Familienministerin außer Rand und Band

"Säkulare Humanisten" kritisieren Ursula von der Leyens Bevorzugung christlicher Kirchen

   Während ihrer letzten Versammlung befasste sich der Gesprächskreis der "Säkularen Humanisten" unter anderem mit den Initiativen der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, die ausschließlich die christlichen Kirchen in ihre Gespräche über Anstöße zu einer neuen Erziehungskampagne mit einbezog.

  Der neue Vorsitzende des "Bundes für Geistesfreiheit" (bfg) in Bayern, Dietmar Michalke (Augsburg), bezeichnete Frau von der Leyen als "Botschafterin des entfesselten Christentums". Es ergebe sich inzwischen die paradoxe Situation, dass immer mehr Politiker sich immer christlicher gäben, während immer mehr Menschen konfessionslos werden. So sei die Gruppe der Konfessionslosen mit 32,1% der Deutschen inzwischen die stärkste vor den Katholiken  und den Evangelischen - freilich sei sie nicht so straff organisiert wie letztere und habe da- her in der Öffentlichkeit nicht dieses Gewicht. Wenn Frau von der Leyen das Christentum als  "Fundament unseres Grundgesetzes" bezeichne, verschweige sie - wie die Geschäftsführerin der "Grünen" Steffi Lemke schon sagte - die  Einflüsse anderer Religionen, humanistischer, atheistischer und sozialistischer Weltanschauungen, so Michalke. Außerdem widersprächen etliche christliche Lehren dem Grundgesetz.

Michalke berichtete auch von der bfg-Landesversammlung vom 20. Mai, auf der er zum neu- en Landesvorsitzenden gewählt wurde. Er lös- te nach zehn Jahren Adi Meister aus Fürth ab, der nicht mehr kandidierte. Auch über die  Vorbereitungen zu den Anti-Papst-Veranstaltungen wurde gesprochen, die vom 10. bis  zum 16. September in München und Regensburg unter dem Motto: "Heidenspaß statt Höllen- qualen" stattfinden werden.

  Anschließend berichtete Dr. Anton Wohlfart (Ehekirchen) über das Spiegel-Interview des  Berliner Bischofs Huber. Dabei habe Huber  falsche Behauptungen aufgestellt: 1. "Das  Verhältnis von Staat und Kirche basiere auf  wechselseitiger Unabhängigkeit"; 2. "Der  Grundgesetzartikel 1 (Würde des Menschen)  sei spezifisch christlich". Beide Behauptun- gen, so Wohlfart, seien völlig unhaltbar.  Zum einen hänge die Kirche, trotz Kirchensteuer, am staatlichen Finanztropf, der  Staat sei gleichzeitig u. a. durch Konkordate an kirchliche Vorgaben gebunden. Zum  anderen sei die Würde des Menschen in der  Kirchengeschichte nur zu oft mit Füßen ge- treten worden. Der Grundgesetzartikel habe  viele Väter im Humanismus, in der Aufklärung, in vielen anderen Kulturen und Religionen. Weiter Bischof Huber: "Die Menschenwürde ist nicht säkular (weltlich) be- gründet, sondern gottgegeben. Wäre sie säkular, so könnte sie dem Menschen auch  wieder genommen werden". Diese Aussage,  so Dr. Wohlfart, sei durch nichts belegt.  Die Menschenwürde wurde und wird vielen  Menschen genommen, sie wird leider auch  in der Zukunft  vielen Menschen genommen  werden - trotz angeblicher Gottgegebenheit.  Die Beispiele dafür sind zahllos. Die Menschenwürde wurde in menschlichen Kulturen  entwickelt und sie muss Tag für Tag von  Menschen eingehalten und verteidigt werden.

 Auch über die Veranstaltung der "Giordano- Bruno-Stiftung" in Augsburg wurde berich- tet, auf der Michael Schmidt-Salomon die "Zehn Angebote" vorstellte, die von der Stiftung ent- wickelt wurden, alternativ zu den christ- lichen Geboten. Sie beinhalten eine säkulare humanistische Ethik, deren Sinn es ist, das Leid in der Welt zu lindern. Nachzulesen  sind sie unter www.giordano-bruno-stiftung.de.
Schließlich wurden einige Leserbriefargumente, die zu Beginn dieses Jahres in der "Neuburger Rundschau" standen, diskutiert. Einige dieser Schreiber, die alle eingeladen wurden, zur nächsten Gesprächsrunde zu kom- men, haben Ihr Kommen zugesagt. Der nächste  Termin ist der Samstag, 19. August 2006;  wieder um 15 Uhr in der BSV-Sportgaststätte in Neuburg-Herrenwörth. Alle konfessionell ungebundenen Bürger sind herzlich eingeladen.