Humanistischer Verband Deutschlands

HVD - Nürnberg K.d.ö.R.

Karl-Bröger-Str. 13

90459 Nürnberg

Tel. 0911 / 431 04 - 0   Fax 0911 / 431 04 - 15

 

 

Textfeld: +++ Pressemitteilung +++ Pressemitteilung +++ Pressemitteilung +++ Pressemitteilung +++ *dldl+*+++ Pressemitteilung ++Pressemitteilung vom 12.06.05 (3 Seiten) – per Fax/per email

 

Freistaat Bayern verhindert

innovatives reformpädagogisches Schulvorhaben.

Spielen religiöse Gründe eine Rolle?

 

Einladung zur Pressekonferenz

 

bezüglich der Klage des

Humanistischen Verbandes Deutschlands- Nürnberg

gegen den Freistaat Bayern

zur Genehmigung seiner geplanten

Humanistischen Grundschule in Fürth

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

trotz PISA: wer es besser machen will, wird in Bayern von der Regierung nach Kräften behindert. Wir möchten Sie hiermit herzlich einladen zu einer Pressekonferenz

 

am Donnerstag, den 16. Juni 2005, um 11.30 Uhr

im Humanistischen Kindergarten Fürth-Südpark (Mehrzwecksaal)

Dr.-Meyer-Spreckels-Str. 5, 90763 Fürth

 

Von unserer Seite werden Ihnen zur Verfügung stehen:

 

RA Prof. Dr. Arnold Köpcke-Duttler (Prozessanwalt HVD)

RA Gerd Pieper-Sieben (Prozessanwalt HVD)

Dipl.-Sozialpäd. Ulrike von Chossy (Projektleiterin HVD)

Dipl.-Pol. Michael Bauer, M.A. (Geschäftsführer HVD)

 

Herr Prof. Köpcke-Duttler ist Anwalt und Professor für Pädagogik an der Universität Würzburg. Er vertrat unlängst bereits erfolgreich den Münchener Aton-Schulverein bei dessen zunächst auch von der Regierung von Oberbayern abgelehnten Schulgenehmigungsantrag.

 

Für eine kurze Rückmeldung wären wir zur besseren Planung dankbar. Ihr Ansprechpartner: GF Michael Bauer, Tel. 0911 / 431 04 – 0, Mobil 0179 / 52 70 165.

 

Es folgen zwei Seiten mit Hintergrundinformationen.

 

Hintergrund

 

Der Humanistische Verband ist eine Vereinigung nicht-religiöser Menschen mit derzeit rund 1.800 Mitgliedern. Er wurde bereits 1848 gegründet und steht in der Tradition der Aufklärung, des Liberalismus und der Arbeiterbewegung. Im Großraum Nürnberg-Fürth betreibt er drei  öffentliche Kindertagesstätten. Er engagiert sich in der Jugend- und Seniorenarbeit, richtet jährlich eine Jugendfeier aus und organisiert verschiedene Veranstaltungen zu politischen und kulturellen Themen. Er ist Alleingesellschafter der gemeinnützigen Turm-der-Sinne-Erlebnisausstellungen GmbH, die in einem Nürnberger Stadtmauerturm eine viel beachtete Dauerausstellung zu wahrnehmungs- und sinnesphysiologischen Themen unterhält (2004 über 30.000 Besucher).

 

Im Frühjahr 2004 beantragte der Humanistische Verband die Genehmigung einer Ersatzschule (Grundschule) in Fürth. Dieser Antrag wurde Ende Dezember 2004 abgelehnt. Die daraufhin angestrengte Klage gegen den Freistaat Bayern wurde inzwischen umfangreich begründet, und ein mündlicher Verhandlungstermin ist demnächst zu erwarten. Wir möchten Sie auf der Pressekonferenz über das Schulprojekt sowie die Hintergründe des Verfahrens und die weiteren Pläne des HVD-Nürnberg in dieser Sache informieren.

 

Der Schule liegt ein modernes reformpädagogisches Konzept zugrunde, das verschiedene etablierte Ansätze nach dem Modell der „best practice“ zusammenführt. Seine Besonderheiten sind unter anderem die Mitarbeit einer Sozialpädagogin als weitere Lehrkraft in jeder Gruppe, Gruppengrößen von maximal 25 Kindern in jahrgangsgemischten Gruppen, Fremdsprachenunterricht ab dem 5. Lebensjahr, die Beurteilung der Schüler nicht mit Noten, sondern in Form eines Portfolios, Einbezug der Eltern in verschiedene Unterrichtsthemen, Vernetzung mit dem Gemeinwesen, demokratische Beteiligung der Schüler am Schulleben und anderes mehr.

 

Ein weiteres Charakteristikum ist der „umweltpädagogische Tag“, ein fester Tag in der Woche, an dem der Unterricht gemeinsam mit qualifizierten Umweltpädagoginnen im Freien stattfindet. Im Zuge dessen ist auch die feste Übernahme einer Umweltpatenschaft über ein Naturmonument durch die Schüler im Stadtgebiet Fürth vorbereitet (eine Sanddüne).

 

Ferner soll an der geplanten Schule das neue Schulfach Humanistische Lebenskunde als Wahlpflichtfach für nicht-religiöse Kinder (z.B. Mitglieder des HVD-Nürnberg) in Ergänzung zu katholischem und evangelischem Religionsunterricht gegeben werden. Das Schulfach Humanistische Lebenskunde wird vom HVD-Berlin bereits seit Jahrzehnten angeboten und erreicht dort rund 50.000 Schüler.

 

Die Regierung teilte daraufhin die erstaunliche Ansicht mit, so würde bereits an den staatlichen Grundschulen gearbeitet und unser 80seitiges Schulkonzept sei zu wenig ausgearbeitet. HVD und Regierung begaben sich daraufhin in einen Verhandlungsprozess, der von der Regierung entgegen anderer Ankündigungen durch die  überraschende Ablehnung des Antrags abrupt beendet wurde. Der HVD-Nürnberg reichte daraufhin umgehend Klage ein. Als „Verwaltungsvereinfachung“ der bayerischen Staatsregierung wurde im Regierungsbezirk Mittelfranken das Widerspruchsverfahren abgeschafft, so dass gegen staatliche Willkür nur der sofortige Weg zum Verwaltungsgericht offen steht.

 

Bei der unlängst erfolgten Akteneinsicht zeigte sich, dass wahrscheinlich ganz andere als pädagogische Gründe bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Vielmehr wurde die Eignung des HVD als Schulträger aus religiösen Gründen heraus bezweifelt. Diese, intern umfangreich vorgetragenen Überlegungen der Regierung von Mittelfranken wurden uns gegenüber freilich nie thematisiert, sondern verborgen gehalten. Als weltlich-humanistische Vereinigung nicht-religiöser Menschen sei unsere Eignung als Schulträger in Bayern sehr zu bezweifeln, heißt es dort. Auch wurde unterstellt, dass der HVD-Nürnberg nicht in der Lage sei, Religionsunterricht an seiner Schule anzubieten, obwohl der HVD dies ausdrücklich erklärt hat. Weiterhin wurde ohne jede Grundlage unterstellt, der HVD betreibe mit seinem Antrag in Wirklichkeit die Gründung einer so genannten „Weltanschauungsschule“ (in Analogie zu den christlichen Bekenntnisschulen). Grundsätzlich wurde der Artikel 131 der Bayerischen Verfassung gegen den HVD-Nürnberg geltend gemacht, nach dem das „oberste Erziehungsziel“ an bayerischen Schulen die „Ehrfurcht vor Gott“ zu sein habe. Nachdem der HVD-Nürnberg als Verband dieses Ziel nicht teilt, komme er schon aus grundsätzlichen Erwägungen heraus nicht als Schulträger in Frage. Diese Haltung der Regierung von Mittelfranken verstößt klar gegen das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Sie ist skandalös und  wird vom HVD-Nürnberg nicht hingenommen werden.

 

Als Gutachter wurden vom HVD-Nürnberg beauftragt:

Prof. Dr. Michael Göhlich, Ordinarius für Pädagogik an der FAU Erlangen-Nürnberg

Prof. Dr. Ralf Kuckhermann, Dekan des Fachbereichs Sozialwesen an der Georg-Simon-Ohm-FH Nürnberg

Prof. Dr. Ludwig Renck, Richter am bayerischen Verwaltungsgerichtshof a.D., Honorarprofessor an der Universität Augsburg, Staatskirchenrechtler

 

Weitere Informationen sind auf folgenden Internetseiten abrufbar:

www.humanistische-schule.de    www.hvd-nuernberg.de

www.turmdersinne.de  HVD-Bundesverband:  www.humanismus.de