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Die Wahl Josef Ratzinger zum neuen Papst

von Gerhard Rampp, 21.4.2005

Der Bund für Geistesfreiheit sieht in der Wahl von Josef Ratzinger zum neuen Papst ein Scheitern all jener Kräfte in der katholischen Kirche, die sich eine Reform erhofft hatten. Die im II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) propagierte Öffnung zur "Welt", verbunden mit innerkirchlicher Offenheit und Pluralität, war bekanntlich schon unter Paul VI. und Johannes Paul II. schrittweise zurückgenommen worden. Nun ist sie am Ende.

Der konservative Kurs unter seinem Vorgänger wird vom jetzigen Papst noch verschärft werden, weil dieser den theologischen Wahrheitsanspruch der "Una  Sancta" schon in der Vergangenheit viel konsequenter vertreten hatte. Dies hatte auch seine Absage an Liberalität und Vielfalt - von ihm abwertend "Relativismus" genannt - deutlich gezeigt.

Dennoch hat diese Wahl sowohl für Gläubige wie für fernstehende Katholiken und auch für Nichtglaubende auch positive Aspekte. Eines kann man Herrn Ratzinger nämlich nicht nachsagen: Lauheit, Verschwommenheit, Profillosigkeit. Gläubige Katholiken wissen nun klar, wo es lang geht. Kirchenkritischen, liberalen Christen wird nun klar, dass sie ihre Heimat wohl bei den Lutheranern oder Altkatholiken werden suchen müssen, sofern sie überhaupt eine Amtskirche brauchen. Und die Millionen von religiös weniger interessierten "Taufscheinkatholiken" werden nun nach und nach begreifen, dass das Eintreten für die Werte der Demokratie und die offene Gesellschaft mit dem Verbleib in dieser Kirche so wenig zusammengehen wie Feuer und Wasser.

Daher rechnet der Bund für Geistesfreiheit in den nächsten Jahren mit Millionen von Kirchenaustritten in Deutschland und auch in anderen demokratischen Staaten, während die Zugkraft der Kirche in autoritär geführten Ländern wohl eher zunehmen dürfte.