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ROSA LÜSTE,
Postfach 5406, 65044 Wiesbaden
26.12.2006
Unser
Aufruf richtet sich an alle Menschen, die für die Trennung zwischen Staat
und Kirche/Religion eintreten,
und für
die Trennung zwischen wissenschaftlicher Forschung und religiöser
Verkündung.
Schutz der "religiösen"
Gefühle von Atheisten!
Es ist unerträglich. Die auf
religiöse Neutralität verpflichteten öffentlich rechtlichen Rundfunk-
und Fernsehanstalten und andere Medien machen ständig Reklame für die
religiöse Sichtweise irgendwelcher Religionsführer, die sich ihrerseits
gegenseitig bekämpfen und über jedes offene Wort sofort in ihren
religiösen Gefühlen beleidigt fühlen. Wo bleiben die Rechte der
Menschen, die Ihr Recht wahrnehmen, keinen Religionsverkündern zu folgen?
Religionsführer werden als Sprachrohre der Menschen ausgegeben, es wird
in den Medien behauptet, dass "Werte" fehlen. Wem fehlen denn
welche Werte?
Religionsführer drängen mit ihren Interessen in die politischen
Entscheidungen, sie versuchen die Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen,
und Politiker lassen sich gerne zugunsten ihrer eigenen Karrieren
religiös unterstützen, und sie unterstützen dabei natürlich auch die
entsprechenden Religions-Organisationen und deren Interessen.
Es gibt die angeblich verletzten Gefühle von irgendwelchen
Religionsangehörigen, wenn mal wieder jemand von seiner Meinungsfreiheit
Gebrauch machte, und die Medien beeilen sich dann geflissentlich, eher die
Meinungsfreiheit einzuschränken, als solche Anmaßungen zurückzuweisen.
Die Trennung zwischen Kirche und Staat sowie zwischen Wissenschaft
und Religion ist eine historische Errungenschaft der Menschheit
durch die französische Revolution, die bekanntlich den Adel gestürzt
hat. Der Adel nutzte und nutzt überall auf der Welt als
Herrschaftsideologie die jeweilige vorherrschende Religion, und der adlige
Herrscher wurde immer "von Gott eingesetzt".
Nicht irgendeine Religionsorganisation hat die Menschen von
unterschiedlichem Stand vor dem Recht gleichgestellt, hat rechtlich die
Frau dem Mann gleichgestellt und hat das Selbstbestimmungsrecht des
Menschen über seinen eigenen Körper erstritten, so dass zum Beispiel
ein unbehelligtes homosexuelles Leben möglich wurde, sondern solche
emanzipatorischen Errungenschaften konnten dann teilweise oder ganz
erstritten werden, wenn Religionsorganisationen und Staats-
bzw. Regierungsorganisationen voneinander getrennt
waren.
Immer beklagen sich Religionsführer, dass die Religionsausübung
unterdrückt werde, wenn ihnen verwehrt wird, auf die Gesetzgebung des
Staates Einfluss zu nehmen.
Es ist das Recht jedes Menschen an irgend ein höherwertiges Überwesen zu
glauben, wenn er eben daran glaubt, es ist aber nicht sein Recht, andere
Menschen unterdrücken zu wollen, wenn diese an so etwas nicht glauben.
Und so ist es das Recht eines jeden einzelnen Menschen, sein eigenes Leben
so zu gestalten, wie er es im Sinne seiner Religionsführer freiwillig
tut, denen er glaubt, aber kein Mensch hat das Recht, eine andere
Entscheidung eines Menschen zu diesen Fragen zu bekämpfen oder gar diesen
Menschen zu bekämpfen.
Religiös verhetzte Menschengruppen, die mit ihrem primitiven gut-böse-Glauben
bzw. wir-und-die-anderen-Glauben enthemmt werden und Grausamkeiten
gegen andere Menschen begehen können, sind ebenso gefährlich wie
nationalistisch verhetzte Menschengruppen, die mit ihrem primitiven oben-unten-Glauben
bzw. wir-und-die-anderen-Glauben enthemmt Grausamkeiten gegen
Menschen begehen können. Sie stellen beide ein große Gefahr für uns
dar.
Es ist eine Lüge, dass das demokratische Akzeptieren von Menschen anderer
Art, dass Frieden und Menschlichkeit Errungenschaften der Religionen
seien. Sie sind eine Errungenschaft des Humanismus und der Aufklärung.
Einer der größten Humanisten beschreibt die Funktion von Religionen, und
hierin geben wir ihm Recht:
"Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen
Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die
Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt der herzlosen
Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des
Volks. Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes
ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusion
über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand
aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im
Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion
ist."
Karl
Marx, Frühschriften
Die biologische Forschung über die Entwicklung der Arten bekommt auch in
Deutschland die religiöse Auffassung der Kreationisten, die
Schöpfungsgeschichte also, in der Lehre als Alternative zur Seite
gestellt. In der technischen Hochschule Chemnitz werden die
Umpolungsversuche an Homosexuellen in Missionsierungsveranstaltungen des
deutschen Ablegers einer amerikanischen Missionierungsgesellschaft mit
Räumen und Sachmitteln unterstützt. Das führt dazu, dass das ohnehin
schwierige Coming-out unter tragischen Umständen um Jahre verzögert
werden kann.
Es wird höchste Zeit, dass sich
die Anhänger der Aufklärung und des Humanismus zur Wehr setzen!
Der Aufruf ist unter folgender Adresse zu finden:
http://www.rosalueste.de/aufruf1.html
Wir bitten Dich/Euch diesen Aufruf zu
lesen, gegebenenfalls zu unterzeichnen und überall bekannt zu machen, wo
es möglich und sinnvoll ist. Wir hoffen auf Deine/Eure Unterstützung.
Joachim Schönert
(Sprecher der Gruppe ROSA LÜSTE und Herausgeber der Zeitschrift LUST)
LUST-Konto
Nr. 366408-608, Joachim Schönert, Postbank Frankfurt, BLZ 50010060
Homepage: http://www.rosalueste.de, E-Mail: gruppe@rosalueste.de
und rosalueste@t-online.de
ROSA
LÜSTE,
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