Offener Brief des Bundes für Geistesfreiheit München an Verteidigungsminister Jung:

Missachtung der Meinungsfreiheit bei der Bundeswehr


München, den 20.7.2007
Der Bund für Geistesfreiheit München hat einen Offenen Brief an den Bundesminister für Verteidigung Dr. Franz Josef Jung geschrieben. Anlass ist die Entfernung des Chefredakteur der Bundeswehr-Zeitung „Bundeswehr aktuell“ aus dessen Amt, weil er einen verhalten kritischen Kommentar über den Papst geschrieben hat.  Der Vorfall ist nachzulesen unter http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/600/123428/

Mit der Bitte um Kenntnisnahme an:
Herm Bundespräsident Dr. Horst Köhler, Schloss Bellevue.
Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel., Bundeskanzleramt.
Die Fünf Fraktionen des Deutschen Bundesmges, Reichstagsgebäude.
Für die Medien: Süddeutsche Zeitung, FAZ, TAZ, Die Welt, Der Spiegel, Fokus, Stern,
ARD, ZDF.
 
 

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Jung,

  aus der Süddeutschen Zeitung haben wir erfahren, dass der Chefredakteur der Zeitung "Bundeswehr aktue1l", Oberstleutt1ant Uwe Kort, von Herrn Thomas Raabe, Chef Ihres Pressestabes, und seiner direkten Chefin aus dem Amt gemobbt wurde (SZ vom 14./15. 07 2007, Seite 7, Politik, "Des Oberstleutnants Wort zum Montag" von Peter Blechschmidt). Grund soll ein Beschwerde-Brief des Militär-Bischofs Mixa gewesen sein, in dem dieser sich über einen Geburtstagsgruß anlässlich des 80. Geburtstag von Papst Benedikt XVI vom Chefredakteur, Oberstleutnant Kort, beschwert. Der Artikel liegt uns im Original vor, ebenso wie die Entschuldigung, zu der Herr Kort vorher noch genötigt wurde.

 Als überzeugte Demokraten sind wir über diesen Vorgang zutiefst schockiert. Seit wann hat ein Katholischer Bischof in der säkularen Bundeswehr, einer Parlaments-Armee, das Sagen? Der Artikel von Oberst Kort war freundlich und in keiner Weise bösartig. Allein die Tatsache, dass die BW auf Kosten der Steuerzahler Pfarrer und Bischöfe beschäftigt zeigt, dass viele Soldaten Probleme mit den Konflikten des täglichen Lebens und ihres Glaubens haben. Und der Papst ist schließlich der Schlüssel zur Lösung dieser Probleme. Andererseits ist gerade der Papst nicht zimperlich mit der Beleidigung Andersdenkender und Andersglaubender. Nicht einmal auf unsere Bundeskanzlerin nimmt er Rücksicht. War denn Frau Merkels Vater als evangelischer Pfarrer nur ein Scharlatan? So sät der Papst ohne Not Unfrieden und Hass zwischen den Menschen auch in unserem Land.

 In der Bundeswehr dienen Soldaten verschiedener Konfessionen gemeinsam. Davon sind etwa ein Drittel Katholiken und von denen wiederum ein erheblicher Teil papstkritisch..

 Überhaupt sind wir erstaunt, dass Bischof Mixa immer noch Seelsorger in einer staatlichen Organisation wie der Bundeswehr ist. Schließlich hat dieser Mann seine Stellung als Militärbischof zu einer kriminellen Handlung wie dem Schmuggel großer Summen Schwarzgeldes benutzt. Darüber hinaus diskriminiert er Frauen - auch Ihre Soldatinnen als Gebärmaschinen und wettert gegen Kinderkrippen. Den Kindern seiner Katholischen Pfarrer gönnt er dagegen nicht einmal eine normale Familie, geschweige denn einen liebevollen Papa.

 Die Papst-Kirche erkennt unsere Werte wie Menschenrechte und Gewaltenteilung bis heute nicht an! Sie diskriminiert Ehe und Familie durch den Zölibatszwang. Das heißt, sie stellt sich außerhalb unseres gemeinsamen westlichen-demokratischen Wertecanons.

 Für den Bund für Geistesfreiheit ist es deshalb unbegreiflich, dass Herr Raabe vor dem Brief eines Bischofs so schnell und gründlich einknickt. Offenbar hat er Probleme mit der im Deutschen Grundgesetz garantierten Meinungsfreiheit und unserer pluralistischen Gesellschaft. Die Grußworte des Herrn Kort dürften immerhin die Meinung der weitaus größten Mehrheit der Bundesbürger widerspiegeln.

 Als Demokraten kommen uns deshalb Zweifel, ob Herr Raabe und die ehem. Vorgesetzte des Herrn Kort für ihre jetzige hohe Stellung geeignet sind. In Anbetracht des Kruzifix-Urteils für Schulen steht das Emblem der BW, das Kreuz des Deutschen Ritterordens aus den Kreuzzügen, ohnehin in der Diskussion. Sie sollte deshalb in religiösen Dingen neutral und äußerst zurückhaltend sein.

 Vor dem Hintergrund der geschilderten Ereignisse wäre es auch wichtig, dass der Nachfolger des Herrn Oberst Kort nicht der Katholischen Kirche des Herrn Mixa angehört.

 Die Bundeswehr sollte sich nach diesem Vorfall dringend von dem selbst bei Katholiken umstrittenen Bischof Mixa trennen. Gerade nach dem vom Papst erneut angeheizten Konfessionsstreit wäre es für den inneren Frieden der BW sicher gut, einen nicht so stark polarisierenden Hardliner als kathol. Militär-Bischof zu haben.

 Deshalb möchten wir Sie, Herr Minister Dr. Jung, bitten, den geschilderten Vorgang sehr genau und kritisch zu prüfen und das Opfer des kirchlichen Mobbings zu rehabilitieren. Die Vorgesetzten, die sich des Mobbings an ihrem Untergebenen schuldig gemacht haben, aber müssen bestraft werden.

 
Mit freundlichem Gruß
Bund für Geistesfreiheit München
Für den Vorstand 

Dr. H. Klussmann