DFW-Seminar: Ethik ohne Kirche II, Verleihung des Ludwig-Feuerbachpreises 2008, Dodo des Monats, Kinder- und Jugendbücher für Weihnachten, Religiöse Bedeutung von Weihnachten schwindet

  Sendereihe 'Positionen'  

des Bundes für Geistesfreiheit Bayern K.d.ö.R.

AutorInnen: Monika Hendlmeier, Dietmar Michalke, Dr. Volker Mueller

SprecherInnen: Dr. Kerstin Pschibl, Karl Bierl
Eine Sendung im Bayerischen Rundfunk, Programm Bayern II, UKW

Sonntag, 23. Dezember 2007, 7.05-7.20 Uhr

 

Sprecher:

 

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

 

wir begrüßen Sie zu dieser Sendung des Bundes für Geistes­freiheit Bayern, kurz bfg. Wenn Sie mehr über den bfg, seine Grundsätze und Aktivitäten wissen wollen, wenden Sie sich bitte an die Anschrift, die wir Ihnen am Ende dieser Sendung mitteilen.

 

 

Sprecherin:

 

DFW-Seminar: Ethik ohne Kirche II

 

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (kurz DFW) lädt Ende Januar zu einem Seminar nach Schloss Schney bei Lichtenfels ein.  Der Titel lautet: „Ethik ohne Kirche II - Deutschlands nicht repräsentierte Bevölkerung“. Vor einem Jahr hatte der DFW in Schney begonnen, die „Brüsseler Erklärung“ zu unterzeichnen. Diese hat dazu geführt, dass kein Gottesbezug in die Präambel des europäischen Verfassungsvertrages aufgenommen wurde.

 

Inzwischen wird über einen Mini-Vertrag für Europa geredet.  Es gab ein hochinteressantes Urteil des Bundes­ver­fassungsgerichts zum verbindlichen Ethikunterricht in Berlin.  Und die Klage der norwegischen Humanisten vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zur Dominanz der christlichen Kirchen im norwegischen Schulgesetz. Beide Urteile haben den DFW dazu angeregt, in einer Petition den Deutschen Bundestag zu bitten, den Artikel 7, Absatz 3 des Grundgesetzes ersatzlos zu streichen. Nach Meinung des DFW behindert dieser die Integrationsaufgabe des Staates.

 

Der DFW fragt: Wie kann der Staat seiner Integrationsaufgabe nachkommen? Ist es nicht an der Zeit, demokratische Prinzipien, Toleranz, Gewaltenteilung und die Bedeutung der Menschenrechte in einem zukünftigen  Werteunterricht herauszuarbeiten? In einem Werteunterricht, der die Klassenverbände nicht nach Konfessionen aufteilt? Der Europarat hat in einer beachtenswerten Resolution auf die Gefahren des Kreationismus in der Erziehung hingewiesen.

 

Den fundamentalistischen Anfeindungen, die unsere durch die Aufklärung gereiften Grundwerte derzeit erleben, ist nur mit Ruhe und überlegter Vernunft zu begegnen. Der Mensch ist empfänglich für Platons Ideen von dem Wahren, dem Guten und dem Schönen. Auf dieser Rille arbeiten alle Offenbarungsreligionen. Die Kant’schen Fragen „Was kann ich wissen?", „Was soll ich tun?", „Was darf ich hoffen?", „Was ist der Mensch?"  führen in eine Werteerziehung jenseits der Trug- und Scheinbilder. Ist der Atheismus, wie ihn beispielsweise  Dawkins in seinem Buch „Der Gotteswahn" beschreibt, eine Antwort?

 

Darum geht es bei diesem Seminar, zu dem der DFW in Zusammenarbeit mit dem Bund für Geistesfreiheit, den Deutschen Unitariern und dem Humanistischen Bildungswerk Bayern einlädt.

Auf dem Programm stehen u.a. folgende Themen:

 

·        „Stand der Behandlung der Petition zur Streichung des Artikels 7, Absatz 3 des Grundgesetzes“,

·        „Europas Beitrag zu Nichtdiskriminierung und Toleranz“,

·        „Wie ist ein bundesweiter Ethik-Pflichtunterricht erreichbar?“

·        „Kirche ohne Ethik“,

·        „Bedeutung der Urteile des Bundes­ver­fassungsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte für den Werteunterricht“.

 

Außerdem findet eine Podiumsdiskussion mit den Referenten statt zum Thema: „Wie kann eine ethische Erziehung für die reale Welt aussehen?“

 

Das Seminar dauert vom 25. bis 27. Januar. Tagungsort ist die Franken-Akademie Schloß Schney in Lichtenfels. Schriftliche Anmeldung bis 12. Januar 2008 wird erbeten an:

Horst Prem,

Prinz-Otto-Str. 9,

85521 Ottobrunn,

Fax 089/6090177.

 

 

Sprecher:

 

Verleihung des Ludwig-Feuerbachpreises 2008

 

Der Vorstand des bfg Augsburg hat sich dafür entschieden, den Ludwig-Feuerbach-Preis 2008 an Herrn. Prof. Norbert Hoerster zu verleihen. Er ist damit der 3. Träger des Ludwig-Feuerbach-Preises nach Karlheinz Deschner (2001) und Prof. Franz Buggle (2004).

 

Die Wahl fiel auf Prof. Hoerster gleich aus mehreren Gründen. Zum einen schätzt der bfg  natürlich die religionskritischen Arbeiten, wie z.B. den Aufsatz „Unlösbarkeit des Theodizee-Problems“ und das Buch „Die Frage nach Gott“. Die Klarheit der darin geäußerten Gedankengänge und der Sprache entfaltet eine große Überzeugungskraft, die weit über den Kreis der philosophisch Vorgebildeten hinaus wirkt.

 

Zum anderen möchte es der bfg Augsburg nicht nur bei der Religionskritik belassen. Vielmehr geht er davon aus, dass aus der Ablehnung eines nicht beweisbaren Gottes und damit sogenannter geoffenbarter Wahrheiten Schlussfolgerungen mit positiver Wirkung für die Gesellschaft folgen. Denker, die diese positive Seite unserer Weltanschauung entwickeln, sind dem bfg Augsburg sehr wichtig. In diesem Zusammenhang schätzt der bfg-Vorstand ganz besonders Prof. Hoersters bio- und medizin-ethische Arbeiten. Diese Themen sind in unserer Gesellschaft stark von den Kirchen besetzt. Deren Haltung etwa zur Stammzellenforschung blockiert den medizinischen Fortschritt. Deren Ablehnung der Sterbehilfe und  Präimplantationsdiagnostik verursacht unnötiges Leid. Die Verteufelung der Geburtenregelung durch die Katholische Kirche erzeugt soziales Elend in Folge des exponentiellen Bevölkerungswachstums. Dieser christlichen Ethik, die auf irrationalen Annahmen beruht, stellt Prof. Hoerster  eine rationale säkulare Ethik entgegen.

 

Die Preisverleihung findet am 8. Februar 2008 um 19.30 Uhr in Augsburg im Musiksaal des Zeughauses statt. Als Laudator konnte Prof. Franz-Josef Wetz aus Giessen gewonnen werden, der mit Prof. Hoerster zusammen gearbeitet und Rundfunksendungen gemacht hat. Die musikalische Gestaltung liegt in den Händen des klassischen Konzert-Pianisten Martin Münch aus Heidelberg, der dafür bekannt ist, dass er durch eingestreute philosophische Texte seinen Musikdarbietungen einen freigeistigen Charakter  verleiht. Die Veranstaltung ist öffentlich.

 

 

Sprecherin:

 

Dodo des Monats

 

Neben dem Ludwig-Feuerbach-Preis gibt es weitere Preise für engagierte Aufklärer: Den Deschner-Preis, den Ossip-K.-Flechtheim-Preis, den IBKA-Preis und einige mehr. Doch für Menschen, die danach streben, die Welt ein klein wenig dümmer zu machen, fand sich bisher nur ein Preis: Der „Schraubenschlüssel am Bande“ wurde am 13. Juli vom bfg München erstmals verliehen. Vergeben wird er jährlich an Personen des öffentlichen Interesses für dokumentierte Äußerungen, die den Einsatz eines Schraubenschlüssels zum Wieder-Anziehen von bemerkenswert großen lockeren Schrauben als notwendig erscheinen lassen. Erste Preisträgerin ist Gloria von Thurn und Taxis für ihre Bemerkungen zur Inquisition.

 

Ebenfalls seit Juli 2007 zeichnen die Brights-Deutschland Gegner der Vernunft aus, und zwar monatlich. Der „Dodo des Monats“ wird verliehen aufgrund von „Taten und Äußerungen, die sich gegen die kulturelle, soziale, politische Aufklärung wenden, zum Beispiel das Verleugnen der Evolutionstheorie, diskrimi­nierende Äußerungen gegen Ungläubige etc.“

 

Namensträger des Preises ist die ausgestorbene Vogelart Dodo. Diese lebte bis 1690 auf der Insel Mauritius. Da der Dodo nicht in der Lage war, sich veränderten Lebensumständen anzupassen, hatte er keine Überlebenschance.

 

Bisher wurde der Preis fünfmal vergeben. Preisträger sind die hessische Kultusministerin Wolff, die norwegische Königs­tochter  Märtha Louise, Kardinal Meisner und der Fernsehsender ZDF.

 

Der aktuelle „Dodo“ gebührt der Musikerin Nina Hagen. In der Laudatio wurde die Preisverleihung begründet:

 

„Während Graffin [Anm.: Greg Graffin, Biologe, Punk-Musiker] Naturalismus und Aufklärung propagiert, kreischt Nina Hagen seit den 80ern Geschichten von UFOs, Gurus, Hexen und allen möglichen Unsinn in die Mikrofone, die man ihr bereitwillig vor ihre große Klappe hält. Dazu bekam sie kürzlich erneut Gelegenheit in der Sendung Menschen bei Maischberger zum Thema „Ufos, Engel, Außerirdische – sind wir nicht allein?“ Das Ergebnis war zu erwarten, nur hat Nina Hagen ihre vorgesehene Rolle als durchgeknallte Eso-Tante ein bisschen zu gut gespielt und der Physiker und Fernsehmoderator Joachim Bublath  verließ entnervt das Studio, nachdem ihn Hagen ein „Alien-Geschöpf“ genannt hatte und ihn zusammen mit George W. Bush hinfort wünschte. Bublaths Reaktion war angemessen, finden wir, und deshalb verleihen wir dem Ufo-Hexen-Shiva-Schreihals Nina Hagen den einzigen deutschen Preis für gekonnte Gegenaufklärung, den Dodo des Monats.“

 

 

Sprecher:

 

Kinder- und Jugendbücher für Weihnachten

 

Als Geschenktipp für Weihnachten stellen wir Ihnen jetzt drei Bücher vor, die sich – nicht nur – an ein junges Publikum wenden.

 

Für Kinder geschrieben ist das Buch „Was sind eigentlich Götter?“ von     Chris Brockman. Der Angelika Lenz Verlag schreibt dazu:

„Götter sind mythische Wesen. Es gibt sie nicht wirklich. Menschen haben sie sich ausgedacht. Mit Hilfe des Verstandes kannst du sie einfach verschwinden lassen. Denk darüber nach – dieses Buch wird dir dabei helfen.“

 

Ebenfalls für Kinder ist das Bilderbuch „Wo bitte geht`s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel“. Autor ist Michael Schmidt-Salomon, die Bilder stammen von Helge Nyncke.

Humorvoll und kindgerecht entlarvt das Werk die zentralen Inhalte der monotheistischen Religionen als ausgemachten Unsinn. Gerade an Weihnachten eignet sich das Buch besonders dazu, die Inhalte mit den Kindern zu diskutieren. Das Buch ist im alibri-Verlag erschienen.

 

An Kinder und Jugendliche wendet sich Christian Lührs. „Gut sein ohne Gott. Ethik und Weltanschauung für Kinder und andere aufgeklärte Menschen.“ lautet der Titel. Der Autor suchte nach einem Buch für seinen Sohn, das atheistische Jugendliche bei der Ausbildung ethischer Maßstäbe unterstützt. Als er nicht fündig wurde, schrieb er selbst ein Buch, das kein Ratgeber, kein Lehrbuch, sondern ein „ethischer und weltanschaulicher Standpunkt" sein soll. Dieses Buch ist im August-von-Goethe-Literaturverlag erschienen.

 

 

Sprecherin:

 

Religiöse Bedeutung von Weihnachten schwindet

 

Im Bewusstsein der Bundesbürger schwindet die religiöse Bedeutung von Weihnachten. Während 1980 noch 47 Prozent einen hauptsächlich religiösen Hintergrund im „Fest der Geburt Christi“ sahen, sind es jetzt noch 8 Prozent.

 

Das belegt eine aktuelle Umfrage des Bielefelder Meinungsforschungsinstituts Emnid für den Nachrichtensender N24. Für 86 Prozent der Befragten ist Heiligabend vor allem ein Fest für die Familie. 52 Prozent besuchen während der Weihnachtstage gerne einen Gottesdienst. Nur 10 Prozent gehen auch sonst regelmäßig in die Kirche. Die Mehrheit, nämlich 51 Prozent der Bevölkerung, bezeichnet sich als nicht gläubig; 46 Prozent glauben an Gott. Im Jahr 1983 stuften sich noch 68 Prozent der Bürger als Gläubige ein.

 

Auch die Bertelsmann-Stiftung hat die Einstellung der Menschen zur Religion untersucht. Hier sehen die Ergebnisse anders aus. Im „Religionsmonitor“, der im Sommer 2007 durchgeführt wurde, werden rund 70 Prozent der Erwachsenen als religiös eingestuft. Nahezu jeder Fünfte zählt als hoch religiös.

 

Wie kommt dieses widersprüchliche Ergebnis zustande? Ein Blick auf die Fragen im Religionsmonitor zeigt, dass man der Einschätzung als religiöser Mensch kaum entkommen kann. Wer ein religionskritisches Buch kauft, eine kirchliche Hochzeit oder Beerdigung besucht, manchmal meditiert, mit sechs Jahren ein Gespräch über Religion mit den Eltern geführt hat, zählt bereits als religiös.

 

Der Test kann online gemacht werden auf der Internetseite www.religionsmonitor.com. Machen Sie doch mit und lassen Sie sich vom Ergebnis überraschen!

 

 

Sprecher:

 

Unsere nächste Sendung wird am 10. Februar ausgestrahlt.
Die Texte dieser Sendung erhalten Sie gegen Erstattung des Portos bei: bfg Bayern, Postfach, 90730 Fürth.
Sie können das Manuskript auch per Email beziehen.
Im Internet sind wir erreichbar unter der Adresse: www.bfg-bayern.de 
Dort finden Sie auch die Veran­staltungen der einzelnen Ortsgemeinschaften.

 

Wir wünschen frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

 

Texte: Monika Hendlmeier Dietmar Michalke, Dr. Volker Mueller

SprecherInnen: Dr. Kerstin Pschibl, Karl Bierl