Pressemitteilung der Philosophie der Uni Passau vom 24.05.2007

 

 

Passau: Die Zukunft der Philosophie ist – die Theologie!

 

Zukünftige Ethiklehrer werden von Priestern ausgebildet

 

Wo fährt der Zug ins Mittelalter ab? In Passau! Aber nicht am Hauptbahnhof, sondern an der Passauer Universität. Dort wurden von der Universitätsleitung jetzt die Pläne für die Zukunft des Lehrangebots in den Fachbereichen Philosophie/Ethik/Angewandte Ethik festgezurrt: Die Zukunft der Philosophie/Ethik in Passau ist – die Theologie.

Sobald der derzeitige Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie der Philosophischen Fakultät Anfang 2009 emeritiert wird, soll die gesamte Lehre der Philosophie/Ethik von ehemaligen Angehörigen der katholisch-theologischen Fakultät übernommen werden, in den komplexen Themenfeldern der Angewandten Ethik sogar vom Moraltheologen, einem geweihten Priester. Diese Professoren sind nach der Schließung der katholisch-theologischen Fakultät „verbleibende Lehrkräfte“, die nun irgendwie in den Lehrbetrieb der Universität eingebunden werden müssen.

Es entsteht freilich eine Situation, die grotesker kaum sein könnte:

 

An den bayerischen Schulen dürfen – aus gutem Grunde – Religionslehrer keine Ethik unterrichten, aber an der Uni Passau sollen die zukünftigen Ethiklehrerinnen und -lehrer ausschließlich von Theologen und Priestern ausgebildet werden.

 

Verfassungsrechtliche Bedenken lässt die Passauer Uni-Leitung ebenso wenig gelten wie Proteste der betroffenen. Die Studierenden fordern, dass sie in den erziehungswissenschaftlichen und Lehramts-Studiengängen einen Anspruch darauf haben, zumindest auch bei „neutralen“ Dozenten studieren zu können. Das ist für Rektor Walter Schweitzer jedoch kein Problem, denn Theologen sind als Wissenschaftler schließlich ebenfalls zur Neutralität verpflichtet!

 

„Der Moraltheologe lehrt „neutral“ Nietzsches Destruktion der jüdisch-christlichen Moral und Sartres atheistischen Existenzialismus, vermittelt völlig unbeeinflusst durch die katholische Lehrmeinung die zentralen Argumente pro Abtreibung, pro Embryonenforschung, pro Sterbehilfe. Und selbstverständlich betreut er auch völlig „neutral“ Bachelor-, Magisterarbeiten und Doktorarbeiten, die in ethischen und moralphilosophischen Fragen kirchenkritische Positionen vertreten“ erklärt Prof. Dr. Thomas Mohrs die widersprüchliche Situation.

Auch was die „Neutralität“ der sonstigen „verbleibenden Lehrkräfte“ betrifft, ist völlig unbedenklich, dass sie ausnahmslos dem „nihil obstat“ unterliegen, dass sie also nicht lehren dürfen, was der katholischen Lehrmeinung entspricht – die Wege des Herrn sind bisweilen in der Tat unergründlich. Und die Wege der katholischen Kirche, verloren gegangenes Terrain in zentralen „Schlachtfeldern“ der Bildung zurückzuerobern, bisweilen unglaublich.

 

Für Rückfragen wenden Sie sich an Prof. Dr. Thomas Mohrs

 

Tel.:                 +49 (0851) 5092623

Mobil:             +49 (0174) 9085040

Email:             Thomas.Mohrs@Uni-Passau.de