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Regensburg, 26.12.05 Pressemitteilung zum besinnlichen
Jahreswechsel 2006
Letztes Jahr ist die Zahl der Katholiken allein in
Regensburg an der gesamten Bevölkerung von ca. 150 000 um 0,8% also 1200
Menschen gesunken und der Anteil der Kirchenfreien auf 22% also 33 000
gestiegen! Anstelle der 10 Gebote bitte ich Sie deshalb einmal über
die folgenden 10 Angebote, nach dem Manifest des evolutionären Humanismus
von Michael Schmidt-Salomon als ethische Richtlinien für das 21. Jahrhundert,
nach zu denken. 1. Diene weder
fremden noch heimischen Götter, sondern dem großen Ideal der Ethik, das
Leid in der Welt zu mindern! Diejenigen, die behaupteten, besonders nah ihrem
„Gott“ zu sein, waren meist jene, die dem Wohl und Wehe der realen
Menschen besonders fern standen. 2. Verhalte
dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten! Du wirst nicht alle Mensch lieben können, aber du
solltest respektieren, dass jeder Mensch – auch der von dir ungeliebte!
– das Recht hat, seine individuellen Vorstellungen von „gutem Leben
(und Sterben) im Diesseits“ zu verwirklichen, sofern er dadurch nicht
gegen die gleichberechtigten Interessen Anderer verstößt. 3. Habe keine
Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu
bedienen! Bedenke, dass die Stärke eines Arguments völlig
unabhängig davon ist, wer es äußert. Entscheidend für den
Wahrheitsgehalt einer Aussage ist allein, ob sie logisch widerspruchsfrei
ist und unseren realen Erfahrungen in der Welt entspricht. 4. Du sollst
nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im
Notfall keine anderen Möglichkeiten die Ideale der Humanität
durchzusetzen! Wer in der Nazidiktatur nicht log, sondern der Gestapo
treuherzig den Aufenthaltsort jüdischer Familien verriet, verhielt sich
im höchsten Maße unethisch – im Gegensatz zu jenen, die Hitler durch
Attentate beseitigen wollten, um Millionen von Menschenleben zu retten. 5. Befreie
dich von der Unart des Moralisierens! Es gibt in der Welt nicht „das Gute“ und „das Böse“
sondern bloß Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Bedürfnissen und
Lernerfahrungen. Trage dazu bei, dass die katastrophalen Bedingungen
aufgehoben werden, unter denen Menschen heute verkümmern, und du wirst
erstaunt sein, von welch freundlicher, kreativer und liebenswerter Seite
sich der Mensch zeigen kann. 6. Immunisiere
dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein Geschenk, das du nicht
abweisen solltest. Durch solche Kritik hast du nicht mehr zu verlieren als
deine Irrtümer, von denen du dich besser heute als morgen verabschiedest.
Habe Mitleid mit jenen Kritikunfähigen, die sich aus tiefer Angst heraus
als „unfehlbar“ und ihre Dogmen als „heilig“ (unantastbar)
darstellen müssen. 7. Sei dir
deiner Sache nicht allzu sicher! Was uns heute als richtig erscheint, kann schon morgen
überholt sein. Zweifle aber auch am Zweifel! Selbst wenn unser Wissen
stets begrenzt und vorläufig ist, solltest du entschieden für das
eintreten, von dem du überzeugt bist. Sei dabei aber jederzeit offen für
bessere Argumente, denn nur so wird es dir gelingen, den schmalen Grat
jenseits von Dogmatismus und Beliebigkeit zu meistern. 8. Überwinde
die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich nach allen
Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst! Du verfügst als Mensch über ein außerordentlich
lernfähiges Gehirn, lass es nicht verkümmern! Achte darauf, dass du in
Fragen der Ethik und der Weltanschauung die gleichen rationalen Prinzipien
anwendest, die du beherrschen musst, um ein Handy oder einen Computer
bedienen zu können. 9. Genieße
dein Leben, denn dir ist nur dieses eine gegeben! Sei dir deiner und unser aller Endlichkeit bewusst,
verdränge sie nicht, sondern „nutze den Tag“! Gerade die Endlichkeit
des individuellen Lebens macht es so ungeheuer kostbar! Lass dir von
niemandem einreden, es sei eine Schande, glücklich zu sein. Im Gegenteil:
Indem du die Freiheiten genießt, die du heute besitzt, ehrst du jene, die
in der Vergangenheit im Kampf für diese Freiheiten ihr Leben gelassen
haben! 10. Stelle dein
Leben in den Dienst einer „größeren Sache“, werde Teil der Tradition
derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren Ort machen woll(t)en! Eine solche Haltung ist nicht nur ethisch vernünftig,
sondern auch das beste Rezept für eine sinnerfüllte Existenz. Es scheint
so, dass Altruisten die cleveren Egoisten sind, da die größte Erfüllung
unseres Eigennutzes in seiner Ausdehnung auf Andere liegt. Wenn du dich
selber als Kraft im „Wärmestrom der menschlichen Geschichte“ verorten
kannst, wird dich das vielleicht glücklicher machen, als es jeder
erdenkliche Besitz könnte. Du wirst intuitiv spüren, dass du nicht
umsonst lebst und auch nicht umsonst gelebt haben wirst! 1.Vorsitzender vom bfg Regensburg tel 09403
3551 fax 09403 4251 |