Inhalt:
Liebe
Gesinnungsfreunde
Einladung
zum 22. DFW-Seminar
Die
zehn Angebote des evolutionären Humanismus
Jugendgruppe
des HVB Havelland besucht Küstenregion
Südostindiens/Hilfseinsatz für katastrophengeplagte Dörfer
fowid
– Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland
»Weltlicher
Humanismus« – Neues Buch von Dr. Dr. Joachim Kahl
Drewermann
tritt aus der Kirche aus
Rezept
zur Herstellung der FGR
Freigeistige
Presseschau
Impressum
Liebe
Gesinnungsfreunde!
Das Landgericht in München hat unsere Klage wegen
besserer Sendezeiten im Bayerischen Rundfunk in erster Instanz
abgewiesen. Obgleich die Begründung hierfür noch aussteht, erscheint
mir diese Entscheidung äußerst fragwürdig. Nahezu ein Drittel der Bevölkerung
gehört keiner der beiden Amtskirchen (!? so bezeichnen sie sich ja
selbst) an. Diese Menschen werden bei solchen Entscheidungen einfach
ignoriert. Es drängt sich die Frage auf, ob der Bayerische
Staatsrundfunk so fest in kirchlicher Hand ist, dass Tendenzschutz
besteht? Dies umso mehr, als in den vergangenen Wochen jeden so
genannten Adventssonntag vormittags im »Sonntags-Journal« von Bayern
1, durch Herrn Küpper moderiert, zwischen 9.00 und 10.00 Uhr ein Herr
Pfarrer Küstenmacher seine Weisheiten unter das Volk bringen durfte.
Anschließend daran kam dann die Sendung des Kirchenfunks mit den
Amtskirchen. Alles in allem also 2 Stunden Sendezeit auf Bayern 1 zu
bester Sendezeit! Uns werden alle 6 Wochen auf Bayern 2 gerade mal 15
Minuten gewährt – und dies zu einer Zeit, zu der die meisten Menschen
sich am Sonntag noch ausschlafen. Stimmt die Werbung, so ist Bayern 1
der meist gehörte Sender in Bayern. Mit der Ansiedlung unserer Sendung
auf Bayern 2 ist somit für den katholischen Staatsrundfunk auch gewährleistet,
dass möglichst wenig Hörer unsere Ausführungen zur Kenntnis nehmen können.
Von Ausgewogenheit und Neutralität kann deshalb keine Rede sein. Wir
werden jedenfalls diese Angelegenheit nachdrücklich weiter verfolgen,
eine derartige Ungerechtigkeit kann nicht hingenommen werden. Ein
anderes Thema, das uns bewegt und bewegen muss, ist der Kurs unseres
neuen Innenministers, Wolfgang Schäuble. Kann ein Mensch wirklich so
weit herunter gekommen sein, dass er in der Jetztzeit die
mittelalterliche, kirchlich seinerzeit absolut gebräuchliche Folter zum
Erhalt von Geständnissen wieder einführen will? Wir Deutschen dürfen
stolz darauf sein, dass in unserer Verfassung die Unverletzlichkeit der
Würde des Menschen festgeschrieben ist. Dies bedeutet auch
Folterverbot. Politiker, die diese Unverletzlichkeit der Würde des
Menschen ignorieren, sind nach meiner Meinung absolut ungeeignet, in
Deutschland und wohl auch überall sonst auf der Welt. Müssen unsere
Politiker all das kopieren, was uns Herr Bush vormacht? Dieser nimmt es
mit Verhörmethoden, wie man in den letzten Tagen und Wochen zur
Kenntnis nehmen musste, nicht so genau. Gott ist mit ihm und seinen
Schergen. In der Kirche war es schon immer so, dass der Zweck die Mittel
heiligt. Selbst unter dem Eindruck des 11. September darf diese Art der
Terrorbekämpfung nicht um sich greifen. Dann kam doch tatsächlich noch
die Überlegung, die Bundeswehr im WM-Jahr zur Aufrechterhaltung der
inneren Sicherheit einzusetzen. Hier lässt doch schon die Militärdiktatur
von weitem grüßen. Der manchmal in diesem Zusammenhang gebrachte
Hinweis auf die Unruhen in Frankreich sollte wohl den Boden bereiten für
massiven Einsatz von Bundeswehr Polizeiregimentern im Falle von
Ausschreitungen – letztlich wohl gleich welcher Art. Gerade die
Unruhen in Frankreich sollten uns und in erster Linie unseren Politikern
die Augen öffnen für die immer weiter auseinandergehende Schere der
sozialen Ungerechtigkeiten. Terror kann nicht mit Terror bekämpft
werden. Aber Folterungen und der Einsatz von nicht ausgebildeten
Einsatzkräften der Bundeswehr ist gleichermaßen Terror und führt zur
Diktatur. Dies möchte ich unter anderem zum Jahresanfang zu bedenken
geben. Lassen wir 60 Jahre Demokratie nicht aufs Spiel setzen, bleiben
wir wachsam und hellhörig für diktatorische Ansätze, jeder an seinem
Platz und in seiner Umgebung. In diesem Sinne wünsche ich ein gutes und
gesundes, in erster Linie aber friedliches Neues Jahr. Ihr / Euer Adi Meister.
Einladung zum 22. DFW-Seminar
Der
Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) führt vom
27. bis 29. Januar 2006 in der Frankenakademie Schloss Schney sein 22.
Wochenend- Seminar durch. Es wird das Thema »Ist Europa noch zu retten?
– Plädoyer für eine soziale Bildungspolitik in Europa« behandelt.
Als Referenten sind u.a. angekündigt:
Dr. Georges Liénard (Europäische Humanistische Föderation, Brüssel)
und
Peter Kriesel (Bundesvorsitzender des Fachbandes Ethik).
Horst Prem und Dr. Volker Mueller werden das Wochenendseminar
leiten.
Die Kosten betragen 127 Euro für ein Einzelzimmer und 140 Euro für ein
Doppelzimmer incl. Logis und Verpflegung (Teilnehmer aus den neuen
Bundesländern zahlen einen ermäßigten Betrag).
Die Anmeldung muss schriftlich bis zum 12. Januar erfolgen bei:
Horst Prem
Prinz-Otto-Straße 9
85521 Ottobrunn
Fax: 089/6090177
Haben wir eigentlich schon alle realisiert, was 2005 in die Brüche
gegangen ist? Die Süddeutsche Zeitung titelt im Oktober 2005: »Der
Streit um ein soziales Europa: Wer nicht für faire Regeln sorgt, der
spielt mit dem Feuer«. Der Verfassungsentwurf für Europa, der diese
Regeln festschreiben soll, ist auch deshalb gescheitert, weil grundsätzliche
demokratische Prinzipien, wie das der Gewaltenteilung, nicht berücksichtigt
wurden. Um solche Rechtsverletzungen zu umschreiben, sind 400 Seiten nötig,
welche die Bevölkerung zu Recht misstrauisch werden lassen. Inzwischen
brennt ein Eckpfeiler der EU, nämlich Frankreich, da auch dort die
sozialen Fragen keiner Lösung zugeführt wurden. Die große Koalition
in Deutschland tritt ihren Beweis für eine konsequente Lösung der
sozialen Frage in einem multikulturellen Deutschland erst an. Der
Generalstreik in Belgien im Oktober gegen die Rentenreformpläne der
Regierung wirft kein besseres Licht auf die dortige Situation. Religiös
motivierte Morde in Berlin und den Niederlanden weisen auf das Problem
der nicht erfolgten Integration von Menschen mit anderem kulturellen
Hintergrund hin. Diese Gemengelage ist inzwischen zu einem
hochexplosiven Gemisch verdichtet, das die EU sprengen kann. Was ist zu
tun? Europa braucht eine soziale und integrierende Bildungspolitik, die
auf Nicht-Diskriminierung und Toleranz fußt, um zu überleben. Das sind
wir den geistigen Traditionen dieses alten Kontinents schuldig. Dies
setzt aber ein Bildungssystem voraus, in dem diese Werte auch praktisch
gelehrt werden. Absolutheitsansprüche sind mit einem sozialen und
integrierenden Umfeld unvereinbar. Deshalb muss die EU Gedanken
entwickeln, wie europaweit zu Nicht- Diskriminierung und Toleranz
erzogen wird und ob den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften das
Monopol der Werteerziehung überlassen werden darf, wenn wir aus dem
Teufelskreis Sozialabbau und Diskriminierung herauskommen wollen. Mit
diesen elementar wichtigen Fragen wollen wir uns im Seminar in der üblichen
Offenheit eine Meinung bilden. Wir laden Sie herzlich dazu ein! Dr. Volker Mueller, Horst Prem
Die
zehn Angebote des evolutionären Humanismus
In
Anlehnung an die »Zehn Gebote« der Bibel hat die
Giordano-Bruno-Stiftung zehn »Angebote« entwickelt. Diese Angebote
wurden von keinem Gott erlassen und auch nicht in Stein gemeißelt.
Somit ist es jedem Einzelnen überlassen, die Angebote zu überprüfen,
sie anzunehmen, zu modifizieren oder gänzlich zu verwerfen.
1. Diene weder fremden noch heimischen »Göttern« (die bei genauerer
Betrachtung nichts weiter als naive Primatenhirn-Konstruktionen sind),
sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern!
Diejenigen, die behaupteten, besonders nah ihrem »Gott« zu sein, waren
meist jene, die dem Wohl und Wehe der realen Menschen besonders fern
standen. Beteilige dich nicht an diesem Trauerspiel! Wer Wissenschaft,
Philosophie und Kunst besitzt, braucht keine Religion!
2. Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten!
Du wirst nicht alle Menschen lieben können, aber du solltest
respektieren, dass jeder Mensch - auch der von dir ungeliebte! - das
Recht hat, seine individuellen Vorstellungen von »gutem Leben (und
Sterben) im Diesseits« zu verwirklichen, sofern er dadurch nicht gegen
die gleichberechtigten Interessen Anderer verstößt.
3. Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut, dich deines
eigenen Verstandes zu bedienen! Bedenke, dass die Stärke eines
Arguments völlig unabhängig davon ist, wer es äußert. Entscheidend für
den Wahrheitswert einer Aussage ist allein, ob sie logisch
widerspruchsfrei ist und unseren realen Erfahrungen in der Welt
entspricht. Wenn heute noch jemand mit »Gott an seiner Seite«
argumentiert, sollte das keine Ehrfurcht, sondern Lachsalven auslösen.
4. Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten - es sei denn, es
gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität
durchzusetzen! Wer in der Nazidiktatur nicht log, sondern der Gestapo
treuherzig den Aufenthaltsort jüdischer Familien verriet, verhielt sich
im höchsten Maße unethisch - im Gegensatz zu jenen, die Hitler durch
Attentate beseitigen wollten, um Millionen von Menschenleben zu retten.
Ethisches Handeln bedeutet keineswegs, blind irgendwelchen moralischen
Geboten oder Verboten zu folgen, sondern in der jeweiligen Situation
abzuwägen, mit welchen positiven und negativen Konsequenzen eine
Entscheidung verbunden wäre.
5. Befreie dich von der Unart des Moralisierens! Es gibt in der Welt
nicht »das Gute « und »das Böse«, sondern bloß Menschen mit
unterschiedlichen Interessen, Bedürfnissen und Lernerfahrungen. Trage
dazu bei, dass die katastrophalen Bedingungen aufgehoben werden, unter
denen Menschen heute verkümmern, und du wirst erstaunt sein, von welch
freundlicher, kreativer und liebenswerter Seite sich die vermeintliche
»Bestie« Homo sapiens zeigen kann.
6. Immunisiere dich nicht gegen Kritik! Ehrliche Kritik ist ein
Geschenk, das du nicht abweisen solltest. Durch solche Kritik hast du
nicht mehr zu verlieren als deine Irrtümer, von denen du dich besser
heute als morgen verabschiedest. Habe Mitleid mit jenen Kritikunfähigen,
die sich aus tiefer Angst heraus als »unfehlbar« und ihre Dogmen als
»heilig« (unantastbar) darstellen müssen. Sie sollten in einer
modernen Gesellschaft nicht mehr ernst genommen werden.
7. Sei dir deiner Sache nicht allzu sicher! Was uns heute als richtig
erscheint, kann schon morgen überholt sein! Zweifle aber auch am
Zweifel! Selbst wenn unser Wissen stets begrenzt und vorläufig ist,
solltest du entschieden für das eintreten, von dem du überzeugt bist.
Sei dabei aber jederzeit offen für bessere Argumente, denn nur so wird
es dir gelingen, den schmalen Grat jenseits von Dogmatismus und
Beliebigkeit zu meistern.
8. Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem du dich gründlich
nach allen Seiten hin informierst, bevor du eine Entscheidung triffst!
Du verfügst als Mensch über ein außerordentlich lernfähiges Gehirn,
lass es nicht verkümmern! Achte darauf, dass du in Fragen der Ethik und
der Weltanschauung die gleichen rationalen Prinzipien anwendest, die du
beherrschen musst, um ein Handy oder einen Computer bedienen zu können.
Eine Menschheit, die das Atom spaltet und über Satelliten kommuniziert,
muss die dafür notwendige Reife besitzen.
9. Genieße dein Leben, denn dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses
eine gegeben! Sei dir deiner und unser aller Endlichkeit bewusst, verdränge
sie nicht, sondern »nutze den Tag« (Carpe diem)! Gerade die
Endlichkeit des individuellen Lebens macht es so ungeheuer kostbar! Lass
dir von niemandem einreden, es sei eine Schande, glücklich zu sein! Im
Gegenteil: Indem du die Freiheiten genießt, die du heute besitzt, ehrst
du jene, die in der Vergangenheit im Kampf für diese Freiheiten ihr
Leben gelassen haben!
10. Stelle dein Leben in den Dienst einer »größeren Sache«, werde
Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerteren
Ort machen woll(t)en! Eine solche Haltung ist nicht nur ethisch vernünftig,
sondern auch das beste Rezept für eine sinnerfüllte Existenz. Es
scheint so, dass Altruisten die cleveren Egoisten sind, da die größte
Erfüllung unseres Eigennutzes in seiner Ausdehnung auf Andere liegt.
Wenn du dich selber als Kraft im »Wärmestrom der menschlichen
Geschichte« verorten kannst, wird dich das glücklicher machen, als es
jeder erdenkliche Besitz könnte. Du wirst intuitiv spüren, dass du
nicht umsonst lebst und auch nicht umsonst gelebt haben wirst! (Aus:
»Manifest des Evolutionären Humanismus «, Alibri Verlag, 2005)
Jugendgruppe
des HVB Havelland besucht Küstenregion Südostindiens/ Hilfseinsatz für
katastrophengeplagte Dörfer
Der
rotbraune Sand klebt an den Händen und schiebt sich unter die Fingernägel.
Trotz Nieselregens ist es sehr warm, unter den Regenjacken schwitzt man
schnell. Noch ein Mangrovensetzling in die Kuhle heben, Sand
raufschaufeln, festtreten und weiterlaufen zum nächsten Erdloch. Die
Mitglieder der diesjährigen HFH-Indienaustauschreise kamen richtig ins
Schwitzen: In Basavanipalem, einem Dorf an der südostindischen Küste,
das im vergangenen Jahr vom Tsunami betroffen war, pflanzte die
Jugendgruppe 2011 Mangrovensetzlinge. Die Gewächse werden innerhalb
weniger Wochen zu einem buschigen Strauchwerk mit starken Wurzeln
heranwachsen und einen natürlichen Schutzwall vor Flutwasser und Sturm
bilden. Als die Nachricht vom verheerenden Tsunami im vergangenen
Dezember die Welt erschütterte, waren viele Freidenker und ihre
Familien im Havelland und von anderen befreundeten Vereinen sehr
betroffen. Besondere Sorge galt unseren indischen Freunden im
Atheistischen Zentrum (AZ) in Vijayawada (ca. 80 Kilometer von der Küste
entfernt). Zwischen dem Zentrum im Bundesstaat Andhra Pradesh und dem
HFH besteht seit 1996 ein humanistisches Jugendaustauschprogramm.
Mittlerweile hat sich daraus eine tiefe Freundschaft entwickelt, die uns
als eine große globale Familie fühlen lässt. Bei der Katastrophe Ende
2004 wurde zum Glück niemand aus dem Zentrum verletzt. Sofort starteten
das AZ und seine Tochterorganisationen Hilfsaktionen an der Küste, um
die betroffenen Menschen zu unterstützen. Bereits im Januar 2005, als
HFB-Vorsitzender Volker Mueller und andere HFH-Mitglieder die World
Atheist Conference in Vijayawada besuchten, konnte eine Spende von
Havelländer Freidenkern und ihren Familien für die Hilfe im
Tsunamigebiet übergeben werden. Auch fast ein Jahr später gibt es an
der indischen Küste immer noch genug zu tun: Das Gebiet rund um
Vijayawada und der Küstenstreifen zum Golf von Bengalen sind ständig
von Naturkatastrophen betroffen. Flüsse treten in der Regenzeit über
die Ufer und überfluten ganze Landstriche, im Gegensatz dazu gibt es
lange Dürreperioden, die wiederum durch tropische Regenstürme
(Zyklone) unterbrochen werden. Erst im vergangenen September trat der
Fluss Krishna im Gebiet um Vijayawada über die Ufer. Deshalb war die
HFH-Austauschreise neben dem kulturell-sozialen Anspruch um einen
arbeitstechnischen erweitert: Die Jugendlichen (zwischen 17 und 26
Jahren) packten und verteilten 1295 Notfall-Sets für Dörfer, die von
der Krishna- Flut betroffen waren. In einer weiteren Aktion stemmten die
havelländischen Freidenker knapp zwei Tonnen Reissäcke, um sie an Bedürftige
aus den Flutgebieten zu verteilen. Im Tsunami-Gebiet legte die Gruppe
einen Grundstein für ein Schutzhaus, das unter anderem durch
HFH-Spendengelder finanziert wurde, und pflanzte den
Mangrovenschutzwall. »Uns ist natürlich klar, dass unsere Arbeitseinsätze
nur klitzekleine Tropfen auf den heißen Stein sind, aber es tut gut,
dass wir wenigstens ein bisschen helfen konnten«, resümiert unsere
HFH-Mitarbeiterin Katrin Jura, die die diesjährige Austauschreise
leitete. Für weitere Aktionen durch die Hilfsorganisationen des AZ übergab
die Gruppe erneut eine großzügige Geldspende von HFH-Mitgliedern,
ihren Familien und Unterstützern. Mehr noch als von ihrem
Arbeitseinsatz war die Reisegruppe von den betroffenen Menschen
beeindruckt: »Obwohl sie soviel Leid durchstehen müssen, haben sie
ihre Lebensfreude nicht verloren. Die Natur- und Heimatverbundenheit
dieser liebenswürdigen Menschen bewundere ich sehr«, sagte
HFH-Mitglied Christin Richter nach der Begegnung mit den Dorfbewohnern
und fasste damit wohl zusammen, was alle Helfer fühlten. In zahlreichen
Gesprächen mit Betroffenen und den Mitarbeitern des Atheistischen
Zentrums wurden die Probleme des Landes deutlich und die humanistische
Hilfe und der Zusammenhalt aller Völker dieser Welt unterstrichen. Die
Gruppe nahm zudem an Seminaren für die »Kultur des Friedens und der
Gewaltlosigkeit« am Institut für Gandhi- Studien in Wardha
(Bundesstaat Maharashtra) und in Vijayawada teil, die viele neue Aspekte
eines positiven Atheismus und die Notwendigkeit humanistischer Werte
verdeutlichte. Zurück in Deutschland fiel es vielen Gruppenmitgliedern
zunächst schwer, sich wieder auf ihr westliches Leben mit all seinen
Bequemlichkeiten einzulassen. Tina Hoffmann, die bereits zum dritten Mal
die Freunde im Atheistischen Zentrum besuchte, sagte nach ihrer Rückkehr
in Deutschland: »Im Moment ist mir diese unsere Welt sehr fremd und
vieles kommt mir so unglaublich albern, überflüssig und oberflächlich
vor. Ich hoffe, dass ich viele Eindrücke und Erlebnisse aus diesem
wunderbar eindrucksvollen Land in mein 'normales Leben' mitnehmen und
bewahren kann.« Marie
Prott (Humanistischer Freidenkerbund Havelland)
fowid
– Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland
Zielsetzung
Wie
viel Prozent der deutschen Bevölkerung glauben an die Auferstehung der
Toten, die Macht der Sterne oder die Wiedergeburt? Wie viel vertrauen
eher der Wissenschaft als der Religion? Gibt es im Osten Deutschlands
mehr säkular denkende Menschen als im Westen? Sind Katholiken
mehrheitlich gegen den Schwangerschaftsabbruch? Wie verbreitet sind
Vorstellungen nichtchristlicher Religionen (beispielsweise Islam oder
Buddhismus) in Deutschland? Was zeichnet jenes Drittel der Deutschen
aus, das offiziell keiner Religion mehr angehört? Werden in absehbarer
Zeit mehr als die Hälfte der Deutschen konfessionslos sein? Fragen wie
diese versucht die im Januar 2005 von der Giordano Bruno Stiftung ins
Leben gerufene Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid)
empirisch zu beantworten. fowid verfolgt das Ziel, umfassende
Informationen zu allen Fragen, die mit Weltanschauungen – sowohl im
religiösen wie im politischen Sinn – verbunden sind, zu erheben,
auszuwerten, zusammenzufassen und öffentlich zugänglich zu machen.
Arbeitsweise
fowid
kann in seiner Arbeit auf bereits vorhandene empirische Datensammlungen
zurückgreifen (Statistische Jahrbücher, Jahresberichte, demoskopische
Studien etc.). Zum Teil ist es möglich, diese Daten einer statistischen
Sekundäranalyse zu unterziehen und sie so speziell auf den
weltanschaulichen Aspekt hin auszuwerten. Ergänzt werden diese teils übernommenen,
teils neu analysierten Daten durch die Ergebnisse eigener empirischer
Studien. In der Darstellung wird zwischen der sachbezogenen Beschreibung
und (gegebenenfalls) einer meinungsbezogenen Anmerkung unterschieden.
Weitere Informationen finden sich im Internet unter: www.fowid.de
»Weltlicher
Humanismus« –
Neues Buch von Dr. Dr. Joachim Kahl
Wir
möchten hier auf eine besondere Neuerscheinung auf dem Büchermarkt
hinweisen. Der Titel des Buches lautet: »Weltlicher Humanismus« mit
dem Untertitel: »Eine Philosophie für unsere Zeit«. Autor dieses
Buches ist Dr. Dr. Joachim Kahl. Sein bisher bekanntestes Buch heißt:
»Das Elend des Christentums oder Plädoyer für eine Humanität ohne
Gott«. Dieses Buch erschien 1968 und hat damals unter Fachleuten
beachtliches Aufsehen erregt. Mit seinem neuen Werk wendet sich Kahl
nicht in erster Linie an die Fachwelt, sondern an jedermann; d.h. nicht,
dass jedem Leser die dort vorgestellten Ideen zusagen werden, aber das
Werk ist für jedermann verständlich. Veröffentlichungen zum Thema »Philosophie
« sind oftmals auf eine akademische Leserschaft zugeschnitten; ganz
anders verhält es sich mit dem hier vorgestellten Werk. Es ist
inhaltlich anspruchsvoll, aber doch bewusst in einer angenehmen Sprache
gehalten. Der Inhalt des Buches ist gut gegliedert und so abgestimmt,
dass man die 14 Kapitel jeweils auch unabhängig voneinander lesen kann.
Für alle diejenigen, die von Kahl schon etwas gelesen oder gehört
haben, dürfte besonders das 15. Kapitel von Interesse sein; hier
beschreibt Kahl die beruflichen und ideologischen Stationen seines
Lebens in Form eines persönlichen Rückblicks mit einer
Standortbeschreibung seiner heutigen Position. Sein nun vorgelegtes Buch
nennt er einen »Reiseführer« durch das Land der Philosophie. Es ist
aber keine Reise in die Geschichte oder in die Theorie, sondern eine
Reise in das gelebte Leben, d.h. in Fragen der Philosophie als
Lebenshilfe, der Religion, der Lebensbewältigung – alles zeitlose
Fragen, die immer wieder nach Antworten suchen. Es werden Themen
behandelt wie:
• Philosophie, welchen Dienst leistet sie
• Vom Sinn des menschlichen Leben
• Eine Neubewertung der zehn Gebote
• Vom Lob der Freundschaft
• und 10 weitere lebensnahe Fragen und
Themenkreise.
Die Autoren, auf die Kahl sich bezieht, werden oft
mit ihren wichtigsten Aussagen zitiert, man muss also den Text nicht
erst im Original suchen. Es gibt im Buch keine Fußnoten, dafür aber
eine überschaubare Liste der empfehlenswerten Literatur. Natürlich –
das ist kein wissenschaftliches Werk und will es auch nicht sein. Es ist
aber das Ergebnis scharfsinniger, intensiver Beschäftigung mit der
Wissenschaft und ihren Ergebnissen. Mit seinen prägnanten, klar
formulierten Aussagen ist dieses Buch manchem wissenschaftlichen Werk überlegen.
Kahl lässt den Leser nicht im theoretischen Dschungel der Philosophie
zurück, er bietet vielmehr alltagstauglichen Humanismus und Anreize zu
einer persönlichen Lebenspraxis. Wir können dieses Buch uneingeschränkt
empfehlen! Der Autor Joachim Kahl ist Doktor der Theologie und der
Philosophie. Er wird sein Buch im Januar in München und Regensburg persönlich
vorstellen. Rainer Statz
Drewermann
tritt aus der Kirche aus
Mit
dem ehemaligen Priester und Kirchenkritiker Eugen Drewermann erhält das
Heer der Konfessionsfreien einen prominenten Neuzugang. Bereits zu
seinem 65. Geburtstag Ende Juni 2005 ist Drewermann aus der katholischen
Kirche ausgetreten. In einer Talksendung Mitte Dezember bestätigte er
den Austritt und bezeichnete diese Entscheidung als »ein Geschenk der
Freiheit an mich selber«. Durch die Veröffentlichung des Buches »Kleriker.
Psychogramm eines Ideals«, in dem er unter anderem die These vertritt,
dass der Zölibat der psychischen Gesundheit der katholischen Priester
schade (und das nicht zuletzt deshalb von vielen Priestern als »Nestbeschmutzung«
empfunden wurde), kam es zum Streit mit der katholischen Amtskirche. Als
Drewermann in einem Interview mit dem Spiegel dann auch noch die
Jungfrauengeburt anzweifelte, entzog ihm am 8. Oktober 1991 der
Erzbischof des Erzbistums Paderborn, Johannes Joachim Degenhardt, die
kirchliche Lehrerlaubnis. Im Januar 1992 folgten das Predigtverbot und
ein kirchliches Strafverfahren. Drewermann arbeitete seitdem als
freiberuflicher Schriftsteller und Psychotherapeut. Wenn es um
kirchliche Themen geht, ist Drewermann – im Gegensatz zu bekennenden
Atheisten oder Agnostikern – ein gern gesehener Gesprächspartner in
diversen Fernseh-Talkshows. Dass sich Drewermann nach seinem
Kirchenaustritt einer der zahlreichen freigeistigen Gruppierungen
anschließt, kann man nicht erwarten. Seine Gläubigkeit hat Drewermann
immer wieder betont. Seine langjährige Kirchenkritik richtet sich nicht
gegen den Glauben, sondern gegen die Amtskirche. So sagte er in einem
Interview: »Sobald man anfängt zu denken, frei zu werden, ein Mensch
und eine Person, ist es unerträglich, die Wahrheit Gottes an ein Amt
gebunden zu finden. Man streift Hüllen ab. Das gefällt natürlich
denen nicht, die gern Hüllen tragen. Die Frage ist nur, wie weit man es
lohnend findet, diese Auseinandersetzung zu führen.« Monika
Hendlmeier
Rezept
zur
Herstellung der FGR
Dieser
Tage habe ich in einem medizinischen Magazin ein »Rezept« gelesen, das
auch, leicht abgewandelt, für unsere FGR gelten könnte. Hier sei es
aus unserer Sicht einmal vorgestellt:
Zutaten:
12
Seiten leeres Papier
2 – 3 Pfund Erfahrung unserer Mitglieder
2 Messerspitzen Satire
1 Tasse Mitarbeit unserer Mitglieder
1 Esslöffel Kreativität
1 Tasse Zeitkritisches Wahlweise eigene Ideen und Vorschläge
Zubereitung:
Man
nehme 12 leere Seiten, gebe diese an die Redaktion der FGR. Die
Erfahrung und die Ideen bzw. Vorschläge werden zusammen mit der Satire,
der Kreativität und der Zeitkritik zusammen mit freiwilligen Helfern
mit einem großen Löffel umgerührt, man gebe noch ein paar selbst
verfasste Artikel hinzu und lasse vierteljährlich eine FGR entstehen.
Wenn das Konzept termingerecht aufgegangen ist, kann es in 1000facher
Anzahl gedruckt und an die Mitglieder verteilt werden. Das Falten, das
Zusammentragen, die Kuvertierung, die Adressierung, das Verpacken, den
Versand übernehmen die ehrenamtlichen Helfer im bfg-Büro. So könnten
wir uns das Rezept für die Herstellung unseres Verbandsheftes optimal
vorstellen. Mit anderen Worten, jeder, der etwas beizusteuern hat,
bringt dies dem Büro des bfg in Fürth zur Kenntnis. Allerdings darf
er/sie dann nicht böse sein, wenn ausgerechnet dieser Beitrag
(hoffentlich aus Platzmangel) mal nicht erscheint. Bestimmt ist das Glück
dann beim nächsten Mal besser gelaunt. Es wäre doch gelacht, wenn bei
den 5000 Mitgliedern in Bayern nicht Menschen wären, die eine
literarische Ader, natürlich in erster Linie hinsichtlich unserer
Anliegen, haben, um mitzuarbeiten. Überlegt doch einmal, wie Ihr Euch
einbringen könnt! Adi
Meister
Freigeistige
Presseschau
Glaubensfestigkeit
der Kirchenmitglieder schwindet
Mehr als ein Drittel (35 %) der erwachsenen
Kirchenmitglieder in Deutschland würden heute »wahrscheinlich nicht«
(20 %) bzw. »sicher nicht« (15 %) Mitglied ihrer Kirche werden, wenn
sie nicht schon als Kind getauft worden wären. Dies geht aus einer repräsentativen
Umfrage der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid)
hervor. 36 Prozent der Kirchenmitglieder antworteten auf die Frage, ob
sie heute freiwillig in die Kirche eintreten würden, mit einem klaren
»sicher «, ein Viertel der Befragten (26 %) mit einem zurückhaltenderen
»wahrscheinlich «. Schon 2002 hatte eine Allbus-Studie ermittelt, dass
nur noch 35,5 Prozent der katholischen und 23,3 Prozent der
evangelischen Kirchenmitglieder eine der Grundbedingungen des
christlichen Glaubens erfüllen, nämlich an einen persönlichen Gott zu
glauben.
Köhler:
Kirchen nicht aus Schulen drängen
Bundespräsident
Horst Köhler hat vor einer Verdrängung der Kirchen aus der Mitte der
Gesellschaft gewarnt. Bei einem Festakt zum 450. Jahrestag des
Augsburger Religionsfriedens sagte Köhler, die Kirchen dürften nicht
aus Bereichen herausgedrängt werden, in denen sie über Jahrhunderte
ihren Beitrag geleistet haben. »Ich denke hier besonders an die Schule
und an den von den Kirchen erteilten Religionsunterricht, auf den wir
nicht verzichten sollten.« Anmerkung
FGR: Etwas mehr weltanschauliche Neutralität sollte unser Bundespräsident
schon zeigen.
Splitter
und Balken
So
lautet ein Kommentar im »Neuen Deutschland« am 24. 09., dem wir uns
voll anschließen können: »Der gerade im Amt Bestätigte hat
gesprochen: Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen
Bischofskonferenz, hat vor einem Stillstand der Reformen gewarnt. Außerdem
hat der oberste Bischof der katholischen Kirche der Linkspartei
vorgeworfen, sie wolle »Veränderungen per se verhindern «.
Ausgerechnet die katholische Kirche, die seit Jahrhunderten Frauen
ausgrenzt und sich dabei auf alte Traditionen beruft, wirft anderen vor,
sie wollten Veränderungen verhindern. [...] Doch der Gipfel an
Heuchelei ist damit bei Lehmann noch nicht mal erreicht. Der Bischof
kritisiert auch die Union: Sie habe den sozialen Ausgleich vernachlässigt.
So recht Lehmann damit hat, so wenig hat er das Recht, auf diesen
Splitter im Auge der Union zu zeigen. Denn er übersieht den Balken im
eigenen Auge: Die Kirchen beschäftigen in Deutschland 1,3 Mio.
Arbeitnehmer – ohne Betriebsräte, ohne Streikrecht und zu Löhnen,
die oft deutlich unter Tarif liegen. Wenn die Kirchen endlich den
sozialen Ausgleich im eigenen Hause pflegen würden, könnten sie auch
Forderungen an andere stellen. Bis dahin sollten sie zu diesem Thema
besser schweigen.«
Termine
der bfg-Rundfunksendungen
Unsere
nächsten Rundfunktermine sind: 22. 01. 2006 05. 03. 2006 jeweils So.,
7.05 Uhr, Bayern 2 UKW Die Manuskripte der Sendungen können gegen
Erstattung des Portos im Büro angefordert bzw. per Email bezogen
werden.
Impressum
Freigeistige Rundschau Ausgabe 01-2006, 10. Jahrgang
Auflage: 1050 Stück
Bund für Geistesfreiheit K.d.ö.R. Alexanderstr. 14 90762 Fürth
Tel.: 0911 / 777303 Fax: 0911 / 7416637
Internet: www.bfg-bayern.de E-Mail: bufigei@bfg-bayern.de
V.i.S.d.P.: Adi Meister – Vorsitzender
Redaktion: Adi Meister; Monika Hendlmeier
Satz und Layout: Monika Hendlmeier
Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung
des Herausgebers wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird
keine Haftung übernommen. Über die Veröffentlichung von Leserbriefen
entscheidet die Redaktion.