Philosophie an der Universität Passau, Preisverleihung „Schraubenschlüssel am Bande“, Stoiber greift Janosch an, Schöpfungsgeschichte im Biologieunterricht?

  Sendereihe 'Positionen'  

des Bundes für Geistesfreiheit Bayern K.d.ö.R.

AutorInnen: Monika Hendlmeier, Karl Bierl


SprecherInnen:
Dr. Kerstin Pschibl, Karl Bierl
Eine Sendung im Bayerischen Rundfunk, Programm Bayern II, UKW

Sonntag, 08. Juli  2007, 7.05-7.20 Uhr


 

Sprecherin:

 

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

 

wir begrüßen Sie zur dieser Sendung des Bundes für Geistes­freiheit Bayern, kurz bfg. Wenn Sie mehr über den bfg, seine Grundsätze und Aktivitäten wissen wollen, wenden Sie sich bitte an die Anschrift, die wir Ihnen am Ende dieser Sendung mitteilen.

 

Sprecher:

 

Philosophie an der Universität Passau

 

An den deutschen Hochschulen, und hier v.a. in Bayern, gibt es sogenannte Konkordatslehrstühle. Ein Konkordatslehrstuhl ist ein Lehrstuhl, der nicht in einer theologischen Fakultät angesiedelt ist, bei dessen Besetzung die Katholische Kirche aber dennoch ein Mitspracherecht hat. Grundlage dafür sind Staatsverträge, sogenannte Konkordate, die zwischen dem Vatikan und den Bundesländern geschlossen wurden. Das bayerische Konkordat geht auf das Jahr 1924 zurück.

 Seit Jahren fordert der bfg Bayern die Abschaffung dieser Lehrstühle. Schließlich darf laut Artikel 3 Grundgesetz niemand wegen „seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“.

Auch an der Universität Passau gibt es einen Konkordatslehrstuhl in Philosophie. Und ebenfalls einen Philosophie-Lehrstuhl in der Katholisch-theologischen Fakultät. Diese Fakultät soll Anfang 2009 aufgelöst werden, sodass es dann nur noch einen Philosophie-Lehrstuhl gibt. So weit, so gut. Doch die Universitätsleitung in Passau hat seltsame Pläne. Wenn der derzeitige Konkordats-Lehrstuhlinhaber in den Ruhestand geht, wird seine Stelle nicht mehr besetzt. Die gesamte Lehre der Philosophie und Ethik wird dann von ehemaligen Angehörigen der katholisch-theologischen Fakultät übernommen. Die Themenfelder der Angewandten Ethik übernimmt sogar ein Moraltheologe.

 

Es entsteht somit eine Situation, die grotesker kaum sein könnte: An den bayerischen Schulen sollen – aus gutem Grunde – Religionslehrer kein Ethik unterrichten. Doch an der Universität Passau sollen die zukünftigen Ethiklehrerinnen und -lehrer ausschließlich von Theologen und Priestern ausgebildet werden.

Verfassungsrechtliche Bedenken lässt die Passauer Universitätsleitung ebenso wenig gelten wie Proteste der Betroffenen. Studierende haben die „Liste Widerstand“ gegründet. Sie fordern, dass sie in den erziehungswissenschaftlichen und Lehramts-Studiengängen zumindest auch bei „neutralen“ Dozenten studieren können. Für den Rektor Walter Schweitzer ist das Neutralitätsgebot jedoch kein Problem. Seiner Meinung nach sind Theologen als Wissenschaftler schließlich ebenfalls zur Neutralität verpflichtet.

Prof. Dr. Thomas Mohrs, Vertreter des Lehrstuhls für Philosophie in Passau, sieht das anders:  „Diese Pläne halte ich für absurd. Alle künftigen Ethiklehrer würden dann von Lehrpersonal unterrichtet, das dem „nihil obstat“ unterliegt. Das heißt, sie dürfen nichts lehren, was der katholischen Lehrmeinung widerspricht. Das hat gar nichts mit der wissenschaftlichen Qualifikation dieses Lehrpersonals zu tun. Es geht schlicht und einfach darum, dass nach dem Katechismus der katholischen Kirche die Vernunft dem Glauben untersteht.  Der Glaube gibt also den Rahmen vor, innerhalb dessen sich die Vernunft – und in diesem Fall die philosophische Lehre – bewegen darf. In den Passauer Planungen wird zudem ignoriert, dass der Ethikunterricht an den Schulen eine weltanschaulich unabhängige Alternative zum Religionsunterricht darstellt. Und dem muss aus rechtlichen Gründen auch in der Ausbildung der Ethiklehrkräfte entsprochen werden.“ 

 

Und wie sieht die rechtliche Situation aus? Ein Urteil des Bayerischen Verfassungsgerichts vom April 1980 besagt, dass jede bayerische Universität kirchenunabhängiges Personal für die Ausbildung der Ethiklehrer beschäftigen müsse. Das Urteil stellt zum einen das Neutralitätsgebot fest und formuliert im Hinblick auf die Situation an einzelnen Universitäten, dass der Staat tätig werden müsse, wenn es an einer Fakultät, die für die Lehrerbildung zuständig ist, in einzelnen Fächern nur konkordatsgebundene Institutionen gibt.

 

Der Widerstand in Passau geht unterdessen weiter. Vom geplanten Kahlschlag ist leider nicht nur die Philosophie betroffen: Nächsten Dienstag findet eine Demonstration von Studierenden statt zum Erhalt der Geisteswissenschaften.

 

Weitere Informationen zur Situation an der Universität Passau finden sich im Internet unter: www.philosophie-passau.de

 

 

Sprecherin:

 

Preisverleihung „Schraubenschlüssel am Bande“

 

Ein Preis ist eine Auszeichnung für besondere Verdienste. Es gibt u.a. Preise für Lebensretter, gelungene Haussanierungen, schöne Gärten oder gute Filme. Aber manchmal werden auch Preise verliehen für schlechte Leistungen. So findet jedes Jahr einen Tag vor der Ocsar-Wahl die Verleihung der „goldenen Himbeere“ statt. Diesen Preis erhalten die Mitwirkenden an den schlechtesten Filmen des Jahres.

 

In diese Kategorie fällt auch ein neu geschaffener Preis des Bundes für Geistesfreiheit München – der „Schraubenschlüssel am Bande“. Dabei handelt es sich um einen knapp 80 cm langen Doppelmaulschlüssel aus bemaltem Kunststoff mit aufwendigem Band, hergestellt vom oberbayerischen Holzbildhauer Nikolaus Sanktjohanser. Der Preis soll laut Vorstand des bfg München alljährlich an eine Persönlichkeit des öffentlichen Interesses verliehen werden. Sie erhält die Auszeichnung für dokumentierte Äußerungen, die den Einsatz eines Schraubenschlüssels zum Wieder-Anziehen von bemerkenswert großen lockeren Schrauben als notwendig erscheinen lassen.

 

Erste Preisträgerin ist Gloria Mariae Prinzessin von Thurn und Taxis, besser bekannt als „Fürstin Gloria“. In einem Artikel des Regensburger Wochenblattes vom 18. April 2007 wird sie mit den Worten zitiert: „Ich kenne einen Journalisten, der hat ein sehr schönes Büchlein über die Inquisition geschrieben, die war gar nicht so schlimm, wie die Leute immer sagen. Ich finde, wir bräuchten wieder eine Inquisition für die Leute, die immer unseren Bischof angreifen oder für die, die Frauen als Priester haben wollen."

 

Nach Erscheinen dieser Geschichte wurde Gloria nicht etwa von Zweifeln oder gar Gefühlen des Bedauerns geplagt. Sie echauffierte sich über die Berichterstattung, da es sich lediglich um ein „humorvolles und höchst privates Wortgeplänkel" gehandelt habe, das wiederzugeben „stil- und würdelos" sei.

 

Fürstin Gloria setzte sich bei der Wahl klar durch vor Eva Herman und dem Bischof von Augsburg, Dr. Walter Mixa.

 

Am Freitag, den 13. Juli 2007 wird der Schraubenschlüssel am Bande im Rahmen der Mitgliederversammlung des bfg München in der Seidl-Villa verliehen. 

 

Schade nur, dass dieser Preis nicht wöchentlich vergeben wird. Prädestiniert dafür wäre etwa ein britischer Bischof, der am 1. Juli der Zeitung „Sunday Telegraph“ ein Interview gab. Befragt zu den verhehrenden Überschwemmungen in England und Wales meinte er, Gott habe den Sturm als Antwort auf den Bedeutungsverlust der Ehe und die gesetzliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften gesandt.

 

Sprecher:

 

Stoiber greift Janosch an

 

Der CSU-Vorsitzende und noch amtierende Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat den berühmten Kinderbuchautor Janosch hart angegriffen. Janosch, so Stoiber, sei ein „falscher Prophet“. Man dürfe nicht zulassen, dass der 76 Jahre alte Janosch mit seinen teilweise antireligiösen Zeichnungen und Äußerungen Zugang zu unseren Kinderzimmern erlange. Kirche, Gesellschaft und Politik müssten statt dessen an einem Strang ziehen und den Kindern Orientierung, Werte und Religion vermitteln.

 

Edmund Stoiber versteht sich offensichtlich auch in der Schlussphase seines aktiven politischen Lebens als ein dezidiert christlich-sozialer Spitzenpolitiker. Wenn er im Herbst abtritt, möchte er wohl als einer der großen, wertkonservativen Christsozialen in Erinnerung bleiben, dem eine wertegebundene und wertevermittelnde christliche Erziehung besonders am Herzen liegen.

 

Der Kinderbuchautor Janosch gehört dem Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung an, einer Vereinigung von Konfessionslosen, Atheisten und Humanisten, die sich der Förderung des evolutionären Humanismus widmen. Von Janosch, dem Schöpfer putziger Geschöpfe wie der Tigerente, sind Sätze wie diese überliefert: „Katholisch ist das Reizwort, dann gerate ich in eine unerträgliche Wut“, oder: „Die Taufe ist für die Eltern ein Zwang unter Androhung der ewigen Hölle“, oder: „Katholisch geboren zu sein, ist der größte Unfall meines Lebens.“

 

Janosch ließ sich durch den harten Angriff Stoibers nicht einschüchtern und übertrug mittlerweile seine gesamten Werkrechte auf die Giordano Bruno Stiftung. Die Stiftung erklärte dazu, sie freue sich sehr über das große Vertrauen, das Janosch der Stiftung entgegenbringe. Sie stellte allerdings auch fest, dass die Übertragung der Rechte vorerst einen eher symbolischen Charakter habe: Janosch erhalte nämlich seit Jahren keinen einzigen Cent mehr aus dem Verkauf und der immensen Verwertung seiner Werke. An der Vermarktung von Tiger, Bär und Tigerente verdienten sicherlich einige Leute ganz ordentlich - nicht aber der Künstler, der diese Figuren erschaffen und populär gemacht hat."

 

Der Humanistische Pressedienst fragte bei Janosch nach, ob er befürchte, dass die Übertragung der Rechte auf die religionskritische Stiftung den Konflikt mit Edmund Stoiber weiter verschärfen könnte. Janosch erklärte dazu, dass dies ganz gewiss nicht seine Sorge sei. Er empfinde den Angriff gerade von Stoiber als besonders ehrenvoll: „Ich habe mich unglaublich gefreut, von einem so enorm ‚schwergewichtlichen' Politiker wie Herrn Sträuber überhaupt wahrgenommen und damit wohl als bedeutend anerkannt zu werden", betonte Janosch.

 

Der Autor und Zeichner versicherte, nach dieser „herzlichen ministerpräsidialen Ermutigung" noch engagierter in religiöser Richtung weiter zu arbeiten. Im Entstehen sei derzeit sein nächstes Werk, ein autobiographisches mit dem Titel „Tagebuch eines frommen Ketzers". In einem Brief an den Ministerpräsidenten, den Janosch allerdings nicht abschickte, da er „leider nicht die passende Marke zur Hand hatte", heißt es: „Grüß Gott, Herr Stoiber! Damit Sie wissen, wogegen Sie kämpfen, sollten Sie einmal die Religionsunterrichtsbücher in Ihrem Land lesen. Dort werden Sie nämlich eine Menge meiner hochmoralischen Ketzergeschichten finden. Wahrlich nicht ich habe sie dort untergebracht, sondern Ihre Leute. Wie konnten nur so viele ‚falsche Propheten' - ich bin nicht der Einzige! - in bayerische Schulbücher gelangen?

 

 

Sprecherin:

 

Schöpfungsgeschichte im Biologieunterricht?

 

Schon wieder gibt es in einem Bundesland die Forderung, die biblische Schöpfungslehre im Biologieunterricht zu lehren. Doch diesmal stammt die Idee nicht von religiösen Fanatikern aus den USA, sondern von einer deutschen Politikerin. Die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) will im Biologieunterricht auch die Schöpfungslehre der Bibel behandeln. Die Kinder sollen ihrer Meinung nach nicht mit unterschiedlichen Theorien im Biologie- und im Religionsunterricht verwirrt werden. Für Wolff, die früher selbst Religion unterrichtete, ist die Bibel "eine Art Koordinatensystem für mein Leben". Sie sieht in der Debatte über die biblische Schöpfungslehre die Chance für "eine neue Gemeinsamkeit von Naturwissenschaft und Religion."

Doch die Evolutionstheorie wird in keinem Bundesland vor dem elften Schuljahr unterrichtet. Die Süddeutsche Zeitung fragt am 30. Juni in einem Artikel: „Warum dann auch noch im Biologieunterricht die Schöpfungsgeschichte lehren, wenn diese vom ersten Schuljahr an im Religionsunterricht vermittelt wird? Andererseits: Wenn man schon unterschiedliche "Theorien" unterrichtet, warum dann nicht auch die Astronomie durch die Astrologie ersetzen? Oder die Mathematik durch Zahlenmystik?“

Wir könnten diese Fragen noch ergänzen: Wieso soll nur die biblische Schöpfungsgeschichte gelehrt werden? Es gibt doch auch viele schöne andere Schöpfungsmythen. Warum lehren wir nicht die kirgisische Sicht von der Entstehung der Welt, die Vorstellungen der Maori, der Sumerer oder der alten Germanen?

 

 

Sprecher:

 

Unsere nächste Sendung wird am 19. August ausgestrahlt. Die Texte dieser Sendung erhalten Sie gegen Erstattung des Portos bei: bfg Bayern, Postfach, 90730 Fürth.

Sie können das Manuskript auch per Email beziehen.

 Im Internet sind wir erreichbar unter der Adresse: www.bfg-bayern.de.

 Dort finden Sie auch die Veranstaltungen der einzelnen Ortsgemeinschaften.

 

 

Texte: Monika Hendlmeier,  Karl Bierl

SprecherInnen: Dr. Kerstin Pschibl, Karl Bierl