Religionsfreie Zone München vom 9.- 16.09.2006

auf dem Marienplatz, im Gasteig, in Kinos und dem Wirtshaus im Isartal

-

1.) Eklat beim Auftakt der bfg-Veranstaltung
2.) Religionsfreie Zone im Gasteig
3.) Abschluss-Party und Nachlese

 

1.) Eklat beim Auftakt der bfg-Veranstaltung

 

 Foto: Gerstenberg

 

 

Günther Gerstenberg/Christoph Klinke/Georg Ledig

A bisserl Polizeistaat schad’t doch nix.

Staatsaktion gegen Kunstaktion

 

 

Am 6. September 2006 versuchten um 11 Uhr vormittags die beiden Aktionskünstler Wolfram Kastner und Georg Ledig vom Alten Rathaus der bayerischen Landeshauptstadt aus durch die Innenstadt zu gehen. Beide sahen zwei Persönlichkeiten der Weltgeschichte ähnlich. Ledig war in einen dunklen Anzug gewandet, besaß eine schwarze nicht zu bändigende Tolle, die ihm in die Stirn fiel und hatte unter der Nase eine schwarze Rotzbremse, ein kleines Bärtchen, angebracht. Die Ähnlichkeit war nicht zwingend, aber naheliegend. Ledig blickte ernst, wie man es von einem Weltpolitiker verlangt, in die Runde und verbreitete damit eine Anmutung, die durchaus Distanz gebot; niemand fühlte sich so recht motiviert, mit diesem Herrn zu sprechen.

    Ganz anders Kastner. In seinem weißen, langen Ornat und mit dem kleinen weißen Käppchen auf dem ehrwürdigen Haupt schien er längst vergangenen Zeiten entstiegen. Ganz offenbar stand hier ein katholischer Kirchenfürst, der mit seinen gütigen Augen die Passanten freundlich anblickte und mit immer wieder ausholend einladender Geste signalisierte, ich bin bei euch, wer glaubt, ist nie allein.

Einige der zahlreich anwesenden Touristen, die den Ort wegen des vom Rathausturm klingenden Glockenspiels frequentiert hatten, waren erfreut, den Papst schon jetzt zu sehen. Vor allem aber japanische Gäste nahmen mit Vergnügen die Gelegenheit wahr, eine Person zu Gesicht zu bekommen, die dem Papst ähnlich sah. Sie wird die Diavorträge in ihrer Heimat bereichern.

Noch vor dem Auftritt der beiden Künstler kam es zu intensiven Gesprächen mit Vertretern des Staatsschutzes, die das Münchner Polizeipräsidium geschickt hatte. Einer meinte, der weiße Talar sei eine geschützte Amtskleidung, und wer diese trage, begehe Amtsanmaßung. Ein anderer meinte, nicht jeder Mensch könne einen echten Papst von einem falschen unterscheiden. Nicht jeder sei so klug, Fiktion von Wirklichkeit trennen zu können. Kastner meinte daraufhin, diese Auffassung zeige, dass der Redner die Menschen nicht gerade hoch einschätze. Und er betonte wiederholt, er sei nicht der Papst, sondern ein Nuntius.

Offenbar glauben die fürsorglichen Behörden, dass die ihnen anvertrauten Mitbürgerinnen und Mitbürger ziemlich bescheuert sind. Als eine ihrer zentralen Aufgaben scheinen sie den Schutz ihrer Blödheit anzusehen. Auf den Gedanken, die Klügeren und ihre Intelligenz seien ein nicht minder schützenswertes Gut, kommen sie nicht.

    Ledig und Kastner wollten mit ihrer Aktion auf ein oft und immer wieder angesprochenes Anliegen aufmerksam machen. Was sich die Deutschen immer noch bieten lassen, käme für selbstbewusste Franzosen oder Italiener niemals in Frage: Die Verschwisterung von Kirche und Staat. Ledig und Kastner fordern Trennung von Kirche und Staat. Und dazu hatten sie ein Flugblatt verfasst.

In diesem weisen sie im besonderen darauf hin, dass es 1933 zwischen dem Nazistaat und der katholischen Kirche zu einem bis heute gültigen Reichskonkordat kam, durch welches der Staat der Kirche zahlreiche Rechte einräumt. Dass die Kirche nicht zuletzt deshalb dem Nazistaat wohlwollend zur Seite stand, ist verständlich.

 

 

 

Noch bevor sich der Spaziergang der beiden Herren in Bewegung setzen konnte, wurde ein 22jähriger Mann, der dieses Flugblatt verteilen wollte, von Staatsorganen rüde zu Boden geworfen, seine Flugblätter wurden beschlagnahmt, er festgenommen und in Handschellen abgeführt. Die Verteilung des Flugblattes wurde amtlich mit der Begründung untersagt, „es würden nationalsozialistische Zeichen dargestellt“.

 

      Foto: Klinke

 

Der Vorwurf der Staatsschützer lautete wiederholt, dass es sich bei der Kunstaktion um eine unangemeldete Versammlung handele. Es seien mehr als zwei Personen tätig. Die Künstler wiesen darauf hin, dass ihre Aktion nur von zwei Personen getragen werde. Das die Aktion verdeutlichende Flugblatt werde zur Information der Passanten von einem Nichtakteur verteilt. Einer der Beamten rief, dass dies hier eine unangemeldete Versammlung sei, und drohte, es gebe auch Urteile, wo schon zwei Personen eine unangemeldete Versammlung seien.

    Nach längerem Hin und Her und Diskussionen mit Behördenvertretern konnten sich Herr Kastner und Herr Ledig endlich in Bewegung setzen. Ihr Weg führte die Dienerstraße hinunter. An der Ecke Diener- und Schrammerstraße versuchte wiederum ein anderer junger Mann die noch unentdeckten Reste des Flugblattes an einige wenige Passanten zu verteilen. Auch hier erfolgte stante pede eine zweite Beschlagnahme. Dass die Polizei nicht auch noch Kastner und Ledig festnahmen, war nur den zahlreichen Pressevertretern zu verdanken.

Eine Beamtin sprach während des Zuges Passanten an und fragte sie, wie sie diese Aktion denn fänden. Eine Dame meinte, sie fände die Aktion gut, worauf sie gebeten wurde, sich mit dem Personalausweis zu legitimieren. Ganz offensichtlich suchte die Beamtin Passanten, die sich empörten, um daraus Gründe für ein Einschreiten gegen die Aktion zu gewinnen. Sie scheint aber niemand gefunden zu haben.

    Ein zufällig vorbei kommender älterer Passant rief laut: „Wegen solcher Dinge bin ich aus der DDR abgehauen, wegen Bevormundung, Polizeiwillkür, Zensur und Spitzelei. Aber hier ist es ganz genauso. Um keinen Deut besser!“ Der Passant ging schimpfend seines Wegs. In der Gruppe um Ledig und Kastner schienen sich mehr Staatsdiener zu befinden als „Bevölkerung“. Einer von ihnen gab ununterbrochen den momentanen Standort der Gruppe an die „Zentrale“ weiter. Nichts geschah, ohne dass es sofort registriert wurde.

 

            Foto: Gerstenberg

  Der Zug wurde nun von den Beamten in das Polizeipräsidium in der Ettstraße geleitet. Man hatte Kastner und Ledig angeboten, dass man dort „gemeinsam klären werde, welcher Weg begangen werden darf“ – eine arglistige Täuschung, wie sich später herausstellte. Die Gruppe ging nun gemessenen Schritts weiter. Herr Ledig sah ernst in die Runde, Herr Kastner grüßte freundlich. Auf dem Weg ins Präsidium zeigten sie sich gegenseitig Sehenswürdigkeiten der Residenzstadt, so mit Blick in die Kardinal-Faulhaber-Straße das Erzbischöfliche Ordinariat oder die sich am Promenadeplatz befindliche Deutsche Bank. Die die beiden Herren begleitenden Polizeikräfte passten ihr Schritttempo an.

Herr Ledig und Herr Kastner bekundeten, sie würden es begrüßen, wenn ein Fotograf den historischen Moment festhielte, in dem sie mit dem polizeieigenen Paternoster nach oben fahren. Leider wurde der Zutritt zum Polizeipräsidium nur zwei den Zug begleitenden „Journalisten“ erlaubt. Später stellte sich heraus, dass diese zwei Herren für die Polizei arbeiten. Pressevertreter, die zuvor allein durch ihre Anwesenheit dafür sorgten, dass sich die Staatsorgane in ihrem Umgang mit den Künstlern etwas zurückhielten, waren nun von einer weiteren Beobachtung der Vorgänge ausgeschlossen. Sie versuchten, indem sie ihre Presseausweise zeigten, Ledig und Kastner in das Gebäude zu begleiten. Mit der zweifelhaften Behauptung, zwei Journalisten hätten schon einen Zugang erhalten, wurde ihnen der Zutritt verwehrt.

Dann kam es im Kommissariat 14 (Politische Polizei) zu Gesprächen auf höchster Ebene. Kastner und Ledig wiesen noch einmal darauf hin, dass sie es sich nicht gefallen ließen, kriminalisiert zu werden. Sie bezeichneten die an ihnen vorgenommenen Maßnahmen als die eines Polizeistaates würdig. Einer der anwesenden Beamten meinte: „A bisserl a Polizeistaat schad’t doch nix!“

Schließlich entschied die Behörde ex cathedra, dass Kastner und Ledig in diesem „Aufzug“ nicht weiter durch die Stadt spazieren dürfen. Aus der Kunstaktion wurde durch Einbeziehung der Flugblattverteiler des Bundes für Geistesfreiheit eine nicht genehmigte Demonstration konstruiert. Weiter entschied der Leitende Kommissar, dass es Herrn Kastner verboten werde, jemals wieder sich ein Kostüm auszuleihen, das eine Verwechslungsgefahr darstellt.

    Nach etwa einer halben Stunde konnten die beiden Künstler das Polizeipräsidium mit der Auflage verlassen, die Kunstaktion nicht fortzusetzen. Kastner musste sein Gewand den Behörden übergeben, Ledig musste seine Haare und das Bärtchen abnehmen. Die Beamten versicherten Kastner, sie würden noch am gleichen Tage selbst das ausgeliehene Kostüm beim Kostümverleih zurückgeben. Im „Beschlagnahmebescheid“ des „Papstgewandes“ stand unter „Grund der Beschlagnahme“: „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“.

 

    Foto: Claudia Barth

 

Als die beiden Künstler das Präsidium verließen, fotografierte ein Pressevertreter, der noch ausgeharrt hatte, und es kam zu einem neuen Konflikt. Einer der anwesenden Beamten beanspruchte sein Recht auf das eigene Bild und verlangte von dem Journalisten, dass dieser ihm das zuletzt angefertigte Bild auf dem Display seines Apparats zeige. Daraufhin kam es erneut zu einer erregten Diskussion darüber, ob dieses Bild vor dem Verbot oder nach dem Verbot entstanden ist.

Die Augenzeugen der Kunstaktion erlebten Überwachung, Kontrolle, Restriktionen, Einschüchterung, fragwürdige Tatsachenbehauptungen und Verbote in Fülle. Nicht dort, wo Gammelfleisch in Kühlhäusern vermodert, sondern dort, wo Menschen nachdenken und handeln!

    Es ist das traurige Schicksal aller Zensoren, dass in den folgenden Jahren und Jahrzehnten über ihre Maßnahmen nur noch gelacht wird. Heute ist uns aber nicht zum Lachen. Die Frage stellt sich: Was ist das für ein Staat, der einen Staatsschutz hat, der noch nicht einmal begreift, was den Staat gefährdet und was nicht? Gefährdet die Inanspruchnahme von Grundrechten diesen Staat oder solche Staatsaktionen?


                                

ZURÜCK

2.) Religionsfreie Zone im Gasteig

Die mit überraschender Presse-Resonanz angekündigte "Papst gsehng?" - Religionsfreie Zone München hat am 10.09.06 um 16h00 im Kulturzentrum GASTEIG ihre Pforten geöffnet.

   Dort gab es abends Vorträge, Kabarett und Musik. Der Philosoph Dr. Michael Schmidt-Salomon verteidigte die Satire als Mittel der Religionskritik und fand, dass manche religiöse Aussagen an sich bereits Realsatire sind. 


Michael Schmidt-Salomon im Gasteig
 

  Der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Günther Kehrer untersuchte die Kompatibilität der großen Religionen mit den Menschenrechten. Was die Gleichberechtigung der Frau angeht so schnitten nicht etwa das Christentum und der Islam am schlechtesten ab. Diese teilten sich Platz 2. Am schlechtesten war der Hinduismus, während der Buddhismus am wenigsten schlecht, aber keinesfalls gut, war. „Das Fazit von Prof. Kehrer: „Für die Menschenrechte wäre es am besten, wenn es die Religionen nicht gäbe.“

 Für die Musik waren Tiger Willi sowie Hanns Christian Müller & Band zuständig. Tiger Willy, der bayrischen Blues und Rock singende Sozialpädagoge, brachte unter dem Motto „Pfui Deifi, is des Leben schee“ Lieder zwischen Elvis und Schopenhauer. Sie handeln von Lust und Leid, von Geschundenen und Betrogenen, über Liebe und Gewalt. 


Tiger-Willy

Hanns Christian Müllers Auftritt mit seiner Band war die Premiere für diese Formation! Bisher wurde Müller hauptsächlich bekannt als Texter für Biermösl Blosn, die Toten Hosen, Gerhard Polt oder die Wellküren.


Sigi Zimmerschied

.... mit Assunta Tammelleo, Vorsitzende des bfg München

 Der Kabarettist Sigi Zimmerschied stellte sich in seinem Programm „Spottlibet“ das Zusammentreffen von Minister Beckstein und Papst Benedikt XVI so vor: Beckstein: „In Bayern hat das organisierte Verbrechen keine Chance!“ Da erschrickst’e doch als Chef des Vatikan. (Siehe auch sein Interview in der SZ)

Neben dem Saal „Black Box“, in dem diese Darbietungen stattfanden, hatte der bfg ein Pressezentrum errichtet. Dort gab es  Bücher- und Info-Tischen, eine kleine Karikaturen-Sammlung auf Stellwänden, in der u.a. auch Zeichnungen von Janosch zu sehen waren. Viele ahnungslose Mütter wissen vermutlich gar nicht, dass er ein "gstandner" Atheist ist (Dafür wissen manche atheistischen Eltern noch nicht, dass die Ethik-Lehrbücher ihrer Kinder oft von Theologen geschrieben werden.) Highlight im Pressezentrum war eine Präsentation über den Bund für Geistesfreiheit sowie mitwirkenden, befreundeten Verbänden wie die Freidenker oder die Humanistische Union. Diese animierten Selbstdarstellungen wurden- groß an die Wand projiziert und liefen. 


Pressezentrum des bfg .....

...im Gasteig München

Janosch - "gstandner" Atheist

Besucher kamen sogar aus Schweinfurt

  Drei Tage verweilte die "Papst gsehng?" - Religionsfreie Zone München im GASTEIG und zog am 13.09.06 mit dem Motto "Freie Liebe für Freie Geister" weiter in Münchens ältestes Programmkino, das MAXIM! Dort wurden am 13., 14. und 15.09. „unanständige“ Filme gezeigt, die quasi der Fingerzeig sind zur Diskussion um katholisch geprägte, verklemmte,  bigotte Sexualmoral, wie sie von Benedikt XVI gerade auch aktuell immer noch gepredigt wird!

ZURÜCK

3.) Abschluss-Party und Nachlese

Abschluss des unchristlichen Treibens bildete am 16.09.06 in der Kleinkunstbühne "Wirtshaus im Isartal" die "Heidenspaß-Party" unter dem Motto 'Heidenspaß statt Höllenqual', das zum Weltjugendtag in Köln 2005 von der Giordano-Bruno-Stiftung eingeführt wurde. Es spielten "Wuide Wachl" und "HEILIG", "scheinheiliger" Rock vom Feinsten, ein echter Ohrenschmaus! Insbesondere Letztere machen himmlischen Rock mit bodenständigen österreichischen Texten! Tipp: am 31.10.06 tritt "HEILIG" im Schlachthof München auf, alle hinkommen und hören!

 Leicht amüsiert betrachtet die Organisatorin der "Papst gsehng?" - Religionsfreie Zone München, Assunta Tammelleo vom Bund für Geistesfreiheit München, das Vorgehen des parteifreien Münchner Stadtrates Norbert Feil. Der findet es nicht tragbar, dass die 100%ige Tochter der Stadt München (welche das GASTEIG ist) den Raum bietet für derart unchristliches Treiben. Mit schriftlicher Anfrage an die Stadt München möchte er in Erfahrung bringen, wie es dazu kommen konnte, wie es insbesondere parallel zur Messe des Papstes am 10.09. dazu kommen konnte und ob womöglich die Stadt sich hier finanziell beteiligen würde! Obwohl der bfg München den Verwaltungsweg zur Auskunfterteilung abkürzen könnte, überlässt er es der Stadt München, die passende Auskunft von Amts wegen zu geben!

 Der bfg München verzeichnet positive Resonanz durch Neumitglieder und steigende Interessenten-Zahl. Positive Resonanz lässt sich auch verzeichnen für den bayerischen Rockmusiker und Kabarettisten Georg Ringsgwandl (Träger des bayerischen Kabarettpreises 2006 in der Sparte Musik). Sein Lied "Papst gsehng" (aus Anlass des letzten Besuches des vorherigen Papstes in München) produziert, wurde mit seiner ausdrücklichen Genehmigung vom bfg München als Veranstaltungsmotto eingesetzt. Diese Tatsache brachte das Lied durch verstärkten Werbe-Einsatz von Blanko-Musik wieder ins Bewusstsein vieler Zuhörer/innen und außerdem Autor Ringsgwandl in Form eines großen Interviews rund ums Thema Lied und Papst in die Süddeutsche Zeitung. Auch der von der Presse wegen seiner über weite Strecken kirchen- und religions-kritischen Kabarett-Programme viel geschmähte Sigi Zimmerschied wurde im Vorfeld mit als "Mitglied der Religionsfreien Zone" mit einem ausführlichen Interview in der Süddeutschen Zeitung bedacht. Das auf der "Papst gsehng?" - Religionsfreie Zone München 2006 aufgeführte Programm "Spottlibet" läuft aktuell im Fraunhofer-Theater in München - Hingehen!

 Der Aktionskünstler Wolfram P.Kastner, der mit der vom bfg München unterstützten und finanzierten Aktion "Papa-Spaziergang" (
siehe oben!) am 6.9. durch Polizeigewalt an der Durchführung gehindert wurde, hat am 14.9. eine Anzeige wegen "Durchführung einer nicht angemeldeten Versammlung", wegen "Verdacht der Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes" und wegen "Missbrauch von Zeichen" erhalten. Weiterhin in Konflikt mit Justitia ist der vom bfg München gesandte Verteiler des "Konkordat-Flugblattes", der zunächst vor Ort in Handschellen zu Boden ging und am Verteilen gehindert wurde. Auch er hat bereits eine Anzeige erhalten. Der bfg München unterstützt Wolfram P.Kastner und unseren Flugblatt-Verteiler bei der juristischen Auseinandersetzung.

Auch Petra Perle, stadtbekannte Kabarettistin und quirlige "Chefin" des berühmten Turmstüberl im "Valentin-Musäum" hat Ärger bekommen. Als Nonne verkleidet und mit Demo-Schildern auf einer Rikscha unterwegs wurde auch sie kurzfristig durch Polizei betreut. Dietmar Holzapfel, Besitzer der "Deutsche Eiche", mußte seinen CSD-Motto-Wagen mit Papst-Persiflage aus dem Verkehr ziehen und geht ebenfalls juristisch dagegen vor. Landtagsmitglied Adelheid Rupp hat sowohl in einer Presserklärung als auch in einer ausführlichen Grußadresse an die Veranstalter der "Papst gsehng?" - Religionsfreie Zone München bekundet, daß sie die offizielle SPD-Linie in Sachen Papstbesuch nicht teilt. Dies hat zu einem kleinen Skandal geführt, der über Franz Maget (bayerischer SPD-Landeschef und Initiator von "Kirche und SPD") und Christian Ude (Oberbürgermeister der Stadt München) einen Streit über den SPD-Standpunkt ausgelöst hat.

 Der bfg München hat bzw. wird mit allen Menschen, die sich in diesem Zusammenhang engagiert haben, Kontakt aufnehmen und Unterstützung bei den juristischen Konsequenzen anbieten! Selber haben wir auch noch Ärger. Am 15.09. wird uns die Klage der Kripo München zugestellt wegen Verstoß gegen das Pressegesetz ("V.i.S.d.P." wurde auf einem der zahlreichen, in ehrenamtlicher Arbeit erstellten Dokumente vergessen). 

 Bilanz: für uns "Gottlose" war die Presse-Resonanz höchst erfreulich, gemessen an unseren sonstigen Möglichkeiten, in der Presse erwähnt zu werden. In Zusammenhang mit unseren Aktivitäten anlässlich des Papst-Besuches sind wir  von einigen wenigen Journalisten tatsächlich entdeckt worden, und es gab Berichte über uns und unsere Aktionen zu lesen, zu sehen und zu hören. Insgesamt betrachtet ernüchternd ist und bleibt die Tatsache, dass ausgerechnet beim Besuch Ratzingers sich die große Mehrzahl der Journalisten der Hof-Berichterstattung hingegeben haben. Es erscheint der Organisatorin der "Papst gsehng?" - Religionsfreie Zone München 2006 fast unwirklich, dass ausgerechnet Ratzinger, Sinnbild für tiefst rückständige, undemokratische und doch gar nicht zeitgemäße Positionen, es geschafft hat, kaum eine Kritik aufkommen zu lassen bei seinem Besuch in Bayern im 21.Jahrhundert! Wo immer er zwischen 1980 und 1990 aufgetreten ist im Süden der Republik, sind Tausende von Menschen gekommen, um gegen ihn zu protestieren, überwiegend Katholiken sogar! Vermutlich gilt gerade auch für die Berichterstatter,  "Denn sie wissen nicht, was sie glauben" (Franz Buggle). 

ZURÜCK