Sprecherin: Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, wir begrüßen Sie zur dieser Sendung des Bundes für Geistesfreiheit Bayern, kurz bfg. Wenn Sie mehr über den bfg, seine Grundsätze und Aktivitäten wissen wollen, wenden Sie sich bitte an die Anschrift, die wir Ihnen am Ende dieser Sendung mitteilen. Sprecher: Philosophie
an der Universität Passau An den deutschen Hochschulen, und hier v.a. in Bayern, gibt
es sogenannte Konkordatslehrstühle. Ein Konkordatslehrstuhl ist ein
Lehrstuhl, der nicht in einer theologischen Fakultät angesiedelt ist, bei
dessen Besetzung die Katholische Kirche aber dennoch ein Mitspracherecht
hat. Grundlage dafür sind Staatsverträge, sogenannte Konkordate, die
zwischen dem Vatikan und den Bundesländern geschlossen wurden. Das
bayerische Konkordat geht auf das Jahr 1924 zurück. Seit Jahren fordert der bfg Bayern die Abschaffung
dieser Lehrstühle. Schließlich darf laut Artikel 3 Grundgesetz niemand
wegen „seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen
benachteiligt oder bevorzugt werden“. Auch an der Universität Passau gibt es einen
Konkordatslehrstuhl in Philosophie. Und ebenfalls einen
Philosophie-Lehrstuhl in der Katholisch-theologischen Fakultät. Diese
Fakultät soll Anfang 2009 aufgelöst werden, sodass es dann nur noch
einen Philosophie-Lehrstuhl gibt. So weit, so gut. Doch die Universitätsleitung
in Passau hat seltsame Pläne. Wenn der derzeitige
Konkordats-Lehrstuhlinhaber in den Ruhestand geht, wird seine Stelle nicht
mehr besetzt. Die gesamte Lehre der Philosophie und Ethik wird dann von
ehemaligen Angehörigen der katholisch-theologischen Fakultät übernommen.
Die Themenfelder der Angewandten Ethik übernimmt sogar ein Moraltheologe.
Es entsteht somit eine Situation, die grotesker kaum sein könnte:
An den bayerischen Schulen sollen – aus gutem Grunde – Religionslehrer
kein Ethik unterrichten. Doch an der Universität Passau sollen die zukünftigen
Ethiklehrerinnen und -lehrer ausschließlich von Theologen und Priestern
ausgebildet werden. Verfassungsrechtliche Bedenken lässt die Passauer Universitätsleitung
ebenso wenig gelten wie Proteste der Betroffenen. Studierende haben die
„Liste Widerstand“ gegründet. Sie fordern, dass sie in den
erziehungswissenschaftlichen und Lehramts-Studiengängen zumindest auch
bei „neutralen“ Dozenten studieren können. Für den Rektor Walter
Schweitzer ist das Neutralitätsgebot jedoch kein Problem. Seiner Meinung
nach sind Theologen als Wissenschaftler schließlich ebenfalls zur
Neutralität verpflichtet. Prof. Dr. Thomas Mohrs, Vertreter des Lehrstuhls für
Philosophie in Passau, sieht das anders:
„Diese Pläne halte ich für absurd. Alle künftigen Ethiklehrer
würden dann von Lehrpersonal unterrichtet, das dem „nihil obstat“
unterliegt. Das heißt, sie dürfen nichts lehren, was der katholischen
Lehrmeinung widerspricht. Das hat gar nichts mit der wissenschaftlichen
Qualifikation dieses Lehrpersonals zu tun. Es geht schlicht und einfach
darum, dass nach dem Katechismus der katholischen Kirche die Vernunft dem
Glauben untersteht. Der
Glaube gibt also den Rahmen vor, innerhalb dessen sich die Vernunft –
und in diesem Fall die philosophische Lehre – bewegen darf. In den
Passauer Planungen wird zudem ignoriert, dass der Ethikunterricht an den
Schulen eine weltanschaulich unabhängige Alternative zum
Religionsunterricht darstellt. Und dem muss aus rechtlichen Gründen auch
in der Ausbildung der Ethiklehrkräfte entsprochen werden.“ Und wie sieht die rechtliche Situation aus? Ein Urteil des
Bayerischen Verfassungsgerichts vom April 1980 besagt, dass jede
bayerische Universität kirchenunabhängiges Personal für die Ausbildung
der Ethiklehrer beschäftigen müsse. Das Urteil stellt zum einen das
Neutralitätsgebot fest und formuliert im Hinblick auf die Situation an
einzelnen Universitäten, dass der Staat tätig werden müsse, wenn es an
einer Fakultät, die für die Lehrerbildung zuständig ist, in einzelnen Fächern
nur konkordatsgebundene Institutionen gibt. Der Widerstand in Passau geht unterdessen weiter. Vom
geplanten Kahlschlag ist leider nicht nur die Philosophie betroffen: Nächsten
Dienstag findet eine Demonstration von Studierenden statt zum Erhalt der
Geisteswissenschaften. Weitere Informationen zur Situation an der Universität
Passau finden sich im Internet unter: www.philosophie-passau.de Sprecherin: Preisverleihung
„Schraubenschlüssel am Bande“ Ein Preis ist eine Auszeichnung für
besondere Verdienste. Es gibt u.a. Preise für Lebensretter, gelungene
Haussanierungen, schöne Gärten oder gute Filme. Aber manchmal werden
auch Preise verliehen für schlechte Leistungen. So findet jedes Jahr
einen Tag vor der Ocsar-Wahl die Verleihung der „goldenen Himbeere“
statt. Diesen Preis erhalten die Mitwirkenden an den schlechtesten Filmen
des Jahres. In diese Kategorie fällt auch ein
neu geschaffener Preis des Bundes für Geistesfreiheit München – der
„Schraubenschlüssel am Bande“. Dabei handelt es sich um einen knapp
80 cm langen Doppelmaulschlüssel aus bemaltem Kunststoff mit aufwendigem
Band, hergestellt vom oberbayerischen Holzbildhauer Nikolaus Sanktjohanser.
Der Preis soll laut Vorstand des bfg München alljährlich an eine Persönlichkeit
des öffentlichen Interesses verliehen werden. Sie erhält die
Auszeichnung für dokumentierte Äußerungen, die den Einsatz eines
Schraubenschlüssels zum Wieder-Anziehen von bemerkenswert großen
lockeren Schrauben als notwendig erscheinen lassen. Erste Preisträgerin ist Gloria
Mariae Prinzessin von Thurn und Taxis, besser bekannt als „Fürstin
Gloria“. In einem Artikel des Regensburger Wochenblattes vom 18. April
2007 wird sie mit den Worten zitiert: „Ich kenne einen Journalisten, der
hat ein sehr schönes Büchlein über die Inquisition geschrieben, die war
gar nicht so schlimm, wie die Leute immer sagen. Ich finde, wir bräuchten
wieder eine Inquisition für die Leute, die immer unseren Bischof
angreifen oder für die, die Frauen als Priester haben wollen." Nach Erscheinen dieser Geschichte
wurde Gloria nicht etwa von Zweifeln oder gar Gefühlen des Bedauerns
geplagt. Sie echauffierte sich über die Berichterstattung, da es sich
lediglich um ein „humorvolles und höchst privates Wortgeplänkel"
gehandelt habe, das wiederzugeben „stil- und würdelos" sei. Fürstin Gloria setzte sich bei
der Wahl klar durch vor Eva Herman und dem Bischof von Augsburg, Dr.
Walter Mixa. Am Freitag, den 13. Juli 2007 wird
der Schraubenschlüssel am Bande im Rahmen der Mitgliederversammlung des
bfg München in der Seidl-Villa verliehen.
Schade nur, dass dieser Preis
nicht wöchentlich vergeben wird. Prädestiniert dafür wäre etwa ein
britischer Bischof, der am 1. Juli der Zeitung „Sunday Telegraph“ ein
Interview gab. Befragt zu den verhehrenden Überschwemmungen in England
und Wales meinte er, Gott habe den Sturm als Antwort auf den
Bedeutungsverlust der Ehe und die gesetzliche Anerkennung homosexueller
Partnerschaften gesandt. Sprecher: Stoiber
greift Janosch an Der CSU-Vorsitzende und noch amtierende Bayerische
Ministerpräsident Edmund Stoiber hat den berühmten Kinderbuchautor
Janosch hart angegriffen. Janosch, so Stoiber, sei ein „falscher
Prophet“. Man dürfe nicht zulassen, dass der 76 Jahre alte Janosch mit
seinen teilweise antireligiösen Zeichnungen und Äußerungen Zugang zu
unseren Kinderzimmern erlange. Kirche, Gesellschaft und Politik müssten
statt dessen an einem Strang ziehen und den Kindern Orientierung, Werte
und Religion vermitteln. Edmund Stoiber versteht sich offensichtlich auch in der
Schlussphase seines aktiven politischen Lebens als ein dezidiert
christlich-sozialer Spitzenpolitiker. Wenn er im Herbst abtritt, möchte
er wohl als einer der großen, wertkonservativen Christsozialen in
Erinnerung bleiben, dem eine wertegebundene und wertevermittelnde
christliche Erziehung besonders am Herzen liegen. Der Kinderbuchautor Janosch gehört dem Beirat der
Giordano-Bruno-Stiftung an, einer Vereinigung von Konfessionslosen,
Atheisten und Humanisten, die sich der Förderung des evolutionären
Humanismus widmen. Von Janosch, dem Schöpfer putziger Geschöpfe wie der
Tigerente, sind Sätze wie diese überliefert: „Katholisch ist das
Reizwort, dann gerate ich in eine unerträgliche Wut“, oder: „Die
Taufe ist für die Eltern ein Zwang unter Androhung der ewigen Hölle“,
oder: „Katholisch geboren zu sein, ist der größte Unfall meines
Lebens.“
Janosch ließ sich durch den harten Angriff Stoibers nicht
einschüchtern und übertrug mittlerweile seine gesamten Werkrechte auf
die Giordano Bruno Stiftung. Die Stiftung erklärte dazu, sie freue sich
sehr über das große Vertrauen, das Janosch der Stiftung entgegenbringe.
Sie stellte allerdings auch fest, dass die Übertragung der Rechte vorerst
einen eher symbolischen Charakter habe: Janosch erhalte nämlich seit
Jahren keinen einzigen Cent mehr aus dem Verkauf und der immensen
Verwertung seiner Werke. An der Vermarktung von Tiger, Bär und Tigerente
verdienten sicherlich einige Leute ganz ordentlich - nicht aber der Künstler,
der diese Figuren erschaffen und populär gemacht hat." Der Humanistische Pressedienst fragte bei Janosch nach, ob
er befürchte, dass die Übertragung der Rechte auf die religionskritische
Stiftung den Konflikt mit Edmund Stoiber weiter verschärfen könnte.
Janosch erklärte dazu, dass dies ganz gewiss nicht seine Sorge sei. Er
empfinde den Angriff gerade von Stoiber als besonders ehrenvoll: „Ich
habe mich unglaublich gefreut, von einem so enorm ‚schwergewichtlichen'
Politiker wie Herrn Sträuber überhaupt wahrgenommen und damit wohl als
bedeutend anerkannt zu werden", betonte Janosch. Der Autor und Zeichner versicherte, nach dieser
„herzlichen ministerpräsidialen Ermutigung" noch engagierter in
religiöser Richtung weiter zu arbeiten. Im Entstehen sei derzeit sein nächstes
Werk, ein autobiographisches mit dem Titel „Tagebuch eines frommen
Ketzers". In einem Brief an den Ministerpräsidenten, den Janosch
allerdings nicht abschickte, da er „leider nicht die passende Marke zur
Hand hatte", heißt es: „Grüß Gott, Herr Stoiber! Damit Sie
wissen, wogegen Sie kämpfen, sollten Sie einmal die Religionsunterrichtsbücher
in Ihrem Land lesen. Dort werden Sie nämlich eine Menge meiner
hochmoralischen Ketzergeschichten finden. Wahrlich nicht ich habe sie dort
untergebracht, sondern Ihre Leute. Wie konnten nur so viele ‚falsche
Propheten' - ich bin nicht der Einzige! - in bayerische Schulbücher
gelangen? Sprecherin: Schöpfungsgeschichte
im Biologieunterricht? Schon wieder gibt es in einem Bundesland die Forderung, die
biblische Schöpfungslehre im Biologieunterricht zu lehren. Doch diesmal
stammt die Idee nicht von religiösen Fanatikern aus den USA, sondern von
einer deutschen Politikerin. Die hessische Kultusministerin Karin Wolff
(CDU) will im Biologieunterricht auch die Schöpfungslehre der Bibel
behandeln. Die Kinder sollen ihrer Meinung nach nicht mit
unterschiedlichen Theorien im Biologie- und im Religionsunterricht
verwirrt werden. Für Wolff, die früher selbst Religion unterrichtete,
ist die Bibel "eine Art Koordinatensystem für mein Leben". Sie
sieht in der Debatte über die biblische Schöpfungslehre die Chance für
"eine neue Gemeinsamkeit von Naturwissenschaft und Religion." Doch die Evolutionstheorie wird in keinem Bundesland vor dem
elften Schuljahr unterrichtet. Die Süddeutsche Zeitung fragt am 30. Juni
in einem Artikel: „Warum dann auch noch im Biologieunterricht die Schöpfungsgeschichte
lehren, wenn diese vom ersten Schuljahr an im Religionsunterricht
vermittelt wird? Andererseits: Wenn man schon unterschiedliche
"Theorien" unterrichtet, warum dann nicht auch die Astronomie
durch die Astrologie ersetzen? Oder die Mathematik durch Zahlenmystik?“ Wir könnten diese Fragen noch ergänzen: Wieso soll nur die
biblische Schöpfungsgeschichte gelehrt werden? Es gibt doch auch viele
schöne andere Schöpfungsmythen. Warum lehren wir nicht die kirgisische
Sicht von der Entstehung der Welt, die Vorstellungen der Maori, der
Sumerer oder der alten Germanen? Sprecher: Unsere nächste Sendung wird am 19. August ausgestrahlt. Die Texte dieser Sendung erhalten Sie gegen Erstattung des Portos bei: bfg Bayern, Postfach, 90730 Fürth. Sie können das Manuskript auch per Email beziehen. Im Internet sind wir erreichbar unter der Adresse: www.bfg-bayern.de. Dort finden Sie auch die Veranstaltungen der einzelnen
Ortsgemeinschaften. Texte: Monika Hendlmeier,
Karl Bierl SprecherInnen: Dr. Kerstin Pschibl, Karl Bierl
|