Kirchenaustrittsgebühr, neue Zahlen der EKD, Ethiklehrerausbildung, Erwin-Fischer-Preis, Solo für den Teufel, Heidenspaß-Party in München, Irische Priester und Promillegrenze

  Sendereihe 'Positionen'  

des Bundes für Geistesfreiheit Bayern K.d.ö.R.

AutorInnen: Monika Hendlmeier
Musik:   Tony Scott

SprecherInnen: Dr. Kerstin Pschibl, Kurt Raster
Eine Sendung im Bayerischen Rundfunk, Programm Bayern II, UKW

Sonntag, 11. November 2007, 7.05-7.20 Uhr

 

Sprecher:

 

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

 

wir begrüßen Sie zu dieser Sendung des Bundes für Geistes­freiheit Bayern, kurz bfg. Wenn Sie mehr über den bfg, seine Grundsätze und Aktivitäten wissen wollen, wenden Sie sich bitte an die Anschrift, die wir Ihnen am Ende dieser Sendung mitteilen.

 

Sprecherin:

 

Verfassungsbeschwerde gegen Kirchenaustrittsgebühr

 

Wer Mitglied in der Kirche wird, braucht dafür keine Gebühren zu bezahlen. Anders sieht es bei einem Austritt aus. Und das sogar dann, wenn der Austrittswillige als Baby ohne sein Zutun und ohne seine Zustimmung getauft wurde. Ein Kölner will das nicht hinnehmen und hat Verfassungsbeschwerde gegen die Kirchenaustrittsgebühr in Nordrhein-Westfalen beim Bundes­verfassungsgericht in Karlsruhe  eingereicht. Der Beschwerde­führer ist aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten  und musste dafür 30 Euro Gebühren zahlen. Darin sieht er eine unzulässige Erschwernis des Austritts. Dies verstoße nach seiner Auffassung gegen die Religions- und Welt­an­schauungsfreiheit, teilte der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten am 6. November in Hagen mit. „Wir halten die Kirchenaustrittsgebühr für verfassungswidrig“, erklärte Rudolf Ladwig, der Vorsitzende des Bundes. Die Aussicht auf einen jahrelangen Prozess schrecke Betroffene aber davon ab, gegen die Gebühr vorzugehen. Deshalb unterstütze die Organisation den Beschwerdeführer aus einem Spendenfonds, der für derartige Fälle eingerichtet worden sei. Die Kirchenaustrittsgebühr in Nordrhein-Westfalen wurde im vergangenen Jahr per Landesgesetz eingeführt. Auch die meisten anderen Bundesländer erheben eine solche Gebühr.

 

Sprecher:

 

Neue Zahlen der EKD

 

Jedes Jahr jammern die Kirchen in Deutschland über sinkende Kirchensteuereinnahmen. Und deswegen versuchen sie, ihre Haushalte zu konsolidieren – auf deutsch, Geld einzusparen. Anfang November wurde in Dresden der Haushaltsentwurf der Evangelischen Kirche in Deutschland (kurz EKD) beschlossen. Er beläuft sich auf 171 Millionen Euro, 5 Millionen weniger als 2007. Dabei rechnet die EKD heuer mit etwa 8 % mehr Einnahmen aus der Kirchensteuer als im letzten Jahr. An einer steigenden Zahl von Kirchenmitgliedern liegt das allerdings nicht. Nach vorläufigen Erhebungen unter 21 der 23 evangelischen Landeskirchen ergibt sich 2006 ein Mitgliederschwund von fast 200 000 Menschen. Damit hat die evangelische Kirche noch 25,2 Millionen Mitglieder. Das ist weniger als die Zahl der  Konfessionslosen, die bei 25,4 Millionen liegt. Auch die Kirchenbindung der Mitglieder lässt nach. Nur noch jeder 25. evangelische Christ geht sonntags zum Gottesdienst. Vor einem halben Jahrhundert war es noch jeder 8.

 

Sprecherin:

 

Ethiklehrerausbildung an der Universität Passau

 

In unserer Sendung vom 8. Juli dieses Jahres haben wir über die Situation an der Universität Passau berichtet. Der Philosophielehrstuhl der Katholisch-theologischen Fakultät soll Anfang 2009 aufgelöst werden. Somit hätte es nur noch einen Philosophielehrstuhl gegeben, der jedoch ausnahmslos mit katholischem Personal besetzt wäre. Und ausgerechnet hier sollten Ethiklehrer ausgebildet werden. Die „Liste Widerstand“ kämpfte gegen diese Pläne mit Unterstützung des bfg Bayern. Und dieser Widerstand zahlt sich jetzt aus.

Wie die „Passauer Neue Presse“ meldet, wird es ab dem Wintersemester 2008/2009 einen zusätzlichen, konkordats­unabhängigen Professor für Philosophie geben. Man rechnet an der Universität mit einem steigenden Bedarf an Ethiklehrern. Damit bewegt sich die Universität Passau wieder auf dem Boden der Verfassung.

 

Sprecher:

 

Umbenennung des Erwin-Fischer-Preises

 

Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (kurz IBKA) wird den von ihm alle zwei Jahre verliehenen Erwin-Fischer-Preis zukünftig nicht mehr vergeben. Die Mitgliederversammlung im September sprach sich dafür aus, nach einer neuen Möglichkeit zu suchen, Verdienste für die Durchsetzung von Weltanschauungsfreiheit und Aufklärung öffentlich zu ehren. Auslöser für diesen Schritt war, dass einige Wochen zuvor bekannt geworden war, dass Erwin Fischer seit 1935 Mitglied der NSDAP war. 1947 wurde er in einem Spruchkammerverfahren als “Mitläufer” zu einer Geldstrafe von 1.000 Mark verurteilt.

Seit dem Jahr 2000 wurde der Preis fünfmal verliehen. Ausgezeichnet wurden Personen, die sich "in herausragender Weise um Weltanschauungsfreiheit, Trennung von Staat und Kirche, Förderung vernunftgeleiteten Denkens und Aufklärung über Wesen, Funktion, Strukturen und Herrschaftsansprüche von Religionen“ verdient gemacht hatten.

Als neuer Name des Preises wurde „Licht der Aufklärung“ gewählt. Im Oktober 2008 wird das „Licht der Aufklärung“ erstmals verliehen werden.

 

Sprecherin:

 

Solo für den Teufel

 

»Solo für den Teufel« heißt das aktuelle Theaterstück des ueTheaters. Es handelt sich um ein amüsant-philosophisches Ein-Personen-Stück von Kurt Raster.

Gibt es einen Teufel? Natürlich!, sagen die Kirchen. Das müssen sie sagen. Ohne Teufel verlören sie sozusagen ihre Geschäftsgrundlage: der Kampf gegen das ewig Böse.

 

Aber im Ernst: Gibt es wirklich einen Teufel?

Das ueTheater geht in seinem Stück »Solo für den Teufel« dieser Frage auf den höllischen Grund. Der Teufel ist natürlich eine Frau. Satan, in Fleisch und Blut dargestellt von Martina Reitz, führt die Zuschauer genüsslich durch die Tiefen und Untiefen der theologischen Gedankengebäude.

Warum bestraft Beelzebub Sünder, statt sie zu belohnen? Wer erschuf die böse Schlupfwespe? Satan oder Gott: Wer war zuerst da? Was hat der arme Feigenbaum dem Erlöser getan, dass dieser ihn verfluchte? Schließlich: Warum wurde das große Erlösungsspektakel überhaupt inszeniert?

Die Zuschauer des Stücks werden auf charmante Weise in heilvolle Verwirrung geführt. Sie können und sollen in Versuchung kommen zu fragen: Ist der Teufel wirklich böse, feige und dumm? Oder anders gefragt: Ist Gott wirklich gut und barmherzig? Allmächtig und allwissend? Gerecht und gütig?

 

Nach mehreren Vorstellungen in Regensburg wird „Solo für den Teufel“ heuer noch zweimal in Bayern aufgeführt. Hier die Termine:

 

In Passau am Dienstag, den 20. November um 20:00 Uhr. Veranstaltungsort ist die Scheune am Severinstor in der  Römerstraße 8.

In Augsburg findet die Aufführung am Sonntag, den 16. Dezember um 20:00 Uhr statt. Ort ist die Kresslesmühle in der Barfüßerstraße 4.

 

Übrigens, das Stück ist mobil und kann von Gruppen und Schulen gebucht werden, als Anregung zu kontroversen Diskussionen über Religion. Eine gelungene Abwechslung zu den sonst üblichen Vorträgen! Eine Demo-DVD mit Ausschnitten aus dem Stück ist erhältlich bei:

UeTheater

Kurt Raster

Erikaweg 13

93053 Regensburg

 

Weitere Informationen über das Stück finden sich im Internet unter: www.uetheater.de

 

Sprecher:

 

Heidenspaß-Party in München

 

Und hier noch ein weiterer Veranstaltungstipp:

 

In München-Schwabing findet eine „Heidenspaß-Party“ statt am Samstag, den 17. November ab ca. 20 Uhr. Veranstaltungsort ist der Saal der Max-Emanuel-Brauerei in der Adalbertstraße 33. Es spielt die Rock'n-Roll-Band "Heilig" und die Vorband "Screwed". Ursprünglich war diese Party bereits am Karfreitag geplant. Sie sollte im Oberangertheater im Anschluss an die traditionelle „atheistische Filmnacht mit Schokoladenbüffet“ des bfg München über die Bühne gehen.

Doch die geplante Veranstaltung sorgte für einigen Wirbel. Das Erzbischöfliche Ordinariat der Erzdiözese München-Freising erwirkte beim Kreisverwaltungsreferat München die Absetzung der Party. Unter Androhung von 10.000 Euro Bußgeld und mithilfe eines mit 300 Euro dotierten Bescheides wurde die "Heidenspass"-Party verboten. Der bfg München beugte sich notgedrungen der Obrigkeit. Doch er gibt sich nicht damit zufrieden, dass man Nicht-Christen an Karfreitag ein Musikverbot auferlegt. Der Ort war abgeschlossen, niemand wäre zum Besuch der Party gezwungen worden und alle sonstigen Auflagen wurden beachtet. Schließlich hat für viele Menschen der Karfreitag als religiöser Feiertag keine Bedeutung.

Der bfg München kämpft juristisch gegen das Verbot der Karfreitagsparty. Dabei geht es nicht nur um das Recht, Parties zu feiern, sondern auch darum, zu zeigen, dass echte Demokraten sich nur kurzfristig von hohen Bußgeldern einschränken lassen!

 

Sprecherin:

 

Irische Priester gegen Senkung der Promillegrenze

 

Heute ist der 11. November und somit Beginn der fünften Jahreszeit. Doch folgende Meldung ist kein Faschingsscherz:

 

Wie viele Länder Europas hat auch Irland ein Problem mit sinkenden Priesterzahlen. Jetzt befürchtet man, dass sich in Zukunft noch weniger Menschen für den Beruf des Priesters entscheiden werden. Denn Irland plant die Senkung der erlaubten Promillegrenze für Alkohol von 0,8 auf 0,5 Promille. In der Zeitung „The Irish Times“ vom 2. November machte Reverend Brian D’Arcy auf die fatalen Folgen dieses Gesetzentwurfs aufmerksam. Bedingt durch den Priestermangel müssten heutzutage manchmal drei Messen an einem Tag von einem einzigen Priester gehalten werden. Da die Gemeinden häufig weit auseinander liegen, können diese nur per Auto erreicht werden. Doch die katholische Kirche in Irland schreibt ihren Priestern vor, bei der Eucharistiefeier Wein zu trinken. Natürlich handle es sich dabei eigentlich nicht um Wein, sondern um das Blut Christi. Doch dieses habe im Blutkreislauf die gleichen Charakteristika wie Wein. Ein Ausweichen auf alkoholfreien Wein erlaube der Vatikan nicht, nicht einmal bei alkoholkranken Priestern.

 

Unterstützung in ihrem Kampf gegen die Senkung der erlaubten Blutalkoholgrenze erhalten die Priester von den Herstellern von Mundwasser. Da diese oft Alkohol enthalten, befürchten auch deren Hersteller, dass in Zukunft manche Autofahrer Probleme bei Alkoholkontrollen bekommen werden.

 

Sprecher:

 

Unsere nächste Sendung wird am 23. Dezember ausgestrahlt.
Die Texte dieser Sendung erhalten Sie gegen Erstattung des Portos bei: bfg Bayern, Postfach, 90730 Fürth.
Sie können das Manuskript auch per Email beziehen.
Im Internet sind wir erreichbar unter der Adresse: www.bfg-bayern.
de
Dort finden Sie auch die Veran­staltungen der einzelnen Ortsgemeinschaften.

 

 

Texte: Monika Hendlmeier

SprecherInnen: Dr. Kerstin Pschibl, Kurt Raster

Musik: Tony Scott