Das Kreishaus ist für alle Bürger
Die Teilnehmer des Landestages der Freireligiösen
Landesgemeinschaft Hessen am 8. September 2002 auf der Ronneburg erklären sich
solidarisch mit dem Protest von Ursula Chmelik (Bündnis 90/Die Grünen) und
anderen Abgeordneten gegen die Anbringung eines Kreuzes im Kreistagssitzungssaal
des Landkreises Offenbach in Dietzenbach.
Die Anbringung dieses christlichen Symbols an diesem Ort steht im Widerspruch
zur Glaubens- und Bekenntnisfreiheit, die im Grundgesetz der Bundesrepublik
Deutschland verankert ist und den Staat zu religiöser und weltanschaulicher
Neutralität verpflichtet, wie es auch das Bundesverfassungsgericht in seinem
Urteil gegen die Aufhängung von Kruzifixen in Schulklassen in Bayern bestätigt
hat.
Die Bundesrepublik Deutschland ist nicht nur per Gesetz zur religiösen und
weltanschaulichen Neutralität verpflichtet, sondern die gesellschaftliche
Realität hat sich gewandelt zu weltanschaulicher Pluralität. Christen und
Angehörige anderer Verkündigungsreligionen leben mit religiös nicht gebundenen,
Freigeistern und Atheisten zusammen, und es gibt schon lange keine Alternative
zu gegenseitiger Toleranz. Diese Toleranz erfordert auf der einen Seite
Freiräume für die ungestörte Ausübung religiöser und weltanschaulicher
Überzeugungen und auf der anderen Seite gegenseitige Rücksichtnahme und
Zurückhaltung im täglichen Zusammenleben.
Wir fordern die sofortige Entfernung des Kreuzes aus dem Kreistagssitzungssaal.
Dieter Bender
Präsident der Freireligiösen Landesgemeinschaft Hessen