Frau von der Leyen, Horoskope und Buchempfehlung

  Sendereihe 'Positionen'

AutorInnen: Monika Hendlmeier,Dietmar Michalke
SprecherInnen:
Dr. Kerstin Pschibl, Karl Bierl

Eine Sendung im Bayerischen Rundfunk, Programm Bayern II, UKW

Sonntag, 11. Juni 2006, 7.05 Uhr

 

 

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

 

wir begrüßen Sie zu dieser Sendung des Bundes für Geistesfreiheit Bayern, kurz bfg. Wenn Sie mehr über den bfg, seine Grundsätze und Aktivitäten wissen wollen, wenden Sie sich bitte an die Anschrift, die wir Ihnen am Ende dieser Sendung mitteilen.

 

 

Ursula von der Leyen – Botschafterin des entfesselten Christentums

 

Es besteht kein Zweifel: Während in Deutschland immer mehr Bürger aus der Kirche austreten, werden unsere Politiker immer christlicher! Als 1998 die erste rot-grüne Regierung antrat, verzichteten noch 8 von 16 Ministern auf den religiösen Zusatz des Amtseides „So wahr mir Gott helfe“. 2002 waren es schon etwas weniger: nämlich 6 von 14. Als 2005 die Große Koalition vereidigt wurde, war die SPD-Ministerin Brigitte Zypris die einzige, die auf die Anrufung des Übernatürlichen verzichtete.

 

Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung ist jedoch die Familien-Ministerin Ursula von der Leyen.  Sie spielt beharrlich die Rolle der Botschafterin des entfesselten Christentums. Im April lud sie, begleitet von zwei selig lächelnden Bischöfen, zur Pressekonferenz ein, um die neue Richtung ihrer Erziehungs- und Familienpolitik bekannt zu geben. Und diese, daran ließ sie keinen Zweifel, ist vor allem christlich. Frau von der Leyen begründete das mit der Behauptung: „Die Artikel des Grundgesetzes fassen die 10 Gebote zusammen“. Wie das? Wie passt die Meinungsfreiheit (Art 5 GG) zu dem 1. Gebot, das Andersgläubige mit beispielloser Gewalt bedroht: „Denn ich, der Herr, dein  Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation.“

 

Was ist überhaupt von einer so inkonsequenten und widersprüchlichen Lehre wie dem Christentum zu halten? Bekanntes Beispiel: Als Moses auf dem Berge Sinai von Gott die 10 Gebote empfing, so war da auch das 6. Gebot „Du sollst nicht töten“ dabei. Aber gleich danach, als Moses sah, dass seine Gefolgsleute das heidnische Goldene Kalb anbeteten, befahl er die Ermordung der Abtrünnigen: „Jeder erlege sein Schwert an. Jeder erschlage seinen Bruder, Freund oder Nächsten“. Und, so berichtet die Bibel lakonisch, es fielen an diesem Tage an die 3000 Mann.

 

Kann eine Religion, die in wichtigsten moralischen Fragen so widersprüchlich und deshalb gefährlich ist, Richtschnur unseres Handelns sein? Für Frau von der Leyen ist das offenbar kein Problem. Sie fordert eine „wertgebundene Erziehung im Humus der beiden Kirchen“ (kath. und prot.). Ohnehin werden schon 73% aller Kindergärten von den Kirchen betrieben. Vor diesem Hintergrund ist ihre Forderung nach einer Kindergartenpflicht mehr als geschmacklos. Sie käme einer Pflicht zur christlichen Erziehung gleich!

 

Wie sehr einen Denken auf zweifelhafter Basis, wie es das Christentum ist, in die Irre führen kann, zeigt schon ihre Familien- und Bevölkerungspolitik. Glaubt man Frau von der Leyen und ihren Anhängern, so

 

·        haben wir in Deutschland zu wenig Kinder

·        werde Deutschland vergreisen

·        sterben die Deutschen gar aus

·        brauchen wir mehr Kinder, damit unsere Renten wieder sicher werden.

 

Richtig ist, dass pro Frau in Deutschland nur noch 1,36 Kinder geboren werden und damit die Bevölkerung abnimmt. Richtig ist auch, wer heute mehrere Kinder groß zieht, der leistet wertvolle gesellschaftliche Arbeit. Aber angesichts von fast 5 Millionen Arbeitslosen ist es ganz einfach falsch, dass mehr Kinder die Renten sicherer machen. Woher sollen denn die Arbeitsplätze kommen? Mit einer staatlich verordneten Gebärwelle würde nur die Zahl der Arbeitslosen in der nächsten Generation wachsen. Zur Rentenmisere käme noch ein verstärktes Arbeitslosenproblem hinzu. Derzeitig ist die demografische Entwicklung der einzige Faktor, der zu einer dauerhaften Entlastung auf dem Arbeitsmarkt führen könnte.

 

Wie falsch Frau von der Leyen liegt, zeigt auch ein Blick auf die Erdbevölkerung. Die erste Milliarde Menschen wurde erst um 1830 herum erreicht. Für die nächste Milliarde brauchte man nur 100 Jahre. Denn der zweimilliardste Erdenbürger wurde um 1930 geboren. Und heute haben wir bereits 6,5 Milliarden Menschen – das ist eine Verdreifachung während eines Menschenlebens! Und vor diesem Hintergrund haben Teile des Christentums wie der Katholizismus, aber auch andere fundamentalistische Religionen nichts besseres zu tun, als Geburtenregelungsprogramme zu Fall zu bringen!

 

Frau von der Leyen, Ihr Christentum gleicht einem dejustierten Navigationssystem, das in die falsche Richtung führt!

 

 

Horoskope

 

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Geburtsmonat eines Menschen und seiner Persönlichkeit? Stimmen die Charakterisierungen der Tierkreiszeichen? Sind Steinböcke ehrgeizig, entschlossen, kühl und melancholisch und Krebse warmherzig, launisch, geheimnisvoll und phantasievoll? In einer großen Studie ist ein dänisch-deutsches Forscherteam diesen Fragen nachgegangen. Dabei wurden Daten von rund 15.000 Personen analysiert. Das Ergebnis: Es lässt sich keinerlei Zusammenhang zwischen Geburtsmonat, Sternzeichen und Persönlichkeit nachweisen. Damit ist die populäre Ansicht widerlegt, dass es für jedes Sternzeichen typische Charakterzüge gibt.

In der Fachzeitschrift "Personality and Individual Differences" berichten Peter Hartmann von der dänischen Universität Aarhus und seine Kollegen über ihre Ergebnisse.

Bereits seit den vierziger Jahren beschäftigen sich Forscher mit der Frage, ob der Zeitpunkt der Geburt Auswirkungen auf die Intelligenz oder Persönlichkeit eines Menschen hat. Bis heute hat sich dabei kein klares Bild ergeben, das etwa die Charakterisierungen durch Sternzeichen rechtfertigen würde.

Allerdings gab es in früheren Forschungsarbeiten Hinweise darauf, dass im Frühjahr und im Sommer Geborene intelligenter sind als Menschen, die im Herbst oder Winter zur Welt gekommen sind. Dafür seien Geburtstagskinder aus den kälteren Monaten extravertierter, impulsiver und seltener neurotisch, ergaben andere Studien. Auch Ausdauer, Egoismus, Vorsicht und Neugier wurden verschiedenen Geburtszeitpunkten zugeschrieben.

Aber sind diese Hinweise auf systematische Unterschiede wirklich abhängig vom Zeitpunkt der Geburt? Zumindest ein Teil der Ergebnisse ist nach Ansicht von Hartmann darauf zurückzuführen, dass bislang nur kleine Probandengruppen untersucht wurden.

Daher wählte die Gruppe aus Aarhus für ihre eigene Studie zwei Datenbanken, in denen Informationen über Charaktereigenschaften von insgesamt mehr als 15.000 Menschen zusammengetragen waren. Es handelte sich dabei um über 4000 Männer mittleren Alters, die am Vietnamkrieg teilgenommen hatten und von denen Geburtstag,  Intelligenzquotient und ein Persönlichkeitsprofil bekannt waren. In der zweiten Datenbank waren Geburtsmonat und Intelligenz von über 11.000 Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren erfasst.

Überraschend eindeutig fiel das Ergebnis selbst für die Forscher aus: Es gab keinerlei statistisch bedeutsamen Zusammenhang zwischen Geburtszeitpunkt und Charakterzügen. Der Einfluss des Geburtsmonats auf die Intelligenz war so minimal, dass er nach Ansicht der Forscher in der Praxis keine Bedeutung hat. Von einem direkten Zusammenhang zwischen der Geburt in einem bestimmten Tierkreiszeichen und der Persönlichkeit könne man also nicht ausgehen, schließen die Wissenschaftler aus ihrer Studie.

Eine Studie des Hamburger Psychologen Kurt Pawlik ergab bereits vor Jahren, dass es durchaus Menschen gibt, bei denen, zumindest ihrer Selbsteinschätzung zufolge, ein Zusammenhang zwischen dem Sternzeichen und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen besteht - bei solchen Menschen nämlich, die an Astrologie glauben.

 

 

Quittung für den Kirchenaustritt: Entlassung und Arbeitslosengeldsperre

 

Dass der Kirchenaustritt eines Menschen, der bei einem kirchlichen Arbeitgeber beschäftigt ist, in der Regel die Entlassung nach sich zieht, dürfte bekannt sein. Doch nicht nur das: Auch das Arbeitslosengeld kann gesperrt werden - mit der Begründung, dass der Betreffende seine Arbeitslosigkeit selbst herbeigeführt habe!

Diese Praxis ist kürzlich vom Landessozialgericht Rheinland-Pfalz im Fall einer Krankenhausangestellten bestätigt worden (das Urteil erfolgte am 30.03.2006). Nach Ansicht des Gerichts muss das Grundrecht auf Religionsfreiheit mit der Funktionsfähigkeit der Arbeitslosenversicherung abgewogen werden.

Das "Recht" kirchlicher Betriebe, keine Nicht-Kirchenmitglieder beschäftigen zu müssen, wiegt offenbar schwerer als beides.

Das Gericht führte ferner an, dass die Klägerin bereits bei Abschluss des Arbeitsvertrages damit rechnen musste, dass sie ihren Arbeitsplatz bei Austritt aus der Kirche verliert.

Demnach müsste man Arbeitslosen, die einen Kirchenaustritt in Erwägung ziehen, den sofortigen Austritt empfehlen, damit sie nicht etwa in die Lage kommen, einen kirchlichen Arbeitsplatz angeboten zu bekommen - mit der Folge, bei einem Austritt nicht nur den Job wieder zu verlieren, sondern auch das Arbeitslosengeld gesperrt zu bekommen.

Fragt sich nur, ob Arbeitslose, die aus der Kirche austreten, nicht vielleicht mit dem Vorwurf konfrontiert werden, damit ihre Vermittlungschancen zu verringern.

In jedem Fall bleibt es ein Skandal, dass man kirchlichen Betrieben gestattet, ihre Beschäftigten solcherart nach Religionszugehörigkeit zu diskriminieren. Und auch mit dem geplanten Antidiskriminierungsgesetz soll sich daran nach dem Willen der Politik nichts ändern - was umso schwerer wiegt, als es in manchen Regionen für Angehörige bestimmter Berufe kaum Alternativen zu kirchlichen Arbeitgebern gibt.

 

 

Neuwahlen beim Bund für Geistesfreiheit

 

Der Bund für Geistesfreiheit, die größte Vereinigung konfessionsfreier Bürger in Bayern, hat auf seiner Landes-Delegierten-Versammlung am 20. Mai 2006 in Gauting bei München einen neuen Landesvorstand gewählt. Nachdem der langjährige Vorsitzende Adi Meister aus Fürth aus Altersgründen nicht mehr kandidierte, wurde dem Physiker Dietmar Michalke aus Augsburg einstimmig die Führung übertragen. Seine Stellvertreter sind Monika Hendlmeier aus Regensburg, Friedrich Patzier aus Schweinfurt und Rainer Lüttich aus Neuburg an der Donau. Adi Meister wurde für seinen Einsatz und seine Arbeit zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Programmatisch setzt sich der bfg für die tatsächliche Umsetzung der im Grundgesetz verankerten Trennung von Staat und Kirche ein. Zum Papstbesuch vom 10. – 16. September in München plant der bfg München eine „Papstbegrüßung“ unter dem Motto „Papst gesehng? –religionsfreie Zone München 2006“ mit verschiedenen Aktionen, die noch in den Medien angekündigt werden.

 

 

Buchempfehlung:

 

„Kritische Geschichte der Religionen und freien Weltanschauungen. Eine Einführung“     lautet der Titel eines Buches von Helmut Steuerwald, das im Angelika Lenz Verlag erschienen ist.

Damit gibt es endlich ein Buch, das die Religionsgeschichte aus nichtchristlicher Sicht betrachtet. Fast alle Darstellungen zur Geschichte der Religionen sind bisher von Kirchenleuten herausgegeben worden und vertreten christliche Standpunkte. Ein kleiner und allgemein verständlicher Beitrag zu diesem wichtigen Bereich der Kulturgeschichte möchte dieses Buch sein, das religiöse, aber auch kulturpolitische Zusammenhänge aufzeigt.

Untersucht werden die großen, aber auch die kleineren Religionsgemeinschaften, Sondergemeinschaften und Sekten und die religiöse Situation der Gegenwart. Das Christentum wird dabei besonders kritisch behandelt, weil es weltweit die meisten Anhänger hat. Darüber hinaus behandelt das Werk die Entwicklung des freien Denkens und der freien Weltanschauungen. Ein Buch für Menschen, die in ihren Anschauungen frei sind, aber auch für kritische Gläubige.

 

 

Unsere nächste Sendung wird am 23. Juli ausgestrahlt. Die Texte dieser Sendung können Sie gegen Erstattung des Portos erhalten bei: bfg Bayern, Postfach, 90730 Fürth. Im Internet sind wir erreichbar unter der Adresse: www.bfg-bayern.de. Dort finden Sie auch die Veranstaltungen unserer einzelnen Ortsgemeinschaften.