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Freigeistige Rundschau 2/2005 Da gibt es doch tatsächlich eine neue „Zielgruppe“ in unserer Gesellschaft. Je nach Bedarf ist es „die fünfzig plus“ oder „die sechzig plus“ Gruppe, die ins Blickfeld der Konsumforscher gerät. Konsumforscher sind natürlich „auf unserer Seite“, also der Seite der „plus Verbraucher“. Werden sie doch von der Konsumindustrie bezahlt. Oder ist da was falsch? Aber zurück zu den Tatsachen. Die „jungen Alten“, d. h. die Aktiv-Senioren (was einem da alles an Schlagworten einfällt) entdeckt man plötzlich als eine höchst kaufkräftige Gruppe. Man muss mit der Mode gehen, man macht Urlaub auf dem Malediven, man surft im Internet, man treibt Sport, man fährt Rad, man geht zum Brunch und, und, und man wird zur Kasse gebeten! Letztlich dient alles nur einem Zweck: man soll Geld zu den Geschäftsmännern und -frauen bringen! Gut - solange ein alter Mensch Geld hat, mag er dies ja alles können. Doch was ist mit den verschämten Armen unter unseren Senioren? Werden sie dieses Konsumverhalten mitmachen können? Werden sie ausgegrenzt? Oder verhelfen ihnen die Konsumforscher, die Animateure und dergleichen zu mehr, zu höherer Rente? Der Staat tut’s nicht. Tatsache ist, dass in den letzten Jahren die Renten, gemessen an den Lebenshaltungskosten, rückläufig waren. Und trotzdem sind die Senioren ein interessantes Käufer- bzw. Konsumklientel. Ja für viele Geschäftsinhaber sind sie interessanter als die in der Vergangenheit hoch geschätzten Jugendlichen geworden. Liegt das nun daran, dass die Wirtschaftsbosse in letzter Zeit ihre Menschlichkeit entdeckt haben? Wollen sie damit Gutes tun? Das kann wohl eindeutig verneint werden. Die Preise werden ja nicht „seniorenarmutsgerecht“ gestaltet.
Vielmehr wollen sie unser Bestes - unser Geld. Unser Geld wird dann dazu dienen, wieder mehr zu automatisieren, um anschließend unsere Kinder, unsere Enkel in die Arbeitslosigkeit zu schicken. Wahrlich ein Teufelskreis, der sich hier abzeichnet. Früher (ein Wort das oft missbraucht wird, um zu beschönigen) galt einmal, dass höhere Kaufkraft und höhere Konsumbereitschaft zu mehr Arbeit führt. Für die Zukunft muss man das eher skeptisch sehen. Je mehr Gewinn gemacht wird, um so mehr wird automatisiert - und entlassen, siehe Deutsche Bank und andere Raubkapitalisten. Geht der Trend, so wie ich ihn befürchte, weiter in die gleiche Richtung, werden die Senioren in einigen Jahren sicherlich nicht mehr die Zielgruppe sein, die jetzt entdeckt wurde. Hohe Arbeitslosigkeit bedeutet für die Zukunft niedrige Renten. Niedrige Renten oder besser, schlecht ausgestattete Rentner, sind für die Wirtschaft uninteressant. Damit werden dann auch die Senioren als Zielgruppe nicht mehr in den Focus geraten. Soll man sich nun darüber heute schon den Kopf zerbrechen? Ich denke ja! Umso eher unheilvollen Trends entgegen gesteuert wird, desto besser bekommt man Unheil in den Griff. Deshalb möchte ich warnen! Warnen davor, dass wir, dass wir uns von der Scheinwelt des angespannten Konsumverhaltens, der glitzernden Welt der trügerischen Werbung einwickeln, verblenden und verführen lassen. Fest steht, dass zum Angriff auf den Geldbeutel der Senioren geblasen wird. Lassen wir es nicht zu und verhalten wir uns vernünftig, besonnen und unserem Alter angemessen.
Ihr „Senior“ Adi Meister.
Es ist unfassbar: Neonazis wollen vor dem Brandenburger Tor demonstrieren. Unsere Justiz ist nicht in der Lage diese Unmöglichkeit mit den zur Verfügung stehen Mitteln zu verhindern. Um dies zu verhindern muss der Bundestag durch Gesetzesänderung einschreiten. In Wunsiedel, dem Begräbnisort von Rudolf Hess, ist zu befürchten, dass dort trotzdem durch Nazis der übelsten Sorte demonstriert werden darf. Es ist zu hoffen, dass auch dort noch Mittel und Wege gefunden werden, dieses zu unterbinden. In diesem Zusammenhang ein Liedtext, der in aller Transparenz aufzeigt, was schon einmal war und wieder geschehen kann - auch wenn diese Brut noch keine braunen Hemden trägt. Der Text ist von Berthold Brecht, die Melodie hierzu wurde von Kurt Weill geschrieben:
Mein Sohn, ich hab dir die Stiefel und dieses braune Hemd geschenkt. hätt ich gewusst, was ich heute weiß, hätt ich mich lieber aufgehängt.
Mein Sohn, als ich deine Hand sah, erhoben zum Hitlergruß, wusste ich nicht, dass dem, der ihn grüßet, die Hand verdorren muss.
Sah das braune Hemd dich tragen, habe mich nicht dagegen gestemmt, denn ich wusste nicht, was ich heute weiß: Es war dein Totenhemd. A.M.
Ein Grundsatzstreit im Bundestag: Wie verbindlich sollen Patientenverfügungen sein? Als Bundesjustizministerin Zypries Ende 2004 einen Entwurf zur gesetzlichen Absicherung der Patientenverfügungen vorlegte, konnten die Befürworter des Selbstbestimmungsrechts zufrieden sein. Entsprechend äußerte sich insbesondere die DGHS, mit 36.000 Mitgliedern die weitaus größte Patientenschutzorganisation in Deutschland (und bekanntlich 1980 von bfg-Mitgliedern gegründet). Christlichen Organisationen, vor allem der „Deutschen Hospiz Stiftung“ (einer Gründung des fundamentalistischen Malteser-Ritterordens, der inhaltlich und theologisch dem Opus Dei nahesteht), ging hingegen der Gesetzentwurf viel zu weit oder passte ihnen schon vom Grundsatz her nicht. Die Idee, dass Menschen im Voraus rechtsverbindlich regeln könnten, unter welchen Umständen sie medizinische Hilfe ablehnen, widerspricht den christlichen Fürsorgeprinzip fundamental. Aber auch einem erheblichen Teil des medizinischen Hilfspersonals fällt es schwer einzusehen, dass ja nicht der Patient für die Helfer da ist, sondern genau umgekehrt. Angesichts der knappen Bundestagsmehrheit von SPD und Grünen und dem Widerstand des klerikalen Flügels in beiden Regierungsparteien blieb der Ministerin keine andere Wahl als den Entwurf zurückzuziehen und stattdessen eine öffentliche Diskussion in Gang zu bringen, deren Ausgang bisher noch völlig unklar ist. Letztlich entwickelt sich der Streit zu einer weltanschaulichen Grundsatzdiskussion, wie sie z.B. in Spanien 1998 durch einen spektakulären Fall der dort strafbaren Beihilfe zum Freitod ausgelöst und in dem nun mit einem Oscar preisgekrönten Film „Mar adentro“ erneut in die Öffentlichkeit getragen wurde. In Spanien ist man allerdings inzwischen erheblich weiter als bei uns, denn dort wagt ein Ministerpräsident ungeschminkt zu sagen: „Das gesellschaftliche Zusammenleben kann ... nur in einem laizistischen Staat funktionieren. Wenn Glaubensregeln sich in die Gesetze des Staates einmischen, ist Schluss mit der Bürgerfreiheit.“ (Spiegel-Interview vom 9.11.04) Wann endlich findet ein deutscher Politiker so klare Worte ?? Spanische Regierung plädiert für Laizismus Der neue spanische Ministerpräsident Zapatero bekennt sich klar zur Trennung von Staat und Kirche und will entsprechende Gesetzesvorhaben vorantreiben. In einem Spiegel-Interview nannte er kirchliche Proteste dagegen legitim, doch sei der Staat nicht einer Glaubensrichtung verpflichtet. Ungewöhnlich deutlich fuhr er fort: „Das gesellschaftliche Zusammenleben kann meiner Meinung nach nur in einem laizistischen Staat funktionieren. Wenn Glaubensregeln sich in die Gesetze des Staates einmischen, ist Schluss mit der Bürgerfreiheit.“ (Der Spiegel, 9.11.04)
Extremer Katholikenschwund in Frankreich
Der Katholikenanteil in Frankreich geht stark zurück, wie ausgerechnet die katholische Tageszeitung La Croix meldet. Bekannten sich 1986 noch 81 Prozent der Franzosen zur herrschenden Konfession, waren es Ende 2004 nur noch 64,3 Prozent. Mit Abstand zweitstärkste Gruppe sind die Religionsfreien mit 27 % Muslime und Protestanten mit 6 bzw. 2 Prozent zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallen. (Heinrichsblatt, Kirchenzeitung der Erzdiözese Bamberg, 9.1.05)
USA: Religionsstudium darf nicht staatlich subventioniert werden
Der Oberste Gerichtshof der USA hat eine Bestimmung des Bundesstaates Washington für rechtmäßig erklärt, wonach Studenten ihren Anspruch auf ein Stipendium aus öffentlichen Geldern verlieren, wenn sie religiöse Studien mit dem Ziel eines geistlichen Berufs beginnen. Die Entscheidung wurde von den Medien als Grundsatzurteil zur Trennung von Staat und Kirche verstanden. (Süddeutsche Zeitung, 27.2.04)
Konfessionslose nehmen in den USA zu Forschungsergebnisse der Universität von Chicago zeigen: Amerikas protestantische Mehrheit schwindet. Nach einer repräsentativen Befragung von 2.765 Personen waren 2002 nur noch 52 % protestantisch, während es bei Vergleichsuntersuchungen 1972 und 1993 noch je 63 % waren. Dagegen stieg der Anteil der bekennenden Religionslosen von 9 auf 14 %. Katholiken und Juden blieben stabil bei 25 bzw. 2 %, die „Sonstigen“ nahmen von 3 auf 7 % zu. (Quelle: http://www.news.uchicago.edu/releases/04/040720.protestant.shtml)
Israel fragt Touristen nicht mehr nach der Religion Auf Proteste deutscher Touristen hin verzichtet Israel künftig auf die Frage nach der Religion. Erst vor wenigen Monaten wurden Einreisende aufgefordert, ihre Religionszugehörigkeit sowie E-Mail-Adressen anzugeben. Letztere sollen allerdings (angeblich aus Sicherheitsgründen) weiterhin abgefragt werden. (Süddeutsche Zeitung, 15.9.04)
Staatsanwalt ermittelt im Priesterseminar Eichstätt Nicht nur der (zurückgetretene) österreichische Fundamentalistenbischof Krenn hatte Probleme mit sexuellen Ausschweifungen seiner Priesterzöglinge. Auch sein ebenso glaubensstrenger Eichstätter Kollege Mixa erhält nun die Quittung für seine Führungsmethoden. Schon vor zwei Jahren hatte er den geistlichen Begleiter des Priesterseminars fristlos entlassen, woraufhin auch der Regens sein Amt niederlegte. Schon damals ging der Streit um die Anwerbemethoden für Priesterzöglinge; Kritiker werfen Mixa vor, auch Seminaristen aufzunehmen, die andernorts abgelehnt wurden. Nun wird gegen einen 39-jährigen Priesterkandidaten ermittelt, der von einer 96-jährigen, an Demenz erkrankten Frau 15000 Euro erschlichen und damit (zusammen mit einem Mitbruder) Besuche in einer Herrensauna finanziert hatte. Erst nach einem Bericht in der Bild-Zeitung mussten die beiden das Seminar verlassen. (Süddeutsche Zeitung, 29.04.04)
Papst mischt sich in brasilianische Gesetzgebung ein Die Absicht des brasilianischen Staatspräsidenten Lula da Silva, die Homo-Ehe einzuführen und die Abtreibung unter bestimmten Voraussetzungen zu legalisieren, veranlasste den Papst, die brasilianische Botschafterin in den Vatikan zu zitieren und sie zu ermahnen, am Schutz für das ungeborene Leben festzuhalten. (Süddeutsche Zeitung, 12.10.04)
Prof. Buggle erhielt Ludwig-Feuerbach-Preis In einem Festakt des bfg Augsburg wurde Prof. Franz Buggle für seine bibel- und religionskritische Arbeit der Ludwig-Feuerbach-Preis 2004 verliehen. Im nahezu vollbesetzten Musiksaal des Augsburger Zeughauses wies der stellvertretende Vorsitzende des bfg Augsburg, Dr. Gerhard Czermak, zunächst auf die bahnbrechende Leistung von Feuerbach hin, die selbst im Jubiläumsjahr und trotz der Herausgabe einer Briefmarke nicht in der wünschenswerten Breite publiziert wurde. Nach einem musikalischen Zwischenspiel des Gitarristen Dominik Zimmermann, der im Laufe des Abends mehrmals kurze Werke von lateinamerikanischen Klassikern vortrug, ging der örtliche bfg-Vorsitzende Gerhard Rampp auf das Thema ein „Was hat Ludwig Feuerbach mit Augsburg zu tun?“. Er wies u.a. auf die zahlreichen religionskritischen Persönlichkeiten hin, die in Augsburg und Umgebung gewirkt hatten, und setzte sich kritisch mit dem Anspruch des heutigen Augsburg auseinander, sich angesichts des stadteigenen Feiertags und des Augsburger Religionsfriedens von 1555 als „Friedensstadt“ zu profilieren. Solange immer nur vom religiösen und nicht auch vom weltanschaulichen Frieden gesprochen werde, würden Konfessionsfreie ausgegrenzt. Dr. Kurt Schobert, Bundesgeschäftsführer der DGHS und Mitglied des bfg Augsburg, hielt anschließend die Laudatio auf den Preisträger. Er würdigte nicht nur dessen Analyse des Alten und Neuen Testaments aus humanitärer Sicht, sondern dass Prof. Buggle in seinem bekannten Buch „Denn sie wissen nicht, was sie glauben“ auch die Verhaltensweisen jener Menschen untersucht hat, die sich trotz der vielen brutalen Bibelstellen nicht von diesen Inhalten lösen wollten oder konnten. Anschließend überreichte Dietmar Michalke (stellvertretender Vorsitzender des bfg Bayern und des bfg Augsburg) dem Preisträger eine Urkunde sowie eine Goldmedaille mit dem Porträt Ludwig Feuerbachs. Der sichtlich erfreute Preisträger bedankte sich in einer lebendigen und spontanen Rede für die Auszeichnung, die ihn sehr ermutige. Er schilderte in überaus witziger Weise die bisherigen Reaktionen von Klerus und Presse auf sein Buch und gab einen Ausblick auf sein nächstes religionskritisches Buchprojekt, das allerdings noch in Arbeit sei. Im Anschluss an die Preisverleihung erfreuten sich die Besucher noch an einem Stehempfang mit Sekt, Orangensaft und kulinarischen Spezialitäten. Der rundum gelungene Abend fand auch in der Augsburger Allgemeinen seinen (kurzen) Niederschlag - das von Prof. Buggle befürchtete Totschweigen fand also zumindest diesmal nicht statt.
Gedankenaustausch zwischen bfg und Landtags-SPD Bereits im letzten Jahr fand ein eingehendes Gespräch zwischen dem bfg und der SPD-Fraktion im Rechtsausschuss des bayerischen Landtags statt. Anlässe waren die Kopftuch-Debatte und die Tatsache, dass in der letzten Landtagswahl erstmals mehr Konfessionslose die CSU als die SPD gewählt haben. Der bfg, vertreten durch Dr. Czermak und G. Rampp, bezeichnete zwar die Präferenz für die CSU als logisch nicht verständlich, aber als Konsequenz aus der kirchennahen Haltung der SPD, die bei den klerikalen Wählern nichts bringt, aber bei den säkularen Stimmen kostet. Gerade unter Konfessionslosen sei der Anteil der Nichtwähler besonders hoch, was die Parteien vor allem deshalb alarmieren müsse, weil diese Gruppe besonders stark politisch interessiert sei und über eine weit überdurchschnittliche formale Bildung verfüge. Außerdem sei diese Gruppe zahlenmäßig mittlerweile fast ebenso groß wie die der Protestanten.
Weitere vom bfg angeschnittene Themen waren die Notwendigkeit einer Kosten-Nutzen-Analyse der staatlichen Kirchensubventionen, der Tendenzschutz in kirchlichen Einrichtungen, die theologischen Fakultäten sowie die Frage der weltanschaulichen Neutralität im Schul- und Kindergartenwesen. Außerdem monierte der bfg, dass das Thema „Staat und Kirche“ - anders als bei der CSU-nahen Hanns-Seidl-Stiftung - in den entsprechenden bayerischen SPD-Einrichtungen noch nicht einmal diskutiert wird. Die Landtagsabgeordneten sagten zu, sich hier um die Durchführung entsprechender Seminare zu kümmern, damit wenigstens die Informationsbasis innerhalb der SPD, aber auch der Gesamtbevölkerung verbessert wird. (Gleiches hatten die JuSo-Landesvertreter auf der letzten bfg-Landesdelegiertenkonferenz im Juni 2004 auch zugesagt.) Ob sich inzwischen konkrete Pläne entwickelt haben, ist uns nicht bekannt. Wir werden nachhaken.
Nachträge: 1. Weitaus aktiver zeigte sich die Münchner SPD in der anderen Richtung. Landesvorsitzender Maget rief zur Gründung eines Vereins „Kirche und SPD“ auf und verwies auf die vielen Gemeinsamkeiten. (Süddeutsche Zeitung, 28.2.05) 2. Dem Handbuch des bayerischen Landtags 2003 zufolge ist Maget römisch-katholisch. In früheren Jahren bezeichnete er sich aber (vor Zeugen) öffentlich als evangelisch. Und noch früher ließ er sich von den Münchner Freidenkern als Mitglied aufnehmen, was die Konfessionslosigkeit voraussetzt. Offenbar ist Herrn Maget erstmals seit 2000 Jahren wieder das Wunder der Dreifaltigkeit gelungen. 3. Dem gleichen Handbuch zufolge waren damals 6 von 123 CSU-Abgeordneten konfessionslos, 15 von 65 SPD- und 6 von 14 Grünen-Parlamentariern. Im neuen Landtag geben 10 der 15 Grünen keine Konfession an, aber nur eine Minderheit der SPD- und CSU-Abgeordneten. Die Interessen der Konfessionsfreien sind in Bayern - anders als im Bund - also immer noch am ehesten bei den Grünen repräsentiert.
Bund für Geistesfreiheit wirft CSU-Regierung Heuchelei vor: Kultusministerium lässt Islamunterricht in türkischer Sprache zu Der bfg Augsburg hat der Staatsregierung nach den jüngsten patriotischen Sprüchen auf dem CSU-Parteitag Heuchelei vorgeworfen. Einerseits forderten konservative Politiker sogar eine (verfassungswidrige) Pflicht zum Gebrauch der deutschen Sprache in Moscheen, andererseits werde an bayerischen Schulen Islam-Unterricht auf türkisch erteilt - durch türkische Lehrer, die vom Freistaat Bayern bezahlt werden. Als Beispiel wurden konkrete Fälle in Augsburg angegeben, wo vereinzelt sogar türkische Lehrer zur Vertiefung des Deutschunterrichts eingeteilt wurden. Der bfg Augsburg betont, zur Integration von Ausländern gehöre auf jeden Fall das Erlernen der deutschen Sprache als gemeinsame Kommunikationsbasis von Menschen unterschiedlicher Herkunft. (Eigenmeldung des bfg Augsburg)
Bund für Geistesfreiheit kritisiert Schulgebets-Offensive der Kirchen In einer von mehreren Agenturen und Zeitungen fast wörtlich übernommenen Presseerklärung kritisierte der bfg Bayern den Versuch der beiden Kirchen, das Schulgebet wieder stärker im Schulleben zu verankern. (Tatsächlich beschränkte sich der Versuch allerdings auf den Raum München.) Zwar erkannte der bfg an, dass die Kirchen immerhin auf die Freiwilligkeit des Schulgebets für Schüler hinwies. Andererseits erweckte die Erklärung der Kirchen den Eindruck, als habe der Lehrer nur die Wahl zwischen einem Gebet oder einem anderen religiös-besinnlichen Text. Auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) ging dazu vorsichtig auf Distanz, schlug aber eine gemeinsam von Schülern, Eltern und Lehrer getragene Verfahrensweise vor. Dem widersprach der bfg nachdrücklich: Niemand kann Lehrer dazu zwingen, ein Schulgebet zu sprechen. (u.a. KNA, 15.2.05; Augsburger Allgemeine, 19.2.05) Anm. FGR: Wer das Schulgebet wirklich für so wichtig hält, sollte es doch einfach auf die fünf Minuten vor Unterrichtsbeginn legen, wo es dann für alle freiwillig ist. Aber da geht nach allen bisherigen Erfahrungen dann niemand mehr hin ...
Gewerkschaft untersagt kirchenkritische Veranstaltung
Zu einem Eklat kam es in Ingolstadt, wo am 21. Februar eine Veranstaltung der Initiative „Mahnmal für die Opfer der Kirche“ zum Thema Kirchensteuer (Titel: „Spart Euch die Kirche!“) im Gewerkschaftshaus stattfinden sollte. Schon im Vorfeld hatte der rechtslastige „Donaukurier“ eine bezahlte Anzeige „mit Rücksicht auf unsere ländliche Leserschaft“ (gemeint war wohl die nahe Bischofsstadt Eichstätt) abgelehnt, was aber nicht wunderte, war doch der Senior-Chefredakteur zuvor in gleicher Funktion beim evangelischen Sonntagsblatt tätig. Offenbar auf massiven kirchlichen Druck kündigte die Gewerkschaft drei Stunden vor Veranstaltungsbeginn den Mietvertrag und sperrte den Saal auch gleich ab. In der Begründung verwies die IG Metall auf „den kirchenfeindlichen Charakter dieser Veranstaltung“, ein zuvor verteiltes „zutiefst hetzerisches Flugblatt gegen die Kirchen“ (in dem allerdings nur auf die zahlreichen materiellen Privilegien der Kirchen aufgelistet waren) und der Verletzung von „religiösen Gefühlen“. Der DGB-Vertreter führte wörtlich aus: „Wir betonen, dass derartige unredliche kirchenfeindliche Initiativen im Gewerkschaftshaus keine Plattform haben“ und entschuldigte sich „ausdrücklich“ bei allen religiösen Menschen für die ursprüngliche Raumzusage. Die Veranstaltung fand dann kurzfristig in einem großen Nebenraum einer Gaststätte statt, wo sie äußerst sachlich und geordnet ablief. Mehrere Anwesende kündigten dort ihren Austritt aus dem Ingolstädter DGB an. (Eigenmeldung) Selbst die eher kirchennahe „Mainpost“, die am 8.3. über den Vorfall berichtete, sah im Handeln der Ingolstädter DGB-Spitze „wahrlich kein Ruhmesblatt der Toleranz“. Wörtlich kommentierte sie: „Die Fragestellung, die am 21. Februar in Ingolstadt zur Debatte stand, harrt in der Tat einer breiten Diskussion. Warum zahlt der Staat (und damit alle Steuerzahler) jährlich Milliarden an die Amtskirchen? Wo es doch angeblich keine Tabus geben darf, wenn es ums Sparen geht. So predigen es unsere Politiker täglich, allerdings meist den sozial Schwachen, den Arbeitslosen, den abhängig beschäftigten Arbeitnehmern. Im Gegensatz zu ihnen sind die Kirchen dem Staat in der Tat lieb - und teuer. Das müsste engagierten Gewerkschaften doch eigentlich eine Diskussion wert sein, oder?“
Anm. FGR: Die veranstaltende Initiative versteht sich als kirchenkritisch, jedoch auch als „urchristlich“. Sie hat also durchaus einen anderen Hintergrund als der säkular-humanistische bfg. Aber erstens muss Meinungs- und Religionsfreiheit für alle gelten (was sogar die katholisch orientierte, aber unabhängige Mainpost betonte) und zweitens sind die Fragestellungen von grundsätzlicher gesellschaftlicher Bedeutung. Deshalb nahm der Augsburger bfg-Vorsitzende Gerhard Rampp des öfteren als Gastreferent und Kirchenfinanzexperte teil. Seine Anfrage an den DGB, warum dieser in seiner kurzfristigen Absage so einseitig Partei für die Kirchen ergriffen habe, wurde übrigens trotz mehrfacher Nachfrage nicht beantwortet.
Seite des bfg Augsburg für die FGR 2/2005
Liebe Mitglieder und Interessenten des bfg in Augsburg und Neuburg !
Anlässlich des Jubiläumsjahres „450 Jahre Augsburger Religionsfrieden“ können wir einen sehr erfreulichen, aber für die Kirchen auch unangenehmen Beitrag leisten. Der prominente Tübinger Professor Dr. Günter Kehrer, als atheistischer Religionswissenschaftler ein viel gefragter und im Fernsehen oft erscheinender Experte, wird am Freitag, dem 22. April, im Zeughaus (Raum 112 a; Beginn: 19.30 Uhr) zu dem Thema referieren
Wie friedlich war der Augsburger Religionsfrieden?
Der Eintritt ist - anders als bei den trotz staatlicher Milliardensubventionen offenbar unter Armut leidenden kirchlichen Bildungswerken - frei. Genau zu diesem Thema hatte übrigens unser Mitglied Johanna Corniels, eine ausgewiesene Augsburg-Kennerin, bereits auf unserem Februar-Gesprächkreis sehr kompetent referiert - aber eben aus spezifisch Augsburger Sicht. Nun rückt die übergeordnete historisch-religionswissenschaftliche Perspektive in den Mittelpunkt.
Zur Erinnerung: Jeden letzten Freitag im Monat findet unser (die letzten Male gut besuchter) Gesprächskreis ab 19.30 Uhr im Restaurant „Santa Lucia“ in der Wellenburger Straße in Göggingen statt. (Lage: Von der Straßenbahn-Haltestelle „Hessing“ - 10 Fahrminuten vom Königsplatz weg - braucht man der Wellenburger Straße nur noch 200 m stadtauswärts zu folgen.
In Neuburg findet der Stammtisch jeweils am 1. Sonntag im Monat ab 10.30 Uhr im Café Voilà statt. Der nächste offene Gesprächskreis der „Säkularen Humanisten“ beginnt am Samstag, dem 16. April, um 15 Uhr, und zwar in der BSV-Sportgaststätte in der Grünauer Str. 108.
Die Rundfunkansprachen des bfg (alle sechs Wochen sonntags im Hörfunk, BR II) beginnen jetzt bereits um 7.05 Uhr. Nächster Termin (nach dem 20.3.) ist der 8. Mai 2005.
Noch eine statistische Meldung: Obwohl der bfg Augsburg einige Mitglieder an den vor einigen Monaten gegründeten bfg Neuburg/Ingolstadt abgegeben hat, ist die Mitgliederzahl inzwischen wieder auf 702 gestiegen (plus zehn seit Jahresbeginn). Allerdings sind fast alle Neuen beitragsfreie Betreuungsmitglieder. Gleichzeitig stieg auch die Mitgliederzahl des bfg Neuburg/Ingolstadt heuer schon um vier auf 33 Mitglieder. Bei einem Gespräch im Kultusministerium wurde uns indes bedeutet, dass eine Anerkennung des bfg Neuburg/Ingolstadt als eigene Körperschaft des öffentlichen Rechts angesichts der noch geringen Mitgliederzahl vorerst keine großen Chancen habe. Daher empfiehlt sich für die noch im bfg Augsburg verbliebenen Mitglieder aus Neuburg und Umgebung ein Wechsel zum bfg Neuburg/Ingolstadt. 10 bis 20 Mitglieder mehr können dort viel bewirken. Bankverbindung: Bayerische Beamtenbank Augsburg, BLZ 660 908 00, Konto-Nr. 70 24 20 Überweisen Sie bitte den Jahresbeitrag (bfg Augsburg) von 40 bzw. ermäßigt 25 Euro oder Spenden auf unser Konto Nr. 70 24 20 bei der Bayerischen Beamtenbank (BLZ 660 908 00). Unser früheres Konto bei der Stadtsparkasse ist
bereits seit Ende 2001 endgültig geschlossen.
Seite des bfg München für die
FGR 2/2005
Valleystraße
27 - 81371 München - Tel: 089/775988 - Fax: 089/24407860 - info@bfg-muenchen.de www.bfg-muenchen.de
- Öffnungszeiten: Di 15-1800, Do 15-1800 (bei
Besuch bitte vorher anrufen) _____________________________________________________________________________________________________________________ Winterfest ein voller Erfolg Mehr als 100 Gäste konnte der bfg München
am 27. Februar auf seinem Winterfest in der Schwabinger Seidlvilla begrüßen.
Ein Erfolg, an den so richtig wohl nur die Vorsitzende Assunta Tammelleo
geglaubt und dafür hunderte von Einladungen verschickt hatte. Mit dem Winterfest war endlich der
richtige Rahmen gegeben, um dem langjährigen 2. Vorsitzenden, Gerhard
Rampp, die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Zum guten Besuch beigetragen
hat sicher auch das interessante kulturelle Programm, das für den Abend
zusammengestellt wurde: Bilder des Malers Duncan Bremer zeigten mit bunten
Farben großstädtische Impressionen aus einer ungewöhnlichen, sphärischen
Perspektive. Die Band Big Brother George & Didi Neumann konnte mit
ihrem Blues das Publikum genauso begeistern wie Moses Wolff mit seinen
Rapp-Dichtungen und Gesängen. Sogar eine Zugabe wurde verlangt und von
den Künstlern auch gewährt. Schade, dass wir um 22.15 schon mit dem
Aufräumen beginnen mussten – das Buffet mit Zutaten aus kontrolliert
biologischem Anbau war zwar schon aufgegessen, aber die meisten Gäste
noch da und die Stimmung super. Der Vorstand war sich auf seiner letzen
Sitzung dann auch einig, dass dies nicht das letzte Winterfest des bfg München
gewesen ist. Flugblattaktion
zu Mel Gibsons „Die Passion Christi“ Was für ein Zufall: Ein neuer Film über
das Leben Jesu schlägt in den Medien hohe Wellen und gleichzeitig plant
der bfg München eine Veranstaltung mit dem Titel „Den sie wissen nicht
was sie glauben – Warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein
kann“. Für diese Veranstaltung mit einem Flugblatt vor den Kinos zu
werben wäre eine prima Sache dachte sich Andreas Viehl. Prof. Dr. Gerd Lüdemann,
dem bfg München freundschaftlich verbunden, verfasste dafür einen Text
der u.a. auf die legendenhaften Züge und propagandistischen Absichten der
Evangelien hinweist. Auf der Rückseite des Flugblattes fand die Werbung für
die Lesung mit Franz Buggle Platz. Zusammen mit Dietrich Spreter v.
Kreudenstein wurden dann zum Filmstart 450 Flugblätter an Passanten und
Kinobesucher verteilt – zur Steigerung der Aufmerksamkeit im Römerkostüm
und weißer Tunika mit Lorbeerkranz auf dem Kopf. Sogar BILD-München
berichtete mit einem kleinen Bild und kurzem Text. Veranstaltungen -
Gottlosenstammtisch.
Jeden 4. Donnerstag (nicht letzten) im Monat um 20 Uhr. Restaurant
UNICUM, Kaulbachstr. 33. 5min Gehweg vom U-Bahnhof Universität. - 09.04.2004
–
Karfreitag. Filmvorführung Chocolat mit
großer Pralinenschlemmerei. Gasteig, Vortragssaal der Bibliothek, 20 Uhr,
Eintritt 7,-Euro. -
15.04.2004 – Freigeistiger
Gesprächskreis. Der einleitende Vortrag wird sich mit dem Thema
Trennung zwischen Staat und Kirche befassen. Die anschließende Diskussion
kann sich darum, oder auch um andere Fragen drehen. Jedermann/frau ist
herzlich willkommen. Vereinsräume des bfg München, Valleystr. 27, 19
Uhr. -
30.04.2004 – „Den sie
wissen nicht was sie glauben“ Lesung mit Franz Buggle aus seinem
gleichnamigen Buch. Gasteig, Raum 0131, 19.30 Uhr, Eintritt 3,-/2,- Euro. -
01.05.2004 – Infostand des
bfg auf dem Viktualienmarkt. 11 bis 17 Uhr.
Tel:
09403 3551 Fax: 09403 4251 e-mail:
Regensburg@bfg-bayern.de
www.bfg-bayern.de Erwin
Schmid, Waldweg 1, 93105
Tegernheim "Vom homo humanitas
zum modernen Humanismus„
Ganz allgemein ausgedrückt ist „Humanismus“ die kulturelle
Lehre von der „Autonomie des Individuums“. Diese Erfindung erfolgte in der Renaissance. Was verstand man
darunter? Was war Humanismus vorher oder zur Goethezeit? Erschöpft sich
Humanismus in der Antiken-Aneignung und Anerkennung einer Ethik der
Selbstbestimmung oder ist dies „Humanitätsduselei“ (August Bebel)
zu Lasten eines nötigen „realen Humanismus“, der die „soziale
Frage“ anerkennt? Warum entdecken ihn Freidenker erst spät und gründeten
1989/93 die „Weltanschauungsgemeinschaft“ HVD als einen
„nichtreligiösen“ Bekenntnisverband. Der Widerspruch zwischen menschheitlichem Anspruch und
weltanschaulicher Sonderrolle lässt fragen, woran die (in ihrer überwältigenden
Mehrheit nicht organisierten) Konfessionsfreien denn eigentlich
„glauben“ und ob dies nicht sogar „humanistisch“ genannt werden
kann – gar eine „Konfession“. Der Referent wird, da ja 2005 auch der 60. Jahrestag der Befreiung
vom Hitlerfaschismus gefeiert wird, einen Schwerpunkt legen auf die
Schicksale und die Rolle der Humanisten, Freidenker, Freigeister und
Freireligiösen in dieser Zeit. Wer ist z.B. in der KZs umgekommen ? Wer wurde
bei Kriegsende 1945 befreit ? Wer hat mit der faschistischen Gewaltherrschaft kollaboriert ? Donnerstag
14. April 2005 19.30 Uhr, Regensburg, Brandlbräu, Ostengasse. 2. 60 Jahre Kriegsende
– 60 Jahre Befreiung !
weltliche
Gedenkveranstaltung am Samstag, 23.04.2005 Beginn
11.00 Uhr Colosseum
in Stadtamthof und Gedenkgang
zum Dachauplatz. Wir
gedenken auch der verfolgten und ermordeten Humanisten,
Freidenker und Freigeister. 3. Jahreshauptversammlung
mit Neuwahlen des bundes
für geistesfreiheit Regensburg am
Donnerstag den 2.6.2005 / 19.30 Uhr,
Ort wird noch bekannt gegeben. Bitte überlege auch Du, welchen Teil Du zur Schaffung einer
humanistischen, freigeistigen Kultur in Regensburg und Umgebung, beitragen
kannst ? Deine
Ideen und Deine Tatkraft werden dringend gebraucht ! 4. Regelmäßige Termine: Freigeistige Matinee jeden 1. Sonntag im Monat 11.00 Uhr im Cafe
Pernsteiner, Von der Tann Str. 40 Gottlosenstammtisch jeden 3. Sonntag im Monat 19.30 Uhr im Leeren
Beutel, Bertoldstr. 9
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