Presseerklärung zu einer "Osterbotschaft" des CSU-Generalsekretärs Söder

Bund für Geistesfreiheit verurteilt Christianisierungskampagne der CSU

Regierungspartei wünscht offenbar das Christentum als Staatsreligion

 

Die Osterbotschaft des CSU-Generalsekretärs, die Abkehr von religiösen Wertvorstellungen in Bayern zu stoppen, christliche Wertvorstellungen in den Schulen verbindlich vorzuschreiben und nationalistische Rituale zu fördern, ist nach Auffassung des Bundes für Geistesfreiheit ein Anschlag auf die Religionsfreiheit und auf die im Grundgesetz und auch der Bayerischen Verfassung verankerte weltanschauliche Neutralität des Staates.

Hintergrund ist offenbar eine 2003 veröffentlichte Studie (vgl. Materialdienst der EZW, Juni 2003), wonach sich in Deutschland nur noch 39 % der Bevölkerung als religiös einstuft. In Bayern liegt dieser Anteil mit 53 % zwar noch knapp über der Hälfte, aber weit unter früheren Werten. Auch unter Kirchenmitgliedern lässt die Konfessionsbindung nach: Obwohl seit 1990 über eine halbe Million Bayern aus der Kirche ausgetreten sind (nach Abzug der Eintritte), ist die sonntägliche Kirchgangsquote auch unter den verbliebenen Katholiken dramatisch von 26,1 auf 17,9 % gesunken, bei Protestanten (trotz Umstellung auf günstigere Zählsonntage) von rund 8 auf 6 %.

Inzwischen sind noch 58 % der Bayern nominell katholisch und 22% evangelisch, aber schon 18 % konfessionslos (christl. Minderheiten: knapp 1 %, bekennende Muslime gleichfalls nur gut 1 %).

Diesen auf freier Entscheidung der Menschen beruhenden Trend haben die politischen Parteien nach Auffassung des Bundes für Geistesfreiheit zu respektieren. Die Aussagen des CSU-Generalsekretärs laufen hingegen auf den Versuch hinaus, das Christentum in Bayern als Staatsreligion wieder einzuführen. Zwar ist "nur" von der "christlichen Werteordnung" die Rede, aber auch diese darf nicht als verbindlich festgeschrieben werden, da konfessionelle Morallehre - nach übereinstimmender Auffassung aller Religionspädagogen - stets die Folgerung aus der jeweiligen konfessionellen Glaubenslehre darstellt. Daher kann eine für alle geltende Werteordnung nur eine säkulare sein, die nicht einen bestimmten Glauben voraussetzt.

"Jetzt wird offenbar, welch fürchterlichen Fehler die Konfessionsfreien und Nichtreligiösen gemacht haben, als sie bei der letzten Landtagswahl erstmals mehrheitlich die Union gewählt haben", meint der bfg. "Wenn auch SPD, Grüne und andere Parteien oft unbefriedigende Lösungen anbieten - die C-Parteien sind für Nichtreligiöse allemal der Tod der Religionsfreiheit."

Augsburg, den 14.4.2004

Gerhard Rampp