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Freigeistige Rundschau Mitteilungsblatt des Bundes für Geistesfreiheit Bayern K.d.ö.R. (bfg) Ausgabe 1-2005 (1.Quartal) Inhalt: Erinnerungen an Gunnar Meister Rückblick auf das Ludwig-Feuerbach-Jahr 2004 in Bayern Prof. Buggle erhielt Ludwig-Feuerbach-Preis Kindergärten-Projekte des Mitgliedsverbandes HVD Nürnberg Katholische Kirche schrumpft immer stärker UNESCO-Preis für Taslima Nasreen .Humor ist, wenn man trotzdem lacht.. Ob man allerdings angesichts unserer Zukunftsaussichten, sowohl weltweit wie im Bereich der Bundesrepublik, noch lachen kann, ob man seinen Humor noch behalten kann, erscheint mir mehr als fraglich. In Amerika, dem angeblich freiesten Land der Erde, sind immer mehr die Fundamentalisten auf dem Vormarsch - im wahrsten Sinn des Wortes. Sie marschieren wieder, die Anhänger des Herrn Bush. Sie marschieren sowohl in Amerika, wie auch in vielen anderen Teilen der Welt. Am schlimmsten wohl im Irak, einem Land, das durch Herrn Bush und seinem religiösen Fanatismus in ein Elend ohnegleichen gestürzt wurde. Nun sagen Sie evtl., das ist doch kalter Kaffee, das Kriegsverbrechen im Irak ist doch nicht erst seit kurzem. Stimmt. Aber - Herr Bush wurde wiedergewählt, obgleich bereits vor seiner Wahl für jeden vernünftig denkenden Menschen feststand, dass der Irak und alle anderen Kriegsschauplätze, wo sich amerikanische Truppen engagieren, nicht durch Gewalt zu befrieden sind. Herr Bush aber, der angeblich von Gott geheilte Säufer, hat mit Hilfe seiner Kirche und den dort tätigen willigen Kreaturen des Fundamentalismus seine Ansicht von der Befriedung der Welt durchgesetzt. Sogar der Papst wurde hierfür vor der Wahl eingespannt. Herr Bush und seine Administration werden uns in Zukunft wohl noch mehr Kriege bescheren. Es muss doch möglich sein, die Welt durch amerikanische Fundamentalisten unter Kontrolle zu bringen. Doch auch in Deutschland scheint die Welt langsam aus den Fugen zu geraten. Nicht nur, dass Deutschland und der deutsche Bundeskanzler massive Aufbauhilfen für den Irak versprechen, nein - es werden auch gerade die so genannten Kleinen immer mehr geschröpft, um derartige Verbrechen an der Menschheit, die Herr Bush und seine Helfershelfer begehen, wieder ins Lot zu bringen. Man kann mir zu Recht entgegenhalten, dass dies wohl im Rahmen der Menschlichkeit geschehen muss. Wäre es aber nicht menschlicher gewesen, die Kriegsverbrechen massiver im Vorfeld zu verhindern? Natürlich haben wir uns nicht am Krieg im Irak beteiligt, dies muss auch sehr hoch angerechnet werden, doch bilden wir jetzt nicht Polizisten für den Irak aus? Ist dies nicht eine originäre Aufgabe für diejenigen, die diesen Krieg vom Zaun gebrochen haben? In Deutschland sollte man lieber darauf achten, dass die Schere der Armut auf der einen und des Reichtums auf der anderen Seite nicht noch weiter auseinander geht! 10 % der Bevölkerung Deutschlands besitzen 47 % des Volksvermögens! Für einen hohen Prozentsatz in Deutschland lebender Menschen wurde Hartz IV eingeführt. Die Großunternehmen entlassen tausende von Mitarbeitern, machen aber Gewinne ohne Ende und in Rekordhöhe. Sie fragen, was hat dies alles in einer freidenkerischen und freigeistigen Publikation zu tun? Ich denke sehr viel! Sind doch unsere Vorfahren vor mehr als 150 Jahren angetreten, das Joch der fundamentalistischen Herrschaft abzuschütteln. Sie sind aufgestanden gegen die Dogmen, die heute wieder gültig werden sollen. Ohne die Wachsamkeit von freidenkenden Menschen wären wir sicher nicht so weit gekommen, wie dies heute der Fall ist. Der Versuch, wieder zurück in die Vergangenheit, im Zeitalter der Hochtechnik, zu gelangen ist überall spürbar. Lassen wir uns nicht wieder zu Sklaven der Fundis und des Mammons machen! Ihr Adi Meister der bfg Bayern wird, im Gegensatz zu den Kirchen, vom Staat sehr kurz gehalten. Wir müssen unsere Arbeit in erster Linie aus unseren Mitgliedsbeiträgen finanzieren. Allerdings wollen wir diese auch nicht erhöhen. Dies würde unseren Gedankengut widersprechen. Doch um unsere Arbeit aufrecht erhalten zu können, die wir ja alle völlig ehrenamtlich machen, benötigen wir gute Bürogeräte. So ist es notwendig, mit leistungsfähigen PCs und auch Kopierern zu arbeiten. Gerade diese Geräte sind einem hohen Verschleiß unterworfen. Zur Zeit sind unsere Geräte schon sehr alt, so dass Neuanschaffungen notwendig geworden sind und werden. Wir möchten Sie deshalb bitten, so es Ihnen möglich ist, für diese Anschaffungen eine Spende zu geben. Dies ist das erste mal, dass wir mit einem derartigen Ansinnen an unsere Freunde und Gönner herantreten, doch wir haben es gewagt und hoffen, dass unsere Bitte Erfolg hat. Wollen Sie uns etwas zukommen lassen, können Sie auf
Kt. Nr. 10 51 247 überweisen. Es hilft der kleinste Betrag. Herzlichen Dank im voraus. Wünschen Sie eine Spendenbescheinigung, so vermerken Sie dies bitte auf der Überweisung. Erinnerungen an Gunnar Meister Gunnar Meister starb am 6. Oktober 2004 mit noch nicht 47
Jahren an seinem schweren Krebsleiden. Im bfg hat Gunnar - ohne große Funktionen - viel im Hintergrund gearbeitet. Als die Geschäftstelle des bfg nach Fürth zog, war er dort stets engagiert. Er hat die verschiedenen Druckerzeugnisse modern gestaltet, so hat er auch dieses Mitteilungsblatt in Zusammenarbeit mit anderen Freunden erarbeitet und stets neue herausgebracht. Er hat sich verdient gemacht, als er die Computer und andere technische Geräte in der Geschäftsstelle eingerichtet hat und vor allem, als er in vorbildlicher Weise als Webmeister die Hompage-Seiten des bfg gestaltete und zuverlässig betreut hat. Diese Internetpräsenz erhielt große Resonanz in der Öffentlichkeit. Die Anzahl der Abfragen unserer Seiten ist sehr beachtlich, auch viele Links weisen auf sie hin. Die Informationen werden viel benutzt, auch gerne von Gegnern. Gunnar Meister hat in der folgenden Zeit noch weitere Homepage-Seiten von befreundeten Organisationen, so auch unseres .Dachverbandes freier Weltanschauungen. eingerichtet und ehrenamtlich mitbetreut. Auch bei vielen weiteren Aufgaben hat er mitgewirkt und die Vorstandschaft unterstützt . Der Tod hat Gunnar von unserer Seite weggerissen. Die Bestattungsfeier am Burgfarrnbacher Friedhof war beeindruckend:Die engagierte Ansprache von Gesinnungsfreund Wolfgang Günther aus Schweinfurt hat die Anwesenden tief bewegt. Gunnar bleibt in unseren Erinnerungen als ein wichtiger Mitstreiter für eine bessere Zukunft in dieser oft so inhumanen Welt. Der Verlust von Gunnar schmerzt uns alle sehr. Gerade die jüngeren Kräfte in unserer Organisation sind dazu aufgerufen, die Lücke, die Gunnar hinterlassen hat, aufzufüllen und die Arbeit im Sinne von Geistesfreiheit und eines modernen Humanismus weiter voranzutreiben. (H. Steuerwald) Rückblick auf das Ludwig-Feuerbach-Jahr 2004 in Bayern Würdigung weltweit Ludwig Feuerbach gehört zu den ganz großen Philosophen der Aufklärung in Deutschland. Dies wird kaum noch bestritten. Sein Ruf ist weltweit. An den Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen wie den Volkshochschulen in Deutschland, aber auch in entsprechenden Einrichtungen im Ausland ist man in diesem Jahr verstärkt auf den großen Philosophen eingegangen. Auffallend ist, dass man sich gerade in Japan und Korea verstärkt mit Feuerbach beschäftigt. Im Übrigen: An der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften fand vom 22. bis 23. Oktober eine internationale Tagung der Feuerbachforscher statt. Von inoffizieller Seite gab es in ganz Deutschland viele Veranstaltungen anlässlich seines 200. Geburtstages. Es fällt übrigens auch auf, dass auf evangelischer Seite - im Gegensatz zu früher - die Bedeutung des Philosophen stärker herausgestellt wird und man setzt sich mehr mit seinen philosophischen Gedanken auseinander. In diesem Jahr erschienen auch eine Vielzahl Schriften und Werke zu Ludwig Feuerbach. Besondere Bedeutung für uns dürfte das von Dr. Mueller herausgegebene Buch "Religionskritik und Geistesfreiheit" (Angelika Lenz Verlag) haben. Eine Vielzahl bekannter Autoren nehmen darin zu Ludwig Feuerbach Stellung. Staatliche Stellen und Ludwig Feuerbach Es muss leider festgestellt werden, dass von offizieller staatlicher Seite Ludwig Feuerbach wenig gewürdigt wurde. Immerhin erschien eine Briefmarke der Deutschen Post anlässlich des Jubiläums. Was im CSU-Staat Bayern zu erwarten war: Hier kam von offizieller staatlicher Seite praktisch kaum etwas. Vom staatlichen Rundfunk, von Bayern 2, wurde immerhin am 29.07.2004 ein Radio-Essay von Reinhard Knodt zu Ludwig Feuerbach gebracht und dann war dann noch der Beitrag von uns im Rahmen der Freigeistigen Betrachtungen. Der Beitrag der Städte und ihrer Einrichtungen Einige Städte, aber auch Universitäten legten sich mehr
ins Zeug, allen voran natürlich die Stadt Nürnberg, der Stadt in der
Ludwig Feuerbach viele Jahre lebte und auch begraben ist. In Nürnberg
fand immerhin eine große offizielle Veranstaltung im Rathaussaal mit
Begrüßung durch den Oberbürgermeister Dr. Maly statt. Die Festrede
hielt allerdings nicht ein Vertreter aus dem freigeistigen Raum Die
Feierrede hielt der christlich orientierte Rechtswissenschaftler Prof.
Gröschner. Es war eine gute interessante Rede mit viel Nachdenkenswertem,
doch wurde sie dem Freigeist Ludwig Feuerbach nicht gerecht. Hatte die
Stadt nicht den Mut einen der bekannten freigeistigen Philosophen und
Feuerbachforscher zu nehmen? Im übrigern wurde von der Stadt in
Verbindung mit dem örtlichen Bürgerverein St. Jobst-Erlenstegen ein
Philosophenweg am Denkmal Ludwig Feuerbachs eingeweiht und Stelen mit
Zitaten des Philosophen aufgestellt. Ein guter Beitrag der Stadt für
seine Bürger und Besucher. Verbände in Bayern im Ludwig-Feuerbach-Jahr Anders als von offizieller Seite gab es eine
Vielzahl wichtiger Veranstaltungen von Vereinigungen zum Feuerbachjahr.
Besonders hat sich natürlich die "Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft"
hervorgetan, sie hat mehrere kleinere und größere Veranstaltungen
organisiert. Sie hat vor allem mit der Loge "Zur Wahrheit" eine
Feierstunde am Geburtstag Ludwig Feuerbachs veranstaltet - dies übrigens
zeitgleich mit der offiziellen städtischen Veranstaltung! Die Presse hat
sich darüber amüsiert. Darüber hinaus hat der Verein hat in Erlangen
eine zweitägige interessante Fachtagung mit bekannten Feuerbachforschern
anfangs Juli in Erlangen organisiert. Am 24. Oktober hat der DFW anlässlich seiner Tagung in Fürth eine weitere Festveranstaltung zum Ludwig-Feuerbach-Jahr 2004 ausgerichtet. Als Festrednerin konnte Renate Bauer gewonnen werden. Oberbürgermeister Dr. Jung hat die Veranstaltungsteilnehmer begrüßt. Anschließend wurde ein Blumengebinde am Grabe des Philosophen auf dem Johannisfriedhof niedergelegt. Eine sehr gute Feuerbachveranstaltung mit dem bekannten Feuerbachforscher Prof. Schuffenhauer - leider mit geringer Besucherzahl - hat der Humanistische Verband (HVD) Nürnberg Anfang Juli gestaltet. Der bfg Fürth hat am 25. Juli eine Fahrt mit Führungen zu Feuerbachgedenkstätten durchgeführt, an der auch viele Teilnehmer des Symposiums des DFV sich beteiligt haben. Die Veranstaltung schloss mit einem gemütlichen Zusammensein mit interessanten Gesprächen. Auch in verschiedenen anderen Städten in Bayern wurden von den örtlichen Gruppen des bfg anlässlich dieses Gedenkjahres erfolgreiche Veranstaltungen durchgeführt. (H. Steuerwald) Prof. Buggle erhielt Ludwig-Feuerbach-Preis In einem Festakt des bfg Augsburg wurde Prof. Franz Buggle für seine bibel- und religionskritische Arbeit der Ludwig-Feuerbach-Preis 2004 verliehen. Im nahezu vollbesetzten Musiksaal des Augsburger Zeughauses wies der stellvertretende Vorsitzende des bfg Augsburg, Dr. Gerhard Czermak, zunächst auf die bahnbrechende Leistung von Feuerbach hin, die selbst im Jubiläumsjahr und trotz der Herausgabe einer Briefmarke nicht in der wünschenswerten Breite publiziert wurde. Nach einem musikalischen Zwischenspiel des Gitarristen Dominik Zimmermann, der im Laufe des Abends mehrmals kurze Werke von lateinamerikanischen Klassikern vortrug, ging der örtliche bfg-Vorsitzende Gerhard Rampp auf das Thema ein "Was hat Ludwig Feuerbach mit Augsburg zu tun?". Er wies u.a. auf die zahlreichen religionskritischen Persönlichkeiten hin, die in Augsburg und Umgebung gewirkt hatten, und setzte sich kritisch mit dem Anspruch des heutigen Augsburg auseinander, sich angesichts des stadteigenen Feiertags und des Augsburger Religionsfriedens von 1555 als Friedensstadt zu profilieren. Solange immer nur vom religiösen und nicht auch vom weltanschaulichen Frieden gesprochen werde, würden Konfessionsfreie ausgegrenzt. Dr. Kurt Schobert, Bundesgeschäftsführer der DGHS und Mitglied des bfg Augsburg, hielt anschließend die Laudatio auf den Preisträger. Er würdigte nicht nur dessen Analyse des Alten und Neuen Testaments aus humanitärer Sicht, sondern dass Prof. Buggle in seinem bekannten Buch .Denn sie wissen nicht, was sie glauben. auch die Verhaltensweisen jener Menschen untersucht hat, die sich trotz der vielen brutalen Bibelstellen nicht von diesen Inhalten lösen wollten oder konnten. Anschließend überreichte Dietmar Michalke (stellvertretender Vorsitzender des bfg Bayern und des bfg Augsburg) dem Preisträger eine Urkunde sowie eine Goldmedaille mit dem Porträt Ludwig Feuerbachs. Der sichtlich erfreute Preisträger bedankte sich in einer lebendigen und spontanen Rede für die Auszeichnung, die ihn sehr ermutige. Er schilderte in überaus witziger Weise die bisherigen Reaktionen von Klerus und Presse auf sein Buch und gab einen Ausblick auf sein nächstes religionskritisches Buchprojekt, das allerdings noch in Arbeit sei. Im Anschluss an die Preisverleihung erfreuten sich die Besucher noch an einem Stehempfang mit Sekt, Orangensaft und kulinarischen Spezialitäten. Der rundum gelungene Abend fand auch in der Augsburger Allgemeinen seinen (kurzen) Niederschlag - das von Prof. Buggle befürchtete Totschweigen fand also zumindest diesmal nicht statt. (G. Rampp)Kindergärten-Projekte des Mitgliedsverbandes HVD Nürnberg Fast zwölf Jahre nach Gründung des Humanistischen Verbandes Deutschlands existiert noch immer die Frage, die HVD und (Teile des) bfg trennt: Soll eine Weltanschauung auch Dienstleister sein? Der HVD beantwortet diese Frage eindeutig mit "Ja". In diesem Jahr feierte die älteste Einrichtung des Nürnberger HVD, der Kindergarten Mögeldorf, sein 10jähriges Bestehen. Hier muss besonders betont werden, dass dieser Kindergarten in seiner Idee und Konzeption ein Kind des bfg Nürnberg ist. Ausschlaggebend für das Projekt war die Erkenntnis, dass es erstens einen Mangel an Kindergärtenplätzen gab und dass es zweitens für die Eltern, die ihre Kinder ohne religiöse Bevormundung erziehen wollten, kein verlässliches Angebot gab. Größte Träger für Kindertagesstätten in Nürnberg und Bayern waren und sind die evangelische und die katholische Kirche. Kommunale Einrichtungen sind an das staatliche Neutralitätsgebot gebunden; die konkrete Arbeit vor Ort hängt ab von der Einrichtungsleitung und ihrer persönlichen Einstellung. Pelzmärtel, Weihnachten, Ostern nehmen einen breiten Raum im Kindergartenjahr ein, ohne erklärt oder gar hinterfragt zu werden. Ein Verband, der sich als Interessenvertretung nicht religiöser Menschen versteht, kann und muss hier protestieren und intervenieren. Aber mit welchem Erfolg? Und wenn Erfolg, dann wann? Und vor allem: Was hilft es den Eltern in ihrer konkreten (Not-)Situation? Wenn eine Situation als falsch erkannt ist, dann hilft kein Reden und Lamentieren, dann muss gehandelt werden. Ich bin den Mitgliedern von damals dankbar, dass sie den Mut zu der weitreichenden Entscheidung hatten und den Kindergarten Mögeldorf Wirklichkeit werden ließen. Für den HVD Nürnberg ist aus diesem ersten Schritt ein Weg geworden. Zu den 50 Kindergartenplätzen in Mögeldorf sind 50 in Nürnberg - St. Peter und 100 in Fürth hinzugekommen. 200 Kinder und ihre Eltern erleben täglich, wie schon die Dreijährigen über das eigene Handeln und seinen Sinnzusammenhang zu Werten, Normen und einer ethischen Grundhaltung kommen. Nicht nur über weltlichen Humanismus dozieren und diskutieren, sondern ihn leben und erlebbar machen sind Motiv, Zweck und Ziel der Kindergärten des HVD. Der (selbstgesetzte) Erziehungsauftrag, Kinder in die Lage zu versetzen, ein selbstbestimmtes und verantwortliches Leben führen zu können, kann nicht auf die Kindergartenzeit beschränkt bleiben. Unser Schulsystem steht nicht erst seit TIMMS und PISA im Zentrum der Kritik, jeder von uns kann selbst erlebte Beispiele anführen, wie Schule nicht sein soll. Auch hier will der HVD Nürnberg eine Alternative bieten: Wie kann Schule gestaltet werden, wenn sie die Kinder in ihrem Drang, Neues zu erfahren und erforschen ernst nimmt? Wie kann ihnen vermittelt werden, dass aus der erlebten Umwelt eine gestaltete und gestaltbare wird, für die sie gemeinsam mit anderen auch Verantwortung tragen? Die "humanistische Schule" wurde zum Schuljahr 2004/05 von der Regierung ausgebremst, aber wir sind zuversichtlich, dass es dieses richtige, wichtige und notwendige Angebot im September 2005 geben wird. Mit dem .Turm der Sinne. unterhält der HVD auch ein Museum; aber keines zur andächtigen Bewunderung vergangener Leistungen, sondern ein Museum zum Begreifen. Wie kommen unsere Erfahrungen zu Stande? Wie verlässlich sind sie?, sind die Fragen, die den Besucher durch das Museum (beg)leiten. Auch hier geht es um Aufklärung und Selbstbestimmung: Wenn mir schon die eigenen Sinne unsichere Daten liefern, was gehe ich dann mit fremden Erfahrungen um? Kann ich sie ungefragt übernehmen? Das jährlich stattfindende Symposium erörtert dieses Problem im wissenschaftlichen Diskurs. Der HVD unterhält Einrichtungen, die deutlich machen, dass weltlicher Humanismus eine selbstbestimmte Alternative für das tägliche Leben bietet. Er ist keine Weltanschauung, die nur für besinnliche und nachdenkliche Momente taugt, sondern eine, die für die konkrete Situation konkrete Antworten bereithält. Bislang beschränken sich unsere Angebote in Nürnberg auf den Lebensanfang, Angebote für ältere und alte Menschen müssen folgen. Ich persönlich würde mich freuen, wenn HVD und bfg diesen Weg in Zukunft wieder gemeinsam gehen könnten. Ich glaube, dass die Zeit dafür reif ist. Und ich bin der Überzeugung, dass die Menschen uns brauchen, gemeinsam.(Susanne Jahn-Graf, Vorstandsmitglied des HVD Nürnberg und stellvertretende HVD Bundesvorsitzende) Anmerkung der Redaktion: Dankenswerterweise hat sich inzwischen im bfg Bayern weitgehend die Meinung durchgesetzt, dass freigeistige und freidenkerische Anschauungen nicht nur ideell, sondern auch praktisch umgesetzt werden müssen, sofern die finanzielle Basis hierfür vorhanden ist. Dies war vor 10 Jahren beim bfg Nürnberg der Fall. Auch der bfg Bayern gratuliert zu dieser damals mutigen Entscheidung. Dabei darf angemerkt werden, dass der bfg Fürth dankbar für das Engagement des HVD Nürnberg in Fürth ist.
Katholische Kirche schrumpft immer stärker Das Jahr 2003 brachte der katholischen Kirche Deutschlands
mit einem Minus von 295 000 Mitgliedern ihren stärksten Rückgang seit
1949. Entscheidend waren nicht die rund 130 000 Austritte (plus 18 000
gegenüber dem Jahr 2002), sondern der immer größer werdende Überhang
der Bestattungen gegenüber den Taufen. Offiziell wird die Katholikenzahl
bundesweit mit 26 165 Millionen angegeben, doch tatsächlich dürften es
gut 300 000 weniger sein, weil viele Diözesen immer noch nicht die
amtlichen Meldedaten berücksichtigen und deshalb Personen mit doppeltem
Wohnsitz oft auch doppelt gezählt werden. Die evangelische Kirche, verlor
2003 sogar 375.000 Mitglieder. Demnach waren Ende 2003 effektiv noch 31,3
% der Einwohner katholisch und nahezu ebenso viele evangelisch.
(Inzwischen dürften es jeweils glatt 31 % sein.) Die katholischen
Kirchensteuereinnahmen stiegen 2003 trotzdem um 55 Millionen auf 8,499
Milliarden Euro, was das Wehklagen über angeblich sinkende Einnahmen doch
in einem eher fragwürdigen Licht erscheinen lässt. Bei der Delegiertenversammlung des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) am 23.10. in Fürth wurde ein neuer Vorstand gewählt. Präsident bleibt Dr. Volker Mueller, sein Stellvertreter ist Horst Prem. Auch der bfg Bayern ist im Vorstand vertreten: Wolfgang Günther wurde als Nachfolger von Adi Meister, der nicht mehr kandidierte, als Schriftführer gewählt. Für die Internetseiten des DFW ist jetzt Monika Hendlmeier zuständig. In Finnland ist es möglich, die Evangelisch-Lutherische Kirche per Internet zu verlassen. Die Freidenker von Tampere haben dazu eine Website entwickelt, in der man nur seinen Namen und seine Sozialversicherungsnummer in ein elektronisches Formular einträgt, es ausdruckt und ans Registeramt schickt. Die Website heißt www.eroakirkosta.fi (deutsche Übersetzung: www.tritt-aus-der-kirche-aus.fi). Vom Starttag 21.11.2003 bis zum Ende des Jahres 2003 haben 1400 Leute die Site benutzt, um ihren Kirchenaustritt zu erklären. Im Jahr 2004 sind es bisher 7028 (Stand Anfang Dezember).Die Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands erlebt einen starken Anstieg von Austritten, seit eine Änderung des Religionsfreiheitsgesetzes den Kirchenaustritt mit sofortiger Wirkung und per Brief ermöglicht. Im Jahre 2003 traten 26 857 Finnen aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche aus - 10 000 mehr als im Jahre 2002. (M. Hendlmeier) UNESCO-Preis für Taslima Nasreen Der Mandajeet-Singh-Preis der UNESCO für die Förderung von Toleranz und Gewaltfreiheit wurde 2004 an Taslima Nasreen verliehen. Taslima Nasreen wurde für ihren mutigen und unermüdlichen Kampf für Menschenrechte, Freiheit und Gleichberechtigung der Frauen in islamischen Ländern geehrt. Die in Bangladesch geborene Ärztin, Dichterin und Autorin musste 1994 aus ihrem Land fliehen, als sie von islamischen Fundamentalisten Morddrohungen erhielt. Anlass war das Erscheinen ihres Romans "Lajia" (Scham), der in ihrer Heimat wegen seiner kritischen Grundhaltung gegen den Islam verboten wurde. Seither lebt sie im Exil in Europa und den USA. CSU-Generalsekretär fordert Schulgebet - und stößt bei den Katholiken auf Ablehnung Die Forderung von Stoibers "Bauchredner" Söder nach Wiedereinführung von flächendeckenden Schulgebeten ist ausgerechnet bei der katholischen Kirche auf Ablehnung gestoßen. Prälat Pfanzelt, Leiter des katholischen Schulkommissariats Bayern, begrüßte zwar freiwillige Schulgebete, wollte diese aber .nicht als Instrument eines politischen oder gar religiös motivierten Kampfes gegen Andersdenkende und Andersglaubende. missbraucht wissen. Zwang sei "keine Dimension des Evangeliums". (Süddeutsche Zeitung, 16.11.04)Anm. FGR: Alle Bischöfe mit Ausnahme des Regensburger Oberhirten billigten diese Position. Sie zeigt, dass die Kirche aus der Schulkreuz-Diskussion und dem dort erfolgten Missbrauch des Kreuzes durch die CSU (als "Kultursymbol") einiges gelernt hat. Stadt Gersthofen stellt nur christliche ErzieherInnen ein Einer bundesweit einmaligen Verletzung der religiös-weltanschaulichen Neutralität kam der bfg Augsburg dank der Aufmerksamkeit eines Mitglieds auf die Spur. Die Stadt Gersthofen bei Augsburg übernahm einen renovierungsbedürftigen Kindergarten der katholischen Kirche, den diese aus Kostengründen nicht weiter betreiben wollte. Gleichzeitig verpflichtete sich die Stadt dort künftig nur Personal einzustellen, das einer Kirche angehört. Gegen diese Praxis lief der bfg Sturm und drohte eine Popularklage vor dem bayerischen Verfassungsgerichtshof an. Gleichzeitig forderte er das Landratsamt Augsburg-Land auf, diesen Passus des Vertrags wegen Rechtswidrigkeit nicht zu genehmigen. (Eine Antwort hierzu steht noch aus.) Nach der erheblichen Presseresonanz verteidigte der zweite Bürgermeister den Deal zunächst, doch später rückte der 1. Bürgermeister (ebenfalls CSU) davon etwas ab, indem er betonte, nicht die Kommune, sondern die Kirche habe auf dem umstrittenen Passus bestanden, der .ganz unproblematisch nicht. sei. Daher habe er die Kirche um Stellungnahme gebeten. Sollte diese aber auf der Vereinbarung bestehen, gelobte er Nibelungentreue: .Dann stehen wir das gemeinsam durch.. Beiläufig wurde bekannt, dass die genannte Regelung bereits bei zwei anderen Kindergärten unbeanstandet praktiziert wurde, weil sie - an ders als diesmal - nicht in der Presse erwähnt wurde. (Augsburger Allgemeine, 26., 27. u. 28.8. sowie 17.9.04)Anm. FGR: Der Verdacht liegt nahe, dass der Kindergarten nur vorübergehend in städtische Hand übergehen soll um nach der Sanierung wieder von der Kirche betrieben zu werden. Dies entspräche auch dem kirchlichen Bestreben, möglichst viele Sozialeinrichtungen zu betreiben - aber mit möglichst wenig Eigenanteil. Millionenzuschuss der Stadt München für Jüdisches Zentrum Die hochverschuldete Stadt München, die sonst fast alle freiwilligen Zuschüsse für die nichtkonfessionelle Jugend- und Sozialarbeit gestrichen hat, finanziert eben diesen Sektor innerhalb der Israelitischen Kultusgemeinde mit einem Jahreszuschuss von 3,89 Millionen Euro. Profitieren werden davon etwa 2000 Kinder und Jugendliche, denen am Jakobsplatz künftig 1200 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen werden - viermal so viel wie bisher. Die Stadt, die schon von den Baukosten des Zentrums über 20 der 58 Millionen Euro getragen hatte (der Freistaat übrigens ebenfalls), denkt gleichzeitig daran, ihr Angebot an kommunalen Bildungseinrichtungen drastisch zu verringern. (Süddeutsche Zeitung, 30.11.04)Anm. FGR: Gerade weil der bfg jede Form des Antisemitismus rigoros ablehnt, darf er sich erlauben, hier Bedenken anzubringen. Sie richten sich nicht gegen die Unterstützung der sozialen Aufgaben des Jüdischen Zentrums, sondern gegen die kümmerliche Behandlung aller anderen freien Träger. Wenn sich die Stadt hier schon mit einem so ungewöhnlich hohen Betrag engagiert, dann sollte sie ihre sozialen Pflichtaufgaben ebenso gewissenhaft erfüllen. Eine so offensichtliche Ungleichbehandlung, die der Bevölkerung in anderen Stadtteilen (Hasenbergl) ja nicht verborgen bleibt, könnte durchaus eine Wirkung entfachen, die weder der bfg noch die Stadt wünschen: Rechtsextremen sollten nicht unnötig publikumswirksame Argumente frei Haus geliefert werden. Termine der Rundfunkreden Unsere nächsten Rundfunkreden sind: 26.12.2004 06.02. 2005 20.03. 2005 08.05. 2005 jeweils So., 7.05 Uhr, Bayern 2 UKW Freigeistige Rundschau Ausgabe 01-2005, 9. Jahrgang Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wider. Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung übernommen. Über die Veröffentlichung von Leserbriefen entscheidet die Redaktion. |