Sprecherin: Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, wir begrüßen Sie zur dieser Sendung des Bundes für Geistesfreiheit Bayern, kurz bfg. Wenn Sie mehr über den bfg, seine Grundsätze und Aktivitäten wissen wollen, wenden Sie sich bitte an die Anschrift, die wir Ihnen am Ende dieser Sendung mitteilen. Sprecher: Islam-Konferenz Der zu Jahresbeginn gegründete Zentralrat der Ex-Muslime in
Köln hat die derzeit laufende zweite Runde der Islamkonferenz als
integrationsfeindlich kritisiert und die Auflösung des Gremiums
gefordert. Die Deutsche Islamkonferenz wurde im September 2006 von
Innenminister Wolfgang Schäuble initiiert. Sie ist auf einen Zeitraum von
zwei bis drei Jahren angelegt und soll die Integration der etwa 3
Millionen in Deutschland lebenden Muslime verbessern. Mitglieder der
Konferenz sind einerseits Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen,
andererseits Vertreter verschiedener muslimischer Verbände in
Deutschland. Auch von der Bundesregierung eingeladene Einzelpersonen,
darunter dezidierte IslamkritikerInnen, sind vertreten. In einer
Presseerklärung betonte der Zentralrat der Ex-Muslime, dass bei der
Konferenz nicht über eine bessere sprachliche oder berufliche Integration
gesprochen werde, die allen Zuwanderern zu Gute käme. Gegenstand seien
vielmehr die von muslimischen Verbänden geforderten Sonderregelungen für
den Bau von Moscheen, den Islamunterricht, das Schächten, den
geschlechtsgetrennten Sportunterricht und islamkonforme Berichterstattung
in den Medien. Damit werde nicht die Integration gefördert, sondern dem
Ausbau von parallelgesellschaftlichen Strukturen Vorschub geleistet. Die
Ex-Muslime lehnen die Sprecherrolle der muslimischen Verbände ab. Der deutsche Staat spiele mit der Islamkonferenz "Islamisten
in die Hände", erklärte der Zentralrat. Die Konferenz solle deshalb
aufgelöst werden. Stattdessen fordern die Ex-Muslime einen echten
"Integrationsgipfel", in dem die Zuwanderer "nicht als
Muslime, sondern als Menschen" eingeladen werden sollten.
Verhaltensweisen wie Kopftuchzwang, Zwangsheirat oder muslimische
Sonderregelungen müssten zurückgedrängt werden. Es sei ein Skandal,
dass „dogmatische Kopftuchträgerinnen mit ihrem überkommenen
Geschlechterrollenmodell" hierzulande als selbstbewusste „Vorreiterinnen
der Emanzipation" geschönt würden. "Integriert werden können nur anpassungsbereite
Menschen, die moderne demokratische Lebensregeln akzeptieren", erklärten
die Ex-Muslime. Eine Grundvoraussetzung dafür sei, dass Religion als
Privatsache anerkannt werde und die islamischen Organisationen "nicht
als politische Interessenverbände mit Alleinvertretungsan-spruch
agieren" könnten. Sprecherin: Heidenspaß
am Karfreitag Unter dem Motto "Heidenspaß statt Höllenqual"
beging der bfg München am diesjährigen Karfreitag einen Tabubruch. Denn
neben den bisher schon üblichen Filmveranstaltungen bat er anschließend
zum "lustvollen Karfreitags-Tanz" mit der Rock-Band
"Heilig" ins Oberanger-Theater München.
Das bedeutete jedoch ein Bruch des Bayerischen Feiertagsgesetzes.
Dieses untersagt nämlich Musikveranstaltungen an bestimmten christlichen
Feiertagen – selbst dann, wenn dadurch keine religiösen Zeremonien gestört
werden. Es ist nach unserer Auffassung nicht in Ordnung, dass auch
Nicht-Christen gezwungen werden, sich den christlichen Bräuchen
unterwerfen zu müssen. Es kam, wie es kommen musste. Das Kreisverwaltungsreferat
forderte den bfg München vorab in einem schriftlichen Bescheid auf, die
musikalische Veranstaltung zu unterlassen. Andernfalls drohe die Höchststrafe
von 10.000,- €. Bei solch „überzeugenden“ Argumenten blieb dem bfg
München nichts anderes übrig, als den musikalischen Teil der Heidenspaßparty abzublasen. Jedoch wurde eine Klage gegen
diesen Bescheid eingereicht. Die Verfassungswidrigkeit des Musikverbotes
soll durch eine Feststellungsklage erstritten werden. Die Vorsitzende des bfg München, Assunta Tammelleo,
erinnerte in diesem Zusammenhang an historische Gesetzesverstöße, die
bedeutende Veränderungen einleiteten: - 1955 hat sich eine schwarze Bürgerin in Alabama (USA)
geweigert, im Bus ihren Sitzplatz einem weißen Fahrgast zu überlassen,
wie es das Recht forderte. Rosa Parks wurde verhaftet und verurteilt. Das
führte zum „Montgomery Bus Boycot“, der sich zur Bürgerrechtsbewegung
ausweitete und mit Martin Luther King einen der berühmtesten Bürgerrechtler
hervorbrachte. - Die beliebte Schauspielerin Inge Meysel und andere Frauen
haben 1971 mit dem Slogan „Ich habe abgetrieben“ ihren Verstoß
gegen den § 218 öffentlich gemacht. Dieses Bekenntnis wurde ein
Meilenstein für die Frauenbewegung. Wir hoffen, dass diese Heidenspaß-Aktion eine ähnliche
Wirkung erzielt und religiöse Bevormundungen wie das Tanzverbot künftig
gesellschaftlich geächtet werden. Wer weiß, vielleicht ist im nächsten
Jahr am Karfreitag der Weg frei für eine Heidenspaß-Party mit Musik und
Tanz! Sprecher: Abgeltungssteuer
und Kirchensteuer Die Bundesregierung plant eine Abgeltungssteuer auf
Kapitalerträge. Ab dem Jahr 2009 sollen Zinsen, Dividenden und private
Gewinne aus Wertpapierveräußerungen pauschal mit 25% besteuert werden.
Dazu kommen noch Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Dazu müssen die
Anleger dem Kreditinstitut ihre Religionszugehörigkeit und den für sie
zutreffenden Kirchensteuersatz mitteilen. Die Bank ermittelt die
Kirchensteuer und führt diese über das Bundesamt für Finanzen in Berlin
an die Religionsgemeinschaften ab. Das Fernziel der Reform ist, ab 2011 auch bei der Erhebung
der auf die Kapitalerträge anfallenden Kirchensteuer den Steuerabzug
grundsätzlich an der Quelle vorzunehmen zu können. Diesem Ziel soll die
Errichtung einer Datenbank beim Bundeszentralamt für Steuern in Berlin
dienen. Die Datenbank enthält die konfessionsrelevanten Daten wie
Kirchenmitgliedschaft und den geltenden Kirchensteuersatz. Die
Geldinstitute rufen ihrerseits von dieser Datei alle Daten ab, um die
Kirchensteuer automatisch abgelten zu können. Argumente der Regierung für die Reform sind die
„elektronische Machbarkeit“, der „geringe Verwaltungsaufwand“, die
„Einfachheit“ des Verfahrens insgesamt und seine „Effizienz“. Bei einer Anhörung Anfang Mai im Deutschen Bundestag ist
diese Steuer auf ein überwiegend positives Echo vor allem bei Banken und
Wirtschaft gestoßen. Doch es gibt auch Argumente gegen die Abgeltungssteuer. Der
Verein zur Umwidmung von Kirchensteuern hält es für fraglich, ob es überhaupt
in die Kompetenz des Bundes fällt, Kirchensteuerangelegenheiten zu
regeln. Einen neuen Kirchensteuererhebungstatbestand zu schaffen,
stehe nur den Länderparlamenten zu. In gleicher Weise bedenklich erscheint dem Verein der
Versuch des Bundes, Datenschutz relevante Aspekte im Zusammenhang mit der
Kirchensteuer per Bundesgesetz regeln zu wollen, z.B. die verpflichtende
Information zum Konfessionsstatus an Banken und Sparkassen. Alle
Datenschutzbeauftragten der Bundesländer haben auf Anfrage mitgeteilt,
dass die Weitergabe solcher Daten durch die Kirchensteuergesetze ihres
jeweiligen Bundeslandes nicht gedeckt sei. Vor allem die ab 2011 geplante Praxis, den Geldinstituten
den Konfessionsstatus offenbaren zu müssen, verstoße gegen das
verfassungsmäßig garantierte Recht, die Religionszugehörigkeit nicht
offenbaren zu müssen. Laut Bundesverfassungsgericht schließt die in
Artikel 4 Absatz 1 Grundgesetz gewährte Bekenntnisfreiheit grundsätzlich
auch das Recht ein, „auszusprechen und auch zu verschweigen, dass und
was man glaubt oder nicht glaubt“. Schon jetzt wird im Rahmen des
Kirchensteuereinzugverfahrens das Grundrecht auf Religionsfreiheit als
nachrangig geachtet. Arbeitnehmer müssen ihrem Arbeitgeber ihren
Konfessionsstatus offenbaren. Sprecherin: Richard
Dawkins’ „Gotteswahn“ Vom renommierten „Time Magazine“ wurde Richard Dawkins
unter die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten unserer Welt gewählt.
Der 66-jährige Evolutionsbiologe hat den eigens für ihn eingerichteten
Lehrstuhl für „Public Understanding of Science“ an der Universität
Oxford inne. Gleich sein erstes Buch „Das egoistische Gen“ wurde ein
internationaler Bestseller und gilt als Standardwerk der
Evolutionsbiologie. Dawkins erfolgreichstes Buch „The God Delusion“
hat sich alleine in Großbritanien und den USA 700 000 mal verkauft. Im
Herbst erscheint es mit dem Titel „Der Gotteswahn“ auf Deutsch. Wir
wollen Ihnen dieses Buch hier kurz vorstellen: Hintergrund des Buches ist der zunehmende religiöse
Fundamentalismus im mittleren Osten und den USA. Durch religiöse Dogmen
werden Frauen und Homosexuelle diskriminiert. In vielen Ländern müssen
Atheisten und Andersgläubige für ihre Überzeugung mit ihrem Leben
bezahlen. Vergewaltigte Frauen dürfen nicht abtreiben, Todkranke erhalten
keine Sterbehilfe, Intelligent Design hält Einzug in die Lehrpläne der
Schulen. Ohne Religionen gäbe es diese Probleme nicht. Dawkins kritisiert ungläubige Wissenschaftler, die sich
einer religiösen Sprache bedienen und somit die Grenzen von Wissenschaft
und Religion verwischen. Er weist nach, dass die USA nicht auf der
christlichen Religion wurzeln und fragt, warum unter dem Deckmantel der
Religion Verhaltensweisen akzeptiert werden, die normalerweise nicht
tolerabel sind. Dawkins zerlegt angebliche Gottesbeweise und erläutert,
warum es beinahe mit Sicherheit keinen Gott gibt. Er vergleicht Religion
mit einem Virus, der sich innerhalb einer Familie oder Gruppe ausbreitet.
Im Kapitel „Warum sind wir gut“ gibt es Briefe und Emails, die Dawkins
erhalten hat. Diejenigen mit brutalen Gewaltfantasien stammen alle von
religiösen Menschen. Und auch die Schriften der Weltreligionen sind
denkbar schlecht geeignet, um ein friedliches Zusammenleben der Menschen
zu gewährleisten. Das gefährlichste an den Religionen ist für Dawkins,
dass der absolute Glaube an etwas Nicht-Beweisbares als positiv und
erstrebenswert dargestellt wird. Das Buch ist in einem klaren, oft humorvollen und gut verständlichen
Englisch geschrieben. Sprecher: 20
Jahre GWUP Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von
Parawissenschaften, GWUP,
feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum. Im Oktober 1987 wurde die
bundesweite gemeinnützige Skeptiker-Organisation gegründet. Anfangs nur
ein kleiner Kreis von wissenschaftlich Interessierten, hat die GWUP
mittlerweile knapp 800 Mitglieder. Ihr gemeinsames Ziel ist es, sich gegen
pseudowissenschaftliche Behauptungen und esoterische Heilslehren und für
Aufklärung, kritisches Denken und die Popularisierung wissenschaftlicher
Erkenntnisse und Methoden einzusetzen. Die GWUP will damit ein Gegengewicht zur in den Medien
vorherrschenden Desinformation bilden. Ihre Arbeit dient dabei auch der
Abwendung möglicher Gefahren, wie sie vor allem im Bereich der so
genannten alternativen Medizin gegeben sein können. Denn wer im Vertrauen
auf ein Verfahren, dessen Wirksamkeit nicht belegt ist, auf notwendige
Behandlung verzichtet, kann sich sogar in Lebensgefahr begeben. In der Öffentlichkeit bekannt geworden ist die GWUP nicht
zuletzt durch ihren jährlichen Wahrsagertest. Sie sammelt zum
Jahresanfang die Prognosen von Astrologen und Wahrsagern über die
Ereignisse des kommenden Jahres und prüft am Jahresende, was wirklich
eingetreten ist. Das Ergebnis ist jedes Mal ein vernichtendes Urteil über
die Fähigkeiten der selbsternannten Zukunftsseher. Die Bereiche, mit denen sich die GWUP befasst, sind vielfältig
und reichen von Astrologie über Feng Shui, Homöopathie, Parapsychologie
und Wünschelrutengehen bis zu Ufo-Sichtungen und Verschwörungstheorien. Mit religiösen Fragen beschäftigt sich die GWUP nur, falls
diese Fragen mit wissenschaftlichen Methoden überprüfbar sind. So können
beispielsweise das Turiner Grabtuch, weinende Madonnen oder angebliche
Wunderheilungen ein Thema sein, nicht jedoch reine Glaubensfragen wie die
Existenz eines Gottes. Auf der Webseite der GWUP findet sich unter der Rubrik
„Themen“ eine Zusammenstellung knapper Informationen zu zahlreichen
Wissensgebieten mit weiterführenden Literaturhinweisen. Die GWUP gibt
eine Vierteljahreszeitschrift heraus, den „Skeptiker“, der auf der
Webseite abonniert werden kann. Ebenso kann dort ein kostenloser
e-mail-Rundbrief, der e-Skeptiker, abonniert werden. Und auch die
Kontaktadressen der Regionalgruppen, die es in Bayern derzeit in Bamberg,
München, Regensburg und Würzburg gibt, sind dort erhältlich. Und hier die Webadresse: www.gwup.org. Sprecherin: Unsere nächste Sendung wird am 8. Juli ausgestrahlt. Die Texte dieser Sendung erhalten Sie gegen Erstattung des Portos bei: bfg Bayern, Postfach, 90730 Fürth. Sie können das Manuskript auch per Email beziehen. Im Internet sind wir erreichbar unter der Adresse: www.bfg-bayern.de. Dort finden Sie auch die Veranstaltungen der einzelnen
Ortsgemeinschaften. Texte: Monika Hendlmeier, Karl
Bierl, Dietmar Michalke SprecherInnen: Martina Fischer, Karl Bierl
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