Diskussion mit Buddhist und Christ

Zu Gast beim Gesprächskreis der "Säkularen Humanisten" waren zwei Gläubige –da runter ein Buddhist - die sich schon zu Beginn des Jahres in Leserbriefen zu den Veröffentlichungen der Gesprächsrunde äußerten. Beide verteidigten ihre Glaubenshaltung, äußerten aber auch Kritik an der Form und Organisation der heutigen Kirchen. 

"Glaubst du noch oder denkst du schon?" An diesem Spruch des bfg stießen sich beide. Gläubige würden Nichtgläubige tolerieren, so müsste es auch umgekehrt sein, so die Gäste. Ein Kriegsereignis war für einen der beiden das Schlüsselerlebnis zum Glauben gewesen. Friede auf Erden zu schaffen, das ginge nur über die Religion. Nur Gott sei die Kraft, die auch Frieden schaffen könne. Eine Kriegsteilnahme sei an sich mit dem christlichen Glauben unvereinbar. Allerdings wäre Friede mit den Machtansprüchen der heutigen Religionen und Kirchenorganisationen nicht möglich. 

Die Erwiderungen aus der Gesprächsrunde betonten das Recht jedes Menschen auf die eigene Meinung, Weltanschauung oder Religion. Doch dürfe kein Glaube, keine Religion im Widerspruch zu historischen Tatsachen, zu den Naturgesetzen und zu den eigenen Grundlagen, z. B. der Bibel, stehen. Dann sei Religion akzeptabel, bleibe aber immer Hypothese ohne Belege.

Alle Religionsvarianten, so ein Teilnehmer, haben gemeinsam einen hypothetischen Glauben an eine oder mehrere außermenschliche, aber wissentliche Kraft, die Leben und Welt bestimmten. Sonst aber seien sie sehr unterschiedlich in ihren Inhalten und Handlungsanweisungen; und da sie dogmatisch seien, schlössen sie sich gegenseitig aus, ja müssten sich notwendig bekämpfen. Deshalb dürften deren jeweilige Anweisungen allenfalls Empfehlungen für ihre Mitglieder, niemals aber staatliches Gesetz werden. Dieses  müsse über allen Religionsauffassungen stehen. Daher sei die strikte Trennung von Kirche und Staat eine fundamentale Forderung.

Die humanistischen Werte, heute wesentlicher Bestandteil unseres Grundgesetzes, stammten nicht vom Christentum, sie mussten sogar gegen dieses erkämpft werden. Aufklärer wie Diderot oder Holbach wurden ihrer Meinungen wegen noch mit Gefängnis bedroht, Giordano Bruno gar verbrannt. Das Christentum habe zwar inzwischen zwar, zumindest in Europa, der Aufklärung angepasst, doch wer die Bibel als Grundlage seines Glaubens ernst nehme, der könne nur kämpferisch sein, aber niemals human.

R. Hamp,  Neuburg, 27. 9. 2006