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Wie die Republikaner den Fall Schavo für sich nutzen (2.4.2005)



Fürther Nachrichten

Samstag, 2. April 2005

„Terri ist von Gott geschickt“

Wie die Republikaner den Fall Schiavo für sich nutzen.

Von Chr. Oelrich (dpa), Fürther Nachrichten v. 2.4.2005

WASHINGTON – Religiöse Gruppen mit strikt konservativer Familienmoral sind in den USA seit dem Amtsantritt von Präsident George W. Bush stark im Aufwind. Der Fall Terri Schiavo hat der religiösen Rechten aber die Chance auf ungeahntes Rampenlicht beschert.

Zahlreiche Aktivisten nutzten das und hoffen, die allgemeine Betroffenheit über das Schicksal der Koma-Patientin in eine größere moralkonservative Revolution umzumünzen. „Terri Schiavo ist uns von Gott geschickt, um sichtbar zu machen, was in Amerika vor sich geht.“ Sagte der republikanische Mehrheitsführer im Abgeordnetenhaus, Tom DeLay vergangene Woche bei einem Treffen der christlich-konservativen Gruppe „Rat für Familienforschung“. Die konservative Werte seien unter Beschuss, meinte er, vor allem durch die Justiz. Nach Schiavos Tod griff er die Richter an, die fast 30 mal gegen Schiavos entschieden hatten. Beobachter erwarten umso rigorosere Versuche der Republikaner , die nächsten frei werdenden Richterposten, über die der Kongress entscheidet, mit konservativen Kandidaten zu besetzen.

 Vor dem Hospiz, in dem die Koma-Patientin am Donnerstag starb, waren Vertreter der religiösen Rechten die vergangenen zwei Wochen ständig im Bild. Randall Terry, der in den 80er und 90er Jahren als militanter Abtreibungsgegner bekannt wurde, trat als Sprecher der Schiavo-Eltern Bob und Mary Schindler auf. Für Schiavo setzten sich auch die „Koalition für traditionelle Werte“ ein, die sonst gegen Homosexuellen-Rechte kämpft, das „Komitee für Recht auf Leben“, das die Evolutionslehre aus amerikanischen Schulen verbannen will, und die Anti-Abtreibungsgruppe „Operation Rettung“.

Hoffen auf Spenden.

Auf vielen Webseiten waren neben dem hübschen Gesicht der einst gesunden Terri Schiavo auch prominent die Spendenaufrufe in eigener Sache platziert. „Ich betrachte das als Segen für die Bewegung der konservativen Christen, den die liebe Terri uns beschert hat“, sagte der Gründer der „Koalition für traditionelle Werte“, Lou Sheldon. Wer die Schiavo – Eltern je mit Spenden für den Rechtsstreit gegen ihren Schwiegersohn unterstützte, kann demnächst mit Post und Spendenaufrufen für andere konservative Zwecke rechnen.

Soweit der Artikel aus den „Fürther Nachrichten“

Wer nun noch an der Scheinheiligkeit des Präsidenten Bush und seiner Anhänger zweifelt ist selbst schuld.

Bedenkt man in diesem Zusammenhang, dass in dem von diesen Kreisen angezettelten Irakkrieg schon Tausende Menschen ihr Leben lassen mussten und wohl auch noch lassen müssen, so kommt die gesamte Verkommen- und Verlogenheit dieser konservativen Gruppierungen ans Tageslicht. Würden diese Gruppen sich in gleicher Weise für die im Irak ums Leben gekommenen Menschen zu Wort melden, in Amerika wäre längst ein Umdenken zu dem Irakkrieg und im Hinblick auf den selbsternannten Weltpolizisten Bush in Gang gekommen.   

Nun ist die Familie Terris zutiefst zerstritten. Trotzdem scheuen sich die konservativen Geschäftemacher nicht, weiterhin die Stimmung anzuheizen. So werden von einem Priester Richter und der Ehemann Terris als Mörder bezeichnet.

Wie, so müssen diese Menschen gefragt werden, vereinbart sich deren Lehre von einem „Heimholen zu Christi“ und von einer „Erlösung durch den Tod“ sowie einem „seligen Leben nach dem Tod“ und vielen solchen dummen Sprüchen mehr, mit dem, was sie in den vergangenen Wochen getan haben? Haben sie Terri nicht davon abhalten wollen „heimzukehren“, haben sie sich nicht an“ ihren Gott versündigt“, der Terri zu sich holen wollte?

Auch hier Beweise für die konservative Geldgier, lies sich doch mit Terri wunderbar Geschäft machen. Sie wurde in brutalster Weise zu Werbezwecken ausgenutzt.

Hier kann wirklich nur gefragt werden:

„Glaubst Du noch – oder denkst Du schon?

Nur wer denkt kann sich der Tragweite dieses Vorgangs bewusst sein.

Der bfg verurteilt derartige Praktiken und ist der Meinung, dass jedem Menschen ein Recht auf Sterben zusteht. Leider ist dies in der heutigen Zeit immer noch nicht in den Köpfen unserer Politiker fest verankert. Die Diskussion um die Patientenverfügung  z. Zt. beweist dies nachdrücklich. Wir empfehlen deshalb derartige Verfügungen zu treffen. 

                        Adi Meister

              bfg Landesvorsitzender

 



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