Kritik am Christentum


Der Aberglaub´, in dem wir aufgewachsen,
Verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum
Doch seine Macht nicht über uns. – Es sind
Nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten...
... Begreifst du aber,
Wieviel andächtig schwärmen leichter als
Gut handeln ist? Wie gern der schlaffeste Mensch
Andächtig schwärmt, um nur, - ist er zuzeiten
Sich schon der Absicht deutlich nicht bewusst! –
Um nur gut handeln nicht zu dürfen? ...
Du kennst die Christen nicht, willst sie nicht kennen.
Ihr Stolz ist: Christen sein; nicht Menschen. Denn
Selbst das, was, noch von ihrem Stifter her,
Mit Menschlichkeit den Aberglauben würzt,
Das lieben sie, nicht weil es menschlich ist:
Weil´s Christus lehrt; weil´s Christus hat getan. –
Wohl ihnen, dass er ein so guter Mensch
Noch war! Wohl ihnen, dass sie seine Tugend
Auf Treu´ und Glauben nehmen können! – Doch
Was Tugend? – Seine Tugend nicht; sein Name
Soll überall verbreitet werden; soll
Die Namen aller guten Menschen schänden,
Verschlingen. Um den Namen, um den Namen
Ist ihnen nur zu tun.
(aus „Nathan, der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gesinnungsfreunde!

Der Verfasser kennt das Theaterstück um den Juden „Nathan, der Weise“ nicht, hat aber mitbekommen, dass in diesem der Appell an Toleranz eine Rolle spielt. Dabei zeichnet Gotthold Ephraim Lessing auch ein Psychogramm des Christentums (siehe oben). Sogar heutzutage noch muss man dem Christentum Toleranz absprechen, denn sonst würde es seinen Missionierungsanspruch aufgeben. Es ist auch der fehlenden Toleranz der Christen zuzuschreiben, dass es im Dritten Reich zur Judenverfolgung kommen konnte. Waren die Nazis nicht alle Christen (was denn sonst)? Man liest immer wieder, dass die Nazis die Juden ausmerzen wollten, weil sie diese als eine minderwertige Rasse ansehen. Die Wahrheit dürfte tiefer liegen: Die Christen wollten mit der Ausrottung vergessen machen, dass ihre Religion ihren Ursprung, ihre Wurzeln im Judentum hat. Zudem sollte damit der Kreuzestod ihres Religionsstifters gerächt werden. Die fehlende Toleranz des Christentums gegenüber Andersdenkenden hat den Verfasser nachdenklich gemacht und zum Atheisten werden lassen.

Nicht nur dem Christentum, auch dem Judaismus stehen wir kritisch gegenüber. Das steht aber auf einem anderen Blatt. Hier geht es um Verbrechen gegen die Menschlichkeit, dessen sich Christen schuldig gemacht haben. Jetzt, in Friedenszeiten, ist es für viele ein Leichtes, sich für die Juden einzusetzen. Aber in Zeiten der größten Not wurden sie alleingelassen. Man stelle sich vor: Von den 64 Millionen Christen, die es im Dritten Reich gegeben hat, setzte sich nur eine Handvoll für die Juden ein, während der Rest aktiv oder passiv an der Judenverfolgung beteiligt gewesen war!

Die Nazis irrten sich gewaltig, wenn sie der Meinung sind, dass sie mit den Juden eine minderwertige Rasse beseitigen würden. Einerseits sind die Juden nicht minderwertig, denn es gehören ihnen viele Geistesgrößen an, und andererseits gibt es gar keine jüdische Rasse. Hierzu geben wir Auszüge aus dem Buch „Die Rassen des Menschen“ (Verlag Kosmos) wieder, das von Dr. Georg Glowatzki, dem ehemaligen Direktor der Anthropologischen Staatssammlung in München, verfasst wurde:

„... Ein Volk hat besonders unter dem Rassenwahn zu leiden gehabt, die Juden; sie wurden schlechthin als >minderwertige Rasse< angesehen. Und dabei sind sie biologisch keine eigenständige Rasse, sondern gehören in ihrer Mehrheit zu der europiden Rasse der Orientaliden, genauso wie ihre heutigen arabischen Nachbarn. Die Vorfahren der Orientaliden haben die Stadtkulturen Kleinasiens geschaffen, sie waren die Träger frühester Kulturen. Durch die Römer aus ihrer Heimat vertrieben, wanderten die Juden auf zwei Wegen nach Europa ein, und wieder sind es die alten Wanderstraßen, die wir schon aus der Vorzeit kennen: die eine führt über den Osten, am Schwarzen Meer entlang, die andere über Nordafrika und Spanien. Unter den biologischen Ahnherren des jüdischen Volkes sind auch Indogermanen zu finden wie die Philister, deren illyrische Sprache das Wort >Palästina< entstammt. Zur morphologischen Inhomogenität haben vermutlich auch die ägyptische und die babylonische Gefangenschaft beigetragen und natürlich auch die Wanderungen... Die alle Juden verbindende Religion, an der sie selbst in den Wirtsländern festhielten, führte sie auch biologisch in Fortpflanzungsgemeinschaften zusammen. Zu dieser Isolation aus religiösen Gründen kam noch eine soziale dazu, denn sie wurden in den Wirtsländern häufig unterdrückt und beruflich eingeengt. Im mittelalterlichen Deutschland z.B. durften sie kein Handwerk ausüben, dadurch keiner Zunft angehören und auch keine gehobenen Berufe innehaben. Erlaubt waren ihnen lediglich der >unbefugte Nothandel< und der Darlehensverkehr, weil dem Christen die Religion den Geldverleih gegen Zins lange Zeit hindurch verbot. Wem man aber Geld schuldet, den liebt man im allgemeinen nicht und sucht sich seiner zu entledigen. Dafür boten sich reichlich Handhaben, denn die Tötung von Juden galt zu bestimmten Zeiten fast als gottgefälliges Werk, waren sie doch die >Mörder des Herrn< und >Leugner von Heil und Erlösung<. Auf Luthers Schrift >Gegen die Juden< hat man sich noch in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen berufen...“

Rassenwahn war und ist nicht auf Deutschland beschränkt, nur konnte er unter der Diktatur von 1933 bis 1945 besonders gut gedeihen. Auch der Rassismus in den USA hat seine Vorläufer, wie Madison Grand mit seinem Buch „Der Untergang der Großen Rasse“ oder Lothrop Stoddgard, der in „The Rising Time of Color against White World-Supremacy“ schon 1919 sagte: „Die Vereinigten Staaten müssen durch die Drohung der Schwarzen Gefahr zu zielbewusstem rassischen Streben nach nordischer Rassereinheit gelangen.“ Und auch manche Kolonialmacht hat die in ihren überseeischen Besitzungen lebenden Rasseen in der Überzeugung unterdrückt, selbst „wertvoller“ zu sein als diese.

Dabei sind biologisch keine Wertunterschiede zwischen Menschenrassen zu ermitteln. Alle normalen Menschen dieser Erde besitzen die gleiche Chromosomenzahl, die sie als vollwertige Mitglieder der gleichen Art ausweist. Wie sich die Individuen, die zu der gleichen Rasse gehören, durch das unterscheiden, was Boas „die Plastizität des Typus“ nennt, so unterscheiden sich auch die Menschenrassen voneinander nur durch die gleichen Variablen. „Reine“ Menschenrassen in dem Sinne, dass alle ihre Angehörigen absolut gleich und damit scharf von anderen Rassen abzugrenzen wären, gibt es nicht. Rassen sind keine statischen Kategorien, sondern dynamische Menschengruppen, die sich in der Zeit wandeln. Unterschiede in psychischen Eigenschaften oder physischen Merkmalen berechtigen nicht zu Werturteilen im biologischen Sinne... Die Menschen aller Rassen besitzen den gleichen anatomischen Bauplan, die gleiche Eiweißstruktur und die gleichen Ahnen in der Geschichte der Menschheit; alle sind aus biologischer Sicht uneingeschränkt mit einander fortpflanzungsfähig. Bei gleichen Umweltbedingungen wären auch annähernd gleiche Leistungen und Fähigkeiten zu erwarten. Qualitativ größer als die Unterschiede zwischen gleichgeschlechtlichen Mitgliedern verschiedener Rassen sind die zwischen dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht der gleichen Rasse.

Als biologisch gleichberechtigte Angehörige der Art Homo sapiens sollten wir uns nicht durch falsche Vorurteile und Rassenwahn von dem abhalten lassen, was Kant als Verpflichtung für uns hinterlassen hat: „Die größte Angelegenheit für den Menschen ist es, zu wissen, wie er seine Stellung in der Welt gehörig und zu Recht verstehe, was geschehen muss, um ein Mensch zu sein.“ Dem ist nichts weiter hinzuzufügen.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz J. G. Gremer