| Pressebericht des Nachrichtensenders N24: Papst entschuldigt sich bei Gott... |
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| Reaktion der Nobelpreisträgerin Rigoberta Menchu... auf das "mea culpa" |
| Bund für Geistesfreiheit begrüßt Entschuldigung des Vatikan |
Leider konnten wir uns nicht verkneifen, zumindest zwei Sprüche zu hinterfragen...
Quelle: Radio Vatikan
An
diesem ersten Fastensonntag fand im Petersdom die seit langem erwartete Buß-Feier
mit der Bitte um Vergebung für die Verfehlungen der Kirche in der Vergangenheit
statt. Im Rahmen der Eucharistie bat der Papst Gott um Vergebung und bekannte im
Namen der Kirche die Schuld der Christen im Lauf ihrer Geschichte. Die Zeremonie
begann mit einem Gang durch die Heilige Pforte, mit einem Gebet bei der Pietà
am Eingang des Domes und mit einer feierlichen Bußprozession.
In
der Predigt erklärte der Papst sein Anliegen: "Wir tragen die Last der
Irrtümer und Schuld derer, die uns vorausgegangen sind. Die Verfehlungen der
Vergangenheit anerkennen dient dazu, unser Gewissen aufzuwecken angesichts der
falschen Kompromisse der Gegenwart." Der Papst erinnerte - ohne es ausdrücklich
zu erwähnen - an die Versöhnung zwischen polnischen und deutschen Bischöfen
am Ende des 2.Vatikanums. "Wir vergeben und bitten um Vergebung."
Trotz aller Heiligkeit in der Kirche, könnte sie doch auch die Untreue gegenüber
dem Evangelium nicht leugnen, die gewisse Brüder im Lauf der vergangenen
tausend Jahre begangen hätten.
Dann zählte der Papst einige Bereiche auf: "Wir bitten um Vergebung für die Spaltungen unter den Christen, für die Anwendung von Gewalt, die einige unserer Brüder im Dienst der Wahrheit angewandt haben, sowie für die Einstellung der Feindschaft gegenüber Anhängern anderer Religionen."
WIE??
Er bittet um Vergebung für die EINSTELLUNG
der Feindschaft
???
"Wir bekennen mit umso größerem Recht unsere Verantwortung für die Übel von heute." Ausdrücklich nannte Johannes Paul II. dann Atheismus, Relativismus, Verletzung des Lebensrechts, Desinteresse gegenüber der Armut vieler Völker.
Auf
die Predigt folgte in liturgischer Form das eigentliche Bekenntnis und die Bitte
um Vergebung. Ein hoher Vertreter des Vatikans brachte in Form eines Gebetes
jeweils ein Thema zur Sprache, worauf der Papst antwortete. Kardinal Ratzinger
bekannte die Anwendung von Gewalt im Dienst am Glauben und der Moral: "Laß
jeden von uns erkennen, dass auch Menschen der Kirche - auch wenn sie zurecht
nur die Wahrheit schützen wollten - im Namen des Glaubens und der Moral
mitunter Methoden der Gewalt angewandt haben, die dem Evangelium nicht
entsprechen."
Dazu
betete der Papst: "In Zeiten der Geschichte haben Christen Methoden der Intoleranz
zugelassen. Sie haben das Antlitz Christi entstellt. Erbarme Dich deiner sündigen
Kinder. Lass uns bewusst bleiben, dass sich die Wahrheit nur durch die Kraft der
Wahrheit selbst durchsetzt."
Kardinal
Roger Etchegaray brachte die Spaltungen unter den Christen zur Sprache: "Lass
das Eingeständnis der Sünden, die die Einheit des Leibes Christi verwundet und
die geschwisterliche Liebe verletzt haben, den Weg ebnen für die Versöhnung
und die Gemeinschaft aller Christen".
Der
Papst: "Barmherziger Vater, Dein Sohn hat vor seinem Leiden darum gebetet, dass
die Gläubigen in ihm eins seien. Doch sie haben Gegensätze und Spaltungen
geschaffen. Sie haben einander verurteilt und bekämpft. Wir bitten dich um ein
reumütiges Herz, damit alle Christen sich in dir und untereinander versöhnen."
Zum
christlichen Antijudaismus trug der für den christlich-jüdischen Dialog zuständige
Kardinal Edward Cassidy das Anliegen vor:
"Wir
beten, dass die Christen im Gedenken an die Leiden des Volkes Israel im Lauf der
Geschichte die vielen Sünden erkennen, die sie selbst gegen das Volk des Bundes
und der Segnungen Gottes begangen haben und dass die Christen so ihre Herzen
reinigen."
Dazu
betete der Papst, dessen Wertschätzung der Juden in aller Welt wohl bekannt
ist: "Gott unsere Väter, du hast Abraham und seine Nachkommen erwählt,
deinen Namen zu den Völkern zu tragen. Wir sind tief betrübt über das
Verhalten aller, die im Lauf der Geschichte deine Söhne und Töchter leiden ließen.
Wir bitten um Vergebung und wollen uns dafür einsetzen, dass echte Brüderlichkeit
herrsche mit dem Volk des Bundes."
Der
japanische Bischof Hamao, der für Flüchtlinge und Heimatvertrieben im Vatikan
zuständig ist, trug das Thema Missachtung der Völker, Kulturen und Religionen
vor:
"Manchmal
haben sich Christen leiten lassen von Hass und vom Willen andere zu beherrschen,
von Feindschaft gegen Anhänger anderer Religionen, schwacher Gruppen wie etwa
Einwanderer und Zigeuner".
Dazu
das Papstgebet:
"Christen
haben die Rechte von Stämmen und Völkern verletzt, ihre Kulturen und religiöse
Traditionen verachtet. Sie haben so das Evangelium verleugnet und der Gewalt
nachgegeben."
Kardinal
Francis Arinze aus Nigeria, im Vatikan zuständig für den Dialog mit anderen
Religionen zum Thema Frauen und Einheit des Menschengeschlechtes: Gemeint war
damit auch die Missachtung der Menschen schwarzer Hautfarbe
"Lasst
uns beten für alle, deren Würde und Rechte verletzt wurden, für die Frauen,
die oft erniedrigt und ausgegrenzt wurden. Wir gestehen, dass auch Christen
Schuld auf sich geladen haben, um sich Menschen gefügig zu machen."
Dazu
Johannes Paul II: "Gott, du hast die Menschen nach deinem Bilde geschaffen
als Mann und Frau. Du hast die Verschiedenheit der Völker gewollt. Mitunter
wurde die Würde deiner Kinder nicht anerkannt. Christen haben Diskriminierung
zugelassen aufgrund von Rasse und Hautfarbe. Verzeihe uns!"
Zuletzt
trug der vietnamesische Bischof Van Thuan, für Gerechtigkeit und Frieden zuständig
das Thema Grundrechte der Person vor.
"Lasst
uns auch beten für die Minderjährigen, die missbraucht werden, die Armen,
Ausgegrenzten und die Letzten, für die Ungeborene, die im Mutterleib getötet
werden oder die für Forschungszwecke missbraucht werden."
Dazu
das Papstgebet: "Wie oft haben dich auch die Christen nicht wiedererkannt
in den Hungernden, Dürstenden, Nackten, in den Verfolgten und Gefangenen, in
denen, die am Anfang ihrer Existenz schutzlos sind. Wir beten für alle, die die
Kleinen mit Verachtung straften und bitten um Vergebung."
Reaktionen
Im
Zusammenhang mit der Vergebungsbitte des Papstes haben katholische
Bischofskonferenzen und Bischöfe weltweit ihre Bedauern über die Vergehen der
Kirche geäußert.
Die
australische Bischofskonferenz hat insbesondere um Vergebung gebeten für die
Behandlung der Ureinwohner auf dem fünften Kontinent sowie für Fälle
sexuellen Missbrauchs. Die Kirche habe darüber hinaus gegenüber Frauen,
Einwanderern und der Jugend Fehler begangen, hieß es in einer in Perth veröffentlichten
Erklärung.
Der
Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat darauf hingewiesen, dass die Vergebungsbitte
des Papstes auch zur Schuldaufarbeitung auf lokaler Ebene führen soll. Alle
Gemeinschaften trügen so etwas wie eine Schuldgeschichte in sich. Für Österreich
nannte Schönborn zwei wesentliche Themen: das konfliktreiche Verhältnis
zwischen Katholiken und Protestanten und das Verhalten von Christen gegenüber
den Juden. Der Wiener Erzbischof hatte die Priester seines Bistums aufgerufen,
am 1. Fastensonntag zusammen mit dem Papst in den Gottesdiensten belastende
Ereignisse aus der Orts- und Landesgeschichte in eine Vergebungsbitte
hineinzunehmen. Der Grazer Bischof Johann Weber betonte am Sonntag, die Geste
des Papstes müsse jeden einzelnen zu der Frage führen, wie es um die persönliche
und die gemeinsame Schuld der Menschen stehe. Bloßes Wegwischen, Vergessen und
Anklagen mache die Welt nicht menschenwürdiger. Die ganze Welt brauche vielmehr
die Fundamemtsteine der Barmherzigkeit und der Reue.
In
Deutschland bekannten mehrere Bischöfe in ihren am Wochenende veröffentlichten
Fastenhirtenbriefen Vergehen der Kirche. Zugleich ermunterten sie zu einem
selbstbewussten Christsein. hin. Der Trierer Bischof Hermann-Josef Spital sprach
von einer Schuld, die die Menschen der Kirche in der Vergangenheit auf sich
geladen hätten und es in der Gegenwart noch täten. Der Limburger Bischof Franz
Kamphaus rief die Christen zu einem zugleich demütigen und selbstbewussten
Glauben auf. Der Erfurter Bischof Joachim Wanke betonte in einem Interview, die
Wahrheit könne der Kirche nicht schaden. Es gehe darum, dass die Kirche demütiger
werde. Sie sei keine Kirche der heiligen. Die Christen müssten sensibler werden
für Schuld und Unschuld in unserer Mitte, erklärte Wanke.
Kardinal
Bernard Law, folgte ebenfalls dem päpstlichen Aufruf zu einer Vergebungsbitte.
Bei einem Gottesdienst in der Bostoner Kathedrale erklärte er, die katholische
Kirche in den Vereinigten Staaten habe Schuld auf sich geladen in der Billigung
der Sklaverei, bei sexuellem Missbrauch durch Priester, im Antisemitismus und in
der ungerechten Behandlung von Frauen. Vertreter des Judentums und der Moslems,
die an dem Gottesdienst teilnahmen, würdigten das offene Schuldeingeständnis
des Erzbischofs.
In
ersten Reaktionen auf das Schuldbekenntnis des Papstes bekundete die
Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) Respekt . Es sei
"beachtenswert" und "hoch respektabel", dass sich die
katholische Kirche ihrer Schuld stelle, sagte ein EKD-Sprecher am Sonntag in
Hannover. Die evangelische Kirche wolle den Text der Vergebungsbitte aber noch
genauer prüfen und im Verlauf dieser Woche dazu Stellung nehmen. Der Sprecher
verwies darauf, dass
viele
der vom Papst benannten Fehler wegen der Jahrhunderte langen gemeinsamen
Geschichte auch die evangelische Kirche beträfen. Darüber hinaus hätten auch
die evangelischen Kirchen seit der Reformation vieles verschuldet, was Buße
erfordere.
Der
israelische Oberrabbiner, Israel Meir Lau, begrüßte die Vergebungsbitte des
Papstes. Er zeigte sich zugleich enttäuscht, dass das Kirchenoberhaupt den
Holocaust nicht eigens erwähnt hatte. Ähnlich äußerte sich der Präsident
des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel. Er wertete die
Vergebungsbitte des Papstes dennoch als „historisches Ereignis".
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