Wort für Chrysanthemen,
gilt als das klassische Stück für ein Streichquartett und
entstand als Elegie für Amadeo de Savoy, den Herzog von Aosta. Puccini
komponierte das Werk in einer einzigen Nacht. Giacomo Secondo Puccini war
in seiner Familie nicht der genialste, wohl aber der erfolgreichste
Komponist. Aus seiner Feder stammen neben Messen und Requiems vor allem Opern und
Operetten, wie ‚LeVillis’, ‚Edgar’, ‚Manon Lescaut’, ‚La Bohème’,
‚Tosca’, ‚Madame Butterfly’, ‚La Rondine’ oder ‚Il Trittico’.
Liebe Gesinnungsfreundinnen und – freunde, werte Gäste! Ein Jahreswechsel ist im allgemeinen auch Anlass, einen besinnenden und
bewertenden Rückblick auf das vergangene Jahr zu werfen: -
Auf den Januar
mit seiner sibirischen Kälte und dem Eishallen-Einsturz in Bad
Reichenhall , mit der geplanten Schließung des AEG-Werkes in Nürnberg,
mit dem Beginn des Gammelfleisch-Skandals in Passau, dem
koma-bedingten Ausfall des israelischen Ministerpräsidenten Scharon,
Mozarts 250. Geburtstag – wir dürfen uns ja auf das von
ihm stammende Streichquartett Nr. 13 noch freuen – und auf die 1.
Enzyklika des Papstes Benedikt, die sich unter dem Titel ‚Deus
caritas est’ auf dem Papier mit der Nächstenliebe befasst. Seine
praktische Nächstenliebe lässt aber ein kirchliches ‚Ja’ zur künstlichen
Empfängnisverhütung immer
noch nicht zu und nimmt damit die Gefahr der AIDS-Erkrankung billigend in
Kauf. -
An den Februar
erinnert der massenhafte Protest der islamischen Welt gegen Mohammed-Karikaturen
vom September 2005 in einer dänischen Zeitung, die unter anderem Mohammed
mit einer Bombe anstelle eines Turbans auf dem Kopf zeigen. Bei den
Protesten sterben 140 Menschen. -
Im März
wird in Israel Ehud Olmert als Nachfolger Scharons
Ministerpräsident und setzt die Kriegspolitik seines Vorgängers
gegen die muslimischen Palästinenser im Gaza-Streifen und im Süd-Libanon
fort. -
Im April
wird in Italien Roman Prodi neuer Ministerpräsident und löst
damit den rechten Pressezaren Berlusconi ab, der sich aber erst im Mai
geschlagen gibt. Im Irak weitet sich der Krieg der Schiiten gegen die
Sunniten aus, es mehren sich die Selbstmordanschläge. In einer
Moschee werden am 7. April 80 Menschen getötet. -
Der Zeichentrickfilm
‚Popetown’ (= Vatikan) des Senders MTV veranlasst das Erzbistum
München und Freising die Ausstrahlung durch eine einstweilige Verfügung
zu verhindern. Das Landgericht München schloss sich jedoch dieser
Auffassung nicht an -
Der Mai
beginnt mit dem Bundestags-Beschluss, die Mehrwertsteuer ab dem
1.1.2007 auf 19% festzusetzen. Deutsche Soldaten werden als Teil
einer EU-Schutztruppe als Wahlaufsehen in den Kongo entsandt. -
Der Juni
beschäftigt den bayerischen Bürger durch den Abschuss des aus Italien
gekommenen Braunbären Bruno. In einen wahren Freudentaumel aber fällt
ganz Deutschland durch die unerwarteten Erfolge der Klinsmann-Elf bei der
am 9. Juni beginnenden Fußball-WM. Mit der Unterbringung der
tunesischen Nationalmannschaft ist auch die Stadt Schweinfurt
hautnah im WM-Fieber dabei. Würzburg beherbergt die Mannschaft aus Ghana,
Bad Kissingen die aus Ecuador und Bad
Brückenau die Kroaten. Die Fußball-WM hat nach Auffassung vieler
Beobachter sehr viel zur internationalen Verständigung der Menschen
beigetragen. -
Der Juli
beginnt mit religiös motivierten Terroranschlägen im Bombay mit über
200 Todesopfern, Muslime gegen Hindus.
Am 12. Juli greift die israelische Armee nach der Entführung
2er Soldaten Hisbollah-Stellungen an und marschiert in Libyen ein.
Bei dem 5-wöchigen Krieg sterben über 1.000 Menschen, rund 4.000 werden
verletzt, die meisten von ihnen sind Zivilisten. Die NATO bekämpft mit
UN-Mandat Taliban-Rebellen in Süd-Afghanistan.
-
Im August
tritt die erneut geänderte Rechtschreibreform in Kraft, die Benzin- und
Gaspreise steigen auf Rekordhöhen, die Deutsche Wirtschaft ist voll im
Aufschwung und Klimaforscher warnen anhand von schmelzenden Gletschern
von den Folgen der Erderwärmung. Die Erdbevölkerung wird mit 6,6
Mia Menschen geschätzt. -
Der September
steht im medial groß aufgemachten Besuch des Papstes in Bayern.
Für den Inhalt seiner Predigten und Reden gibt es kaum Beifall, die
Fernsehkameras übertragen vor allem Händeschütteln, das Küssen von
Kindern, fließende Tränen und Hochrufe bei den Durchfahrten durch die
Menge. Nicht nur der Bayerische Ministerpräsident, auch jede Menge
anderer Politiker zumeist einer sich selbst christlich nennenden Partei,
sonnen sich mit in dem Medienecho. Stoiber nennt die Außenwirkung
des Besuches ‚unbezahlbar’. -
Die islamische
Welt jedoch ist aufgebracht über ein abfälliges Zitat über
Mohammed bei einer Vorlesung des Papstes in der Regensburger Residenz.
Dies führt zu Massenprotesten in der islamischen Welt und
sogar zu Morddrohungen. Der Papst macht später einen Rückzieher bei dem Türkeibesuch
im November. Wegen befürchteter islamistischer Anschläge wird in Würzburg
die Mozartoper ‚Idomeneo’ abgesagt, weil der König von Kreta hier die
enthaupteten Köpfe der Götter Poseidon, Jesus, Buddha und des Propheten
Mohammed in die Höhe hält. -
Im Oktober
erhält die UNO mit Ban Ki Moon einen neuen Generalsekretär, der
Kofi Annan nach zwei Amtszeiten ablöst. Nordkorea führt am 8.
Oktober einen Atomwaffentest durch, was von der UNO mit einem
Handelsembargo für einschlägige Waren beantwortet wird. -
In Russland
gerät Putin in Verdacht in einem Zusammenhang mit der Ermordung
einer kritischen Reporterin zu stehen. Die deutsche Öffentlichkeit wird
durch Fotos deutscher Soldaten in Afghanistan mit Totenköpfen
schockiert. Die Fotos stammen aus den Jahren 2003 und 2004 und beschädigen
das bislang gute dortige Ansehen der Bundeswehr. -
Die Hartz-4-Gesetze
sorgen für hitzige Diskussionen im Bundestag, das Wort „Prekariat“
wird geboren, eine Kombination aus ‚Prekär’ und ‚Proletariat’.
Gemeint ist damit eine wachsende Unterschicht, in der die Menschen die
Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen aufgegeben haben. -
Im November
verhängt ein irakisches Sondertribunal die Todesstrafe für den
Exdiktator Saddam Hussein durch Erhängen. Es wurde vor kurzem
vollstreckt. Die Gewalt im Irak dauert an, allein im Oktober sind nach
Angaben der UN-Hilfsmission 3.700 Menschen, zumeist Kinder und Zivilisten,
getötet worden. Hauptgrund
sei die Gewalt zwischen den Religionsgruppen Sunniten und Schiiten. -
Positiver ist die
Meldung des Rückgangs bei den Arbeitslosen auf knapp unter 4
Millionen. Der Siemenskonzern sowie Mitglieder des VW-Vorstandes
geraten immer tiefer in einen Schmiergeld-Skandal. Im Wirtschaftsstrafverfahren
gegen Manager im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch
Vodafone, bei der sie insgesamt 57 Mio € an Prämien und Pensionen
kassiert hatten, kommt es gegen Geldauflagen zur Prozesseinstellung. -
In London stirbt
ein als Kreml-Kritiker bekannte Agent an einer Polonium-Vergiftung.
In Verdacht gerät der russische Geheimdienst, was wiederum das Ansehen
von Staatschef Putin belastet. Bei seinem Besuch in der Türkei und beim
Gespräch mit dem Chef der türkischen Religionsbehörde sowie beim
griechisch-orthodoxen Patriarch Bartholomäus I kommt es zu einer
Entspannung des Verhältnisses zwischen den Religionen. -
Der Dezember
bringt den Menschen auf den Philippinen durch einen Taifun eine
Schlammlawine mit über 1.000 Toten.
In Deutschland ist es über Weihnachten herbstlich warm. Und das Weihnachtsgeschäft
bringt unter dem Klang der Weihnachtslieder die höchsten Umsätze. Aber
am meisten wird über das Wetter gesprochen, wie schrecklich doch
ein Weihnachten ohne Schnee sei. -
Interessant ist,
dass eine Umfrage der Bild-Zeitung ergeben haben soll, dass ca. 40% von
1.000 befragten Jugendlichen nicht mehr gewusst hätten, worum es beim
Weihnachtsfest eigentlich gehe. Unbeschadet der Tatsache, dass ein
Boulevardblatt alles andere
als ein Garant der Wahrheit ist, so ist sicher ein Funke Wahrheit daran. Aber was ist Weihnachten eigentlich? Ursprünglich
ein altes Winterfest unserer Vorfahren, der Germanen, um vom 26.
Dez. bis 6. Jan. die geweihten längsten Nächte des Jahres zu begehen.
Das christliche Weihnachtsfest als Fest der Geburt Christi im Morgenland
wurde erst am 6. Januar in Rom und später mit der Kalenderreform
am 25. Dez. an Stelle des Festes der Wintersonnenwende, des ‚Sol
invictus’ oder nach dem altpersischem Lichtgott, auch Mithras-Fest
genannt, gefeiert. Wenn man
dem aktuellen Stand der Forschung folgt, so muß man sich eingestehen,
dass die Weihnachtsgeschichten in der Bibel
von der Geburt des Gottessohnes Jesus historisch nicht belegbar
sind. Ich zitiere einige Aussagen des Theologen und Historikers Prof. Dr.
Gerd Lüdemann: -
Eine Schätzung
von Vermögen und Personen unter Kaiser Augustus im gesamten römischen
Reich ist durch kein Original-Dokument belegbar. -
Es sind keine
Dokumente vorhanden, die das Vorhersagen des Kommens Jesu im Alten
Testament durch Propheten stützen.
Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass die wirklichen
Aussagen durch zig-fache Überlieferungen und durch die Übersetzungen
von Dialekten in hebräisch, griechisch und lateinisch den heutigen
Bibeltexten in keiner Weise entsprechen. -
Nach derzeitigem
Wissensstand der Biologie und aller bisherigen Erfahrung bedarf die
Erzeugung eines Säuglings der Vereinigung einer Eizelle mit einer
Samenzelle. Die Jungfrauengeburt Mariens vor 2000 Jahren ist
wissenschaftlich unhaltbar und wird von den Forschern zum einen mit
einem Übersetzungsfehler aus dem hebräischen ins griechische erklärt,
zum anderen mit dem Wunsch christlicher Theologen, der Jesus-Geburt analog
zur ägyptischen Mythologie einen überirdischen Mythos zu geben. -
Selbst in
christlich orientierten Evangelien ist Nazareth und nicht Bethlehem
der Geburtsort von Jesus. Und die christlichen Kalender
widersprechen sich in der Angabe des Datums von Mariä Empfängnis mit dem
9 Monate späteren Geburtstermin, der nicht an Weihnachten liegt. -
Die Hirten auf
dem Felde wurden zu Idealpersonen einer Weihnachtslegende
hochstilisiert, ebenso die Könige aus dem Morgenlande.
Wenn dann tatsächlich im Fernsehen unter dem vorgeblichen Titel
eines wissenschaftlichen Berichtes dargelegt wird, dass es zwar nicht Könige,
wohl aber Magier und Zauberer gegeben habe, die nach Bethlehem gekommen
seien, so ist das schlichtweg beschämend für die Personen, die sich
wissenschaftlich ausgebildet nennen. Sie dienen nur der gut bezahlten
Verfestigung einer Legende -
Den Stern von
Bethlehem als möglichen Kometen hat es zum Zeitpunkt 0 unserer
Zeitrechnung nachweislich nicht gegeben.
Sein Erscheinen in der Bibel ist der Übersetzung nach auf die Erzählung
eines Wunders begründet. -
Von einem Kindermord
auf Befehl des Herodes ist aus keiner wissenschaftlichen Quelle her zu
schließen. Vielmehr geht man davon aus, dass die hohe Kindersterblichkeit
dieser Zeit, häufig verursacht durch unglaublich schlechte hygienische
Zustände, aber auch durch Hungersnöte, dazu geführt hat, dass spätere
Bibelübersetzer ein besonders schreckliches Jahr mit der bösen Absicht
des ungeliebten römischen Imperiums in Verbindung gebracht haben. Prof. Lüdemann
kommt zu dem Schluss, dass die Weihnachtsgeschichten der Bibel, wie
sie von den Kirchen heute verbreitet werden, nichts als Legende
sind und der Glaubwürdigkeit nicht dienen.
Deswegen braucht man Weihnachten nicht abschaffen. Vielmehr sollte
man sich wieder auf den Ursprung des Weihnachtsfestes als Tage
der Besinnung, des Lichtes und des Friedens in Zusammenhang mit den längsten
Nächten des Jahres besinnen. Und diesen Inhalt könnte man genauso
festlich begehen. Thema meines Vortrages ist ja „Glaube
- Religion – Macht“. Der Glaube setzt ja im Allgemeinen dort ein, wo
die wissenschaftlich untermauerte Logik an ihre Grenzen stößt.
Gleichwohl ist das Wort „Glaube“ nicht nur mit negativen
anti-wissenschaftlichen Einstellungen verbunden, sondern wird auch im übertragenen
Sinn für eine festen Überzeugung
gebraucht, - z. B. in der Aussage „ich glaube an das Gute im Menschen“
oder „ich glaube, dass wir diese Aufgabe bewältigen können.“ Heute erleben wir, dass in Amerika sogenannte Kreationisten die
Evolutionstheorie von Darwin bezweifeln und den Kindern lehren, dass der
Mensch, Tiere, die Pflanzen und Welt gemäß der wortwörtlichen biblischen
Schöpfungsgeschichte am 23. Oktober 4004 v. Chr. von Gott selbst
innerhalb von 7 Tagen erschaffen wurden. Nach einer Gallup-Umfrage 2005
glauben mittlerweile fast 60% der Amerikaner an die Schöpfungsgeschichte,
unter dem Marketingnamen „Intelligent Design“ und nur ein
Drittel an die Evolution. Doch wenn Glaube zur Religion wird und dabei den Willen zur
Wahrheitsfindung ersetzt, gibt es auch keinen Spielraum für Verständigung
und Toleranz mehr. Und dann geht es nur noch um die Macht, die eigenen
Interessen durchzusetzen und es bleibt in der Auseinandersetzung nur noch
der Weg der Gewalt, der Weg von Terror und Krieg, - so wie es im Jahresrückblick
deutlich wurde. Und in diesem Sinne sieht sich jeder als Glaubenskämpfer, sowohl der
UNO-Soldat als auch der Taliban-Kämpfer, sowohl der Israeli als auch der
Hisbollah-Kämpfer, sowohl der Pakistani als auch der Inder, und auch der
russische Soldat mit seinem Gegenpart, dem tschetschenischen Freiheitskämpfer,
der Serbe und der Kosovo-Albaner. Während bisher die als
Glaubenskrieg getarnte Machtgier in einer Katastrophe endete, die immer
noch ein Überleben sicherte, wird dies in Zukunft
angesichts der ungeheuren atomaren, chemischen und biologischen
Vernichtungspotentiale eher unwahrscheinlich sein. Es bleibt zu hoffen, dass insbesondere die Jugend versuchen wird, die als
Glaubens- und Religionskriege getarnten Machtkämpfe zu durchschauen und
schrittweise zu überwinden. Hier liegt auch eine Chance und eine Aufgabe
für unseren Bund, auf unsere global ausgerichteten Ziele aufmerksam
zu machen ·
ein menschenwürdiges
und selbstbestimmtes Leben für die Menschen aller Völker, Rassen und Nationen dieser Erde zu
erreichen, und zwar im Diesseits! , · die freie Entfaltung aller Weltanschauungen und politischen Systeme zu fördern, soweit ihnen nicht totalitäres Denken und Unterdrückung anderer zugrunde liegen, · und die natürlichen Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen für uns und unsere Nachkommen zu erhalten. Aber wir wissen alle:
Was sich über Generationen in den Menschen verfestigt hat, ist nicht
innerhalb weniger Jahre wieder rational zurechtzurücken. Darum
brauchen wir Mitglieder die sich zu diesen Grundsätzen und Aufgaben
bekennen und wir haben heute die ehrenvolle Gelegenheit vielen dafür zu
danken, dass sie diesen wichtigen Weg seit vielen Jahren mitgehen. Als sich unsere Jubilare
Ilse Dötsch, Martha Holz, Adele Schilling, Elsbeth Amend, Irma
Wichtermann, Loni Lechner und Kurt Sauerteig,
die heute für 60-jährige Mitgliedschaft geehrt werden -
im Jahre 1946 entschlossen, dem Bund für Geistesfreiheit
beizutreten, hat Nationalsozialismus mit seinem Glauben an den Sieg der
arischen Rasse Deutschland in Schutt und Asche gelegt, die Ursachen für
weiteres Unrecht durch Flucht und Vertreibung geschaffen. In Nürnberg wurden die Hauptkriegsverbrecher hingerichtet, in der
US-Zone folgte durch sog. Spruchkammern die Ent-Nazifierung mit oftmals
zweifelhaften Ergebnissen. Der
Eiserne Vorhang entsteht, auf Konrad Adenauer und Kurt Schumacher ruht die
Hoffnung der Überlebenden. Gerhart Hauptmann
verstirbt, Erich Kästner schreibt ‚Das fliegende
Klassenzimmer’, Ignaz Schön wird erster gewählter Oberbürgermeister
in Schweinfurt. 10 Jahre später, im Jahre 1956 werden Hans
Oppmann, Ludwig Böhnlein, Sonja Dietel, Anton und Helga Fröhlich, Klaus
Kieling, Lissy Metzner, Christel Sauer, Walter Schleyer, Walter Schott,
Traudel Steinmüller, Günter Weichsel, Betti Sell und Maria Wehner geprägt
vom Wiederaufbau und vom Wirtschaftswunder,
Mitglied unserer
Gemeinschaft. Adenauer ist Kanzler, Strauß Verteidigungsminister,
aus der SBZ ist die DDR mit der „Nationalen Volksarmee“
entstanden, Chruschtschow rechnet mit Stalin ab, zeigt aber bei der
Niederschlagung des Ungarnaufstandes seine Härte. Bertold Brecht
verstirbt und Elvis Presley feiert phänomenale Musikerfolge. In Schweinfurt wird der bisherige 2. Bürgermeister Georg Wichtermann mit
großer Mehrheit zum OB gewählt. Die Kugellagerindustrie läuft wieder
auf Hochtouren und beschäftigt über 20.000 Arbeitnehmer. Wieder 10 Jahre später, im Jahre 1966 bekennen sich Marianne
Ehresmann und Gerda Raab zu unserer Gemeinschaft. In der
Wirtschaft kriselt es, die große Koalition unter Kanzler Kurt-Georg
Kiesinger und dem Außenminister Willy Brandt beginnt. Es beginnt die
Zeit, in der unter Willy Brandt und später Helmut Schmidt Deutschland
wieder zu einem geachteten Partner der Staatengemeinschaft in aller Welt
wurde. Die US-Sonde Surveyor und
russische Kapsel Luna 9 landen weich auf dem Mond und funken Bilder
zur Erde. In Schweinfurt führt OB Georg Wichtermann das Regiment. Er fördert
Bildung und Wissenschaft nach Kräften und holt 1963 die technischen
Studiengänge der Fachhochschule in die Industriestadt. Schweinfurt hat zu
dieser Zeit bereits 55.000 Einwohner und 12.000 US-Soldaten in den
Kasernen. Im Jahre 1981 schließlich trat Renate
Guggenbichler unserer Gesinnungsgemeinschaft bei. Die
Bundesrepublik war durch den Nato-Nachrüstungsbeschluss gespalten,
Helmut Schmidt war Bundeskanzler, die RAF betrieb ihren Terror und der
Kampf gegen die Atomenergie und die Wiederaufarbeitung wurde immer
heftiger geführt. In London findet die Hochzeit des Jahres zwischen Prinz
Charles und Lady Diana Spencer, genannt ‚Di’ statt. In Schweinfurt hatte Kurt Petzold den aus Altersgründen ausscheidenden
Georg Wichtermann als OB abgelöst und die Frage der Atomenergie spielte
wegen des Baues des Atomkraftwerkes in Grafenrheinfeld auch hier eine große
Rolle. Der Wiederaufbau war weitgehend abgeschlossen und in der Industrie
begannen sich die ersten Anzeichen eines Konjunktureinbruches
abzuzeichnen. Wie Sie sehen, umspannen unsere heutigen Jubilare fast den gesamten
Zeitraum der Nachkriegszeit bis zum heutigen Tage. Der Einsatz für unsere
Ziele ist durch den Zeitgeist „Geiz ist geil“, durch die
Globalisierung und die damit
verbundene Entsolidarisierung, durch neue Götter und Götzen , nicht
einfacher geworden. Ich danke den Jubilarinnen für Ihren Einsatz und wünsche uns allen
weiterhin kleine aber
kontinuierliche Schritte hin zur Verbesserung unseres globalen
Zusammenlebens und allen weiter ein erfolgreiches und gesundes Jahr
2007.
|